Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Feldweg als Freizeitweg?

Der Ruschwedeler Peter Blome will das niedersächsische Waldgesetz anwenden, um aus dem Feldweg einen Freizeitweg zu machen
 
Ein Teil des gesperrten Weges ist mittlerweile bepflanzt (Foto: oh)

Ärger in Ruschwedel gärt weiter: Bürgermeister will einvernehmliche Lösung finden.

Die Gegend am Steinbeck-Forst bei Ruschwedel ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Doch die Idylle trügt: Seit mehr als einem Jahr schwelt dort ein Streit um einen gesperrten Feldweg. Auf dem Neujahrsempfang sprach Bürgermeister Michael Ospalski von einem Problem, das in diesem Jahr unbedingt gelöst werden müsse.
Mehrfach berichtete das WOCHENBLATT über den Zoff zwischen den Eigentümern des Weges und Ruschwedelern, die auf das Gewohnheitsrecht pochen. Immer wieder wurden bereits ausgehandelte Kompromisse seitens der Grundstücksbesitzer gekippt. Der Weg gehört zu einem größeren Anwesen, dass vor etwa zwei Jahren von dem Ehepaar Birgit und Peer S. gekauft worden ist.
Im November 2011 standen Wanderer unvermittelt vor einem Eisengitter: Das Ehepaar S. hatte die beliebte Strecke kurzerhand verbarrikadiert. Als Grund für die Sperrung gab Peer S. ungeklärte Haftungsfragen an. Nachdem sich der Landkreis eingeschaltet hatte, wurde der Weg wieder geöffnet - für ein paar Monate.

Waldgesetz wurde ausgehebelt

Dann wurden vollendete Tatsachen geschaffen: Um die Bestimmungen des niedersächsischen Waldgesetzes auszuhebeln, nach denen jeder weitgehend ungehindert durch die freie Landschaft spazieren und auch Privatwege betreten darf, ließ das Ehepaar S. Erdwälle aufschütten. Diese riegeln nun einen längeren Wegabschnitt ab. Der bisherige Weg wurde bepflanzt, kreuz und quer waren Stolperfallen aus Stacheldraht gezogen. Auf einem Hinweisschild war eine Ausweichroute aufgezeichnet, die sich allerdings als "Holzweg" erwies: Der matschige Pfad war kaum begehbar.
Seitdem hat sich an diesem "Status quo" nichts geändert. Ein Protestmarsch der Ruschwedeler blieb wirkungslos, das Ehepaar S. brach Vermittlungsgespräche ab.
Mit am Verhandlungstisch saß der Ruschwedeler Peter Blome. Er gehört zu denjenigen im Ort, die über das Verhalten der Eigentümer verärgert sind. Mehrfach hat Blome Briefe an die Behörden geschrieben. Antworten habe er nur selten erhalten.

Keine Mehrheit für Freizeitweg?

Blome schlägt eine politische Lösung vor: Der Flecken Harsefeld soll den Weg als Freizeitweg deklarieren. Das ist nach dem Waldgesetz möglich. Die Gemeinde muss den Weg unterhalten und den Eigentümern eine Pacht zahlen.
Doch es ist fraglich, ob es dafür eine politische Mehrheit geben wird. Die Fraktionsvorsitzenden der beiden größten Parteien im Harsefelder Rat sind skeptisch: Weder für Friedrich Dammann (CDU) noch für Erwin Cordes (SPD) ist eine einvernehmliche Lösung in Sicht. "Die ganze Sache ist gegen die Wand gefahren", meint Dammann. Er ist der Ansicht, dass die Ruschwedeler durch ihr "provozierendes Verhalten“ das Ehepaar S. verärgert haben. "Der Fall ist für mich erledigt", erklärt der CDU-Fraktionschef. Die Ruschwedeler müssten jetzt selbst das Gespräch suchen und sich direkt an die Eigentümer wenden .
Auch Cordes sieht "null Chancen", über die Politik etwas zu erreichen. Und ein Gewohnheitsrecht einzuklagen, würde ein jahrelanges Prozessieren bedeuten - mit völlig offenem Ausgang.