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Ein tolles Beispiel gelebter Ökumene: Evangelische Christen in Harsefeld feiern Gottesdienste in katholischer Kirche

Die Weihnachts-Gottesdienste feiert die evangelische Gemeinde noch in ihrer Kirche. Im Januar geht es dann ins katholische Gotteshaus
 
Nach dem Ausbau der Altarwand (kl. Foto) bietet die Harsefelder Kirche eine ganz neue Optik
jd. Harsefeld. "Für mich hat Ökumene Priorität", erklärte Papst Franziskus vor wenigen Tagen. In einem Interview bezeichnete das Oberhaupt der katholischen Kirche die Annäherung der christlichen Konfessionen als einer seiner wichtigsten Aufgaben. Diese neuen Töne aus Rom machen Hoffnung, dass die von den Kirchenoberen verordnete Trennung zwischen den einzelnen Glaubensrichtungen im Christentum irgendwann überwunden wird. Ein beeindruckendes Beispiel, wie gut Ökumene funktionieren kann, ist Harsefeld: Dort findet die evangelische Gemeinde in den kommenden drei Monaten Unterschlupf in der katholischen Kirche.

Grund für den räumlichen "Konfessionswechsel" auf Zeit ist die geplante Umgestaltung des Innenraums des evangelischen Gotteshauses. "Von Mitte Januar bis voraussichtlich Mitte April werden die Handwerker in unserer St. Marien- und Bartholomäikirche zugange sein", berichtet Pastorin Hanna Rothermundt. Dann können in der Kirche keine Gottesdienste gefeiert werden. Die Anfrage bei den katholischen Glaubensbrüdern und -schwestern, ob man in deren Kirche ausweichen dürfe, sei sofort auf positive Resonanz gestoßen, so die evangelische Pastorin. Sie bezeichnet das Vorhaben, in einer katholischen Kirche Taufen vorzunehmen und dort sogar das Abendmahl zu feiern, als spannendes Erlebnis: "Das ist mutig und wirklich gelebte Ökumene."

"Kirche mal woanders": Predigten an ungewohnten Orten

Sporadische Kirchgänger, die Gottesdienste nur zu besonderen Feiertagen besuchen, haben es vielleicht noch gar nicht bemerkt. Doch wenn sie in einer Woche an der Christvesper in der evangelischen Kirche in Harsefeld teilnehmen, wird es ihnen wohl auch auffallen: Die monumentale Altarwand, die jahrzehntelang den Blick auf die Chorfenster verwehrte, ist verschwunden. Diese Wand - wegen ihrer schwülstigen Ornamente spöttisch als "Kölner Dom" bezeichnet - wurde Ende August ausgebaut (das WOCHENBLATT berichtete), weil der Innenraum der Kirche umgestaltet werden soll. Wenn alles nach Plan läuft, wird die evangelische Gemeinde zu Ostern ihren ersten Gottesdienst im frisch renovierten Kirchenbau feiern.

Doch bis dahin ist es ein mühsamer Weg: Zunächst müssen die Kirchenoberen in Hannover das Umbauprojekt absegnen. Auch wenn die Landeskirche keinen Cent dazugibt, liegt die Entscheidung über die Baumaßnahmen bei ihr. Laut Kirchenvorstands-Vorsitzender Silke Jeske ist vorgesehen, den Fußboden, die Heizungsanlage sowie den Altarbereich komplett zu erneuern.

Für die Dauer der Bauarbeiten muss die komplette Kirche ausgeräumt werden. Für den Einbau der Heizung sei es erforderlich, den Fußboden aufzustemmen, so Jeske: "Da darf den Handwerkern nichts im Wege stehen." In zwei großen Umzugswagen verstaut tritt das Kirchenmobiliar dann die Reise nach Sachsen an, um dort restauriert bzw. eingelagert zu werden.


Während der Umbaumaßnahme werden natürlich weiter Gottesdienste gefeiert - allerdings an einem für Protestanten eher ungewohnten Ort: Die katholische Gemeinde Harsefelds bietet Obdach in ihrer Kirche St. Michael. Da dort nur einmal an einem Sonntagvormittag im Monat Heilige Messe gefeiert wird, steht die Kirche an den übrigen drei Sonntagen für evangelische Gottesdienste zur Verfügung. "Unsere katholische Freunde haben ihre Türen ganz weit für uns geöffnet", freut sich Jeske: "Daran zeigt sich, wie gut die Ökumene hier funktioniert."

Gottesdienst in der Schalterhalle: Umbaumaßnahme führt zu originellen Lösungen

Für die Sonntage, an denen die Katholiken ihre Kirche selbst nutzen, hat sich der evangelische Kirchenvorstand auch etwas einfallen lassen. Nach dem Motto "Kirche mal woanders" sollen Gottesdienste an Orten stattfinden, die sonst nicht unbedingt in einen Zusammenhang mit der Kirche gebracht werden: Im Februar wird dort Gottesdienst gefeiert, wo sich sonst alles um den schnöden Mammon dreht, nämlich in der Schalterhalle der Sparkasse, im März geht es ins Forum des Gymnasiums und im April dient der Kinosaal des Hotel Meyer quasi als Kirchenersatz.

"Wir wollen bewusst mal etwas Neues wagen und sind gespannt, wie diese Idee von der Gemeinde aufgenommen wird", meint Pastorin Hanna Rothermundt. Nach ihrer Vorstellung sollen sich die Predigten thematisch an die entsprechende Umgebung anlehnen. "In der Sparkasse wird es vielleicht darum gehen, wie Glaube und Geld zusammenpassen." Apropos Geld: Die evangelische Kirchengemeinde legt Wert auf die Feststellung, dass die Umbauten ausschließlich über Spenden finanziert werden. "Dafür fließen keine Gelder aus der Kirchensteuer wie bei anderen kirchlichen Prunkbauten in Deutschland", meint Rothermundt augenzwinkernd.