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Fische zurück in der Vitrine: Harsefeld Bücherei hat kleines Schmuckstück wiederbekommen

Sind stolz auf das restaurierte Buch (v.li.): Monika Roesberg, Dieter Kunze, Nina Hansen, Almuth vom Lehn und Catrin Gold (Foto: jd)
jd. Harsefeld. Die Zeiten, in denen sich der Bildungsbürger den Brockhaus ins Bücherregal stellte, sind vorbei - nicht zuletzt wegen Google, Wikipedia und Co. Bücher sind out, doch vor rund 150 Jahren war es für breite Schichten der Bevölkerung geradezu ein Luxus, außer der Bibel weitere Bücher zu besitzen. Um den Menschen auf dem Lande Wissen zu vermitteln, wurde in Harsefeld Mitte des 19. Jahrhundert eine Volksbücherei gegründet. Ein Teil des historischen Bestandes ist noch erhalten - meist in keinem guten Zustand. Ein Buch aus dem Jahr 1826 wurde jetzt in akribischer Kleinarbeit restauriert.

Dem sogenannten "Fischebuch", in dem allerlei heimisches und exotisches Meeresgetier dargestellt ist, war es anzusehen, dass es durch unzählige Hände gegangen sein muss. Es gehört zur Reihe "Naturgeschichte in Bildern", ein beliebter Lesestoff für gelehrige Schüler im ausgehenden Biedermeier. Einige gingen nicht sehr pfleglich mit dem Buch um: Seiten waren lose, zerfleddert oder fehlten ganz. Dass es in neuem Glanz erstrahlt, ist Dieter Kunze und Nina Hansen zu verdanken. Kunze, Stader Ortskurator der Deutschen Denkmalsstiftung, wurde durch einen Pressebericht über die Katalogisierung des historischen Bestandes der Harsefelder Bücherei auf das Fischebuch aufmerksam.

Kunze ging mit dem Buch zu einem Restaurator in Hamburg. Doch der Experte erteilte ihm eine Abfuhr: "Schmeißen Sie das Buch weg." Da kam dem Stader die Jugendbauhütte in den Sinn: Er fragte vor Ort nach und Nina Hansen signalisierte Interesse. Die 19-jährige Buxtehuderin, die gerade ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Denkmalschutz macht, schritt in der Werkstatt des Landesarchivs zur Tat: Unter fachkundiger Anleitung zerlegte sie das Buch und nahm sich Seite für Seite vor.

Eine mühevolle Arbeit: Die FSJlerin reinigte jedes Blatt und beseitigte die Spuren früherer Reparaturversuche. Mit Japanpapier wurden schadhafte Stellen ausgebessert. Dabei musste Nina eine Engelsgeduld aufbringen: Ein halbes Jahre dauerte die Restaurierung. Versehen mit einem neuen Einband und einer schicken Kassette ist es nun die Zierde der historischen Bibliothek.

Das Schmuckstück wurde kürzlich im Beisein von Monika Roesberg vom Verein für Heimat- und Klostergeschichte und Catrin Gold vom Landschaftsverband Stade an Büchereileiterin Almuth vom Lehn übergeben. Gold, die sich mit der Erschließung historischer Buchbestände befasst, lobte Ninas Werk, das jetzt wieder in der Vitrine mit den besonderen Schätzen der Bücherei steht: "Einfach perfekt, man kann es nicht besser machen."