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Schülern wird mehr zugemutet: Nachteile beim Schulbusverkehr in Ahlerstedt

Ein Bus ist angekommen: Die Schüler strömen ins Harsefelder Gymnasium Foto: jd
jd. Ahlerstedt/Harsefeld. Das steht außer Frage: Für Ahlerstedt und Harsefeld bringt die neue Buslinie 2060, die mit dem Fahrplanwechsel am vergangenen Wochenende die bisherige Linie 2029 abgelöst hat, etliche Verbesserungen mit sich. Morgens bis kurz vor 10 Uhr gibt es jetzt Abfahrten im Stundentakt in Richtung Stade. Und ab dem späten Vormittag ist die Kreisstadt nun besser - und vor allem schneller - zu erreichen: Die Linie 2060 fährt dann auf direktem Weg nach Stade, ohne wie auf den anderen Touren Ohrensen, Helmste und Hagen zu bedienen. Das bringt immerhin zehn Minuten: Busreisende aus Harsefeld sind dann nach Stade nur 27 statt 37 Minuten unterwegs. Doch die ganz Sache hat auch einen Haken: Der liegt beim Schulbusverkehr.

Bei vielen Schülern in der Gemeinde Ahlerstedt klingelt seit Montag der Wecker eine Viertelstunde früher. Wer das Harsefelder Gymnasium besucht, muss in Dörfern wie Ahrensmoor bereits morgens um kurz vor sieben an der Bushaltestelle stehen, um rechtzeitig zum 8 Uhr-Gong in der Schule zu sein. Grund ist die komplett umstrukturierte Linie 2066, die sozusagen als Zubringer für den 2060er-Bus dient (das WOCHENBLATT berichtete).

Für die "Buskinder" unter den Harsefelder Gymnasiasten ist der Schulweg seit jeher kein Zuckerschlecken - vor allem wenn sie aus den Dörfern rund um Ahlerstedt kommen: Mit dem Zubringer-Bus geht es zunächst zur dortigen Grundschule, wo dann in den Schulbus nach Harsefeld umgestiegen wird. Doch jetzt sind die Schüler fast eine Stunde unterwegs - für eine Strecke, die mit dem Pkw in etwas mehr als zehn Minuten zu schaffen wäre (siehe unten).

Nach Ansicht von Mobilitätsexperten sind solch überlangen Busfahrzeiten im öffentlichen Nahverkehr eigentlich ein "No-Go". Wenn die Fahrt mit dem Linienbus mehr als die 1,7-fache Zeit beträgt, die man mit Auto benötigt, sprechen die Fachleute von einer "ungenügenden Verbindungsqualität". An dieser Bewertung orientiert sich auch der aktuelle, bis 2019 geltende Nahverkehrsplan des Landkreises Stade. Ziel des Planes ist es, deutliche Verbesserungen im Busverkehr zu erreichen.

Doch da liegt der nächste Haken: Das, was nach Ansicht der Nahverkehrs-Planer für den normalen Busnutzer längst nicht mehr zumutbar ist, gilt im Schulbusverkehr als durchaus zulässig. Dort greift nämlich die Schülerbeförderungs-Satzung des Landkreises. Und die besagt, dass in der Sekundarstufe Schulwegzeiten (Busfahrzeiten plus Gehzeiten zur bzw. von der Haltestelle ) bis zu einer Stunde zumutbar sind. Bei Oberstufenschülern sind es sogar 90 Minuten.

Diese Regelung wird in Harsefeld sehr kritisch gesehen. Politik und Verwaltung bemühen sich, die Attraktivität des örtlichen Gymnasiums weiter zu steigern, doch gerade überlange Busfahrzeiten könnten sich kontraproduktiv auswirken. Die Ahlerstedter Oberschule ist mit dem Bus von von vielen Dörfern in zehn Minuten zu erreichen. Dieser Zeitfaktor könnte bei der Wahl der Schulform eine Rolle spielen.

Daher hält Harsefelds Rathauschef Rainer Schlichtmann die Neuregelung der Linie 2066 für "äußerst unglücklich". Auch nach Ansicht des Harsefelder Bürgermeisters Michael Ospalski ist es wichtig, dass das Gymnasium von den Schülern schneller erreicht wird. Er stehe bereits mit den Verantwortlichen beim Landkreis im Gespräch.


Eltern-Ärger in der Gemeinde Ahlerstedt wegen Fahrplan-Änderung

"Bus und Bahn ab 10. Dezember noch attraktiver", heißt es auf der Homepage des Landkreises. Diese Aussage dürfte vielen Eltern in der Gemeinde Ahlerstedt die Zornesröte ins Gesicht treiben. Sie klingt nämlich wie blanker Hohn angesichts der wesentlich längeren Fahrzeiten, von denen viele "Buskinder" seit dem Fahrplanwechsel betroffen sind. Auch bei Ahlerstedts Bürgermeister Uwe Arndt klingelte wiederholt das Telefon. So beklagten sich Eltern, dass im Zuge der Fahrplanänderungen auch Bushaltestellen verlegt wurden - von Nebenstraßen an Hauptstraßen. "Von Schulwegsicherheit kann da keine Rede mehr sein", ärgert sich Arndt.

Der Ahlerstedter Bürgermeister hat bereits den Landkreis eingeschaltet, um herauszufinden, wer diese Änderungen veranlasst hat. Er beklagt sich, im Vorfeld nicht informiert worden zu sein: "Am Sonntag war Fahrplanwechsel, am Donnerstag davor meldete sich der örtliche Busunternehmer bei mir. Der hatte gerade erst erfahren, welche gravierenden Änderungen in Kraft treten." Dieser Fahrplanwechsel mit seinen weitreichenden Folgen sei nicht kommuniziert worden, so Arndt.

Besonders ärgerlich sind die neuen Fahrpläne für die Gymnasiasten, die in den Dörfern Ahrensmoor und Ahrenswohlde wohnen. Sie fahren nicht mehr auf direktem Weg nach Ahlerstedt, wo sie wie bisher umsteigen müssen, sondern begeben sich ab sofort auf einen "Rundkurs" via Wangersen, Bokel und Klethen. Die Fahrzeit verlängert sich damit um fast eine Viertelstunde. Wer zuvor in Ahrensmoor-Nord um 7.09 Uhr losfuhr, muss jetzt bereits um 6.54 Uhr an der Bushaltestelle stehen. Inklusive 15 Minuten Wartezeit in Ahlerstedt sind die Schüler dann fast eine Stunde unterwegs, bis sie um 7.47 am Harsefelder Schulzentrum aussteigen. Zum Vergleich: Mit dem Pkw ist diese Strecke in einer Viertelstunde zu bewältigen.

In einer ersten Stellungnahme gegenüber dem Wochenblatt verweist die KVG auf die Schülerbeförderungs-Satzung des Landkreises. Demnach ist für die Mittelstufen-Schüler eine Beförderungsdauer von einer Stunde zumutbar, für die Schüler der Oberstufe liegen sogar 90 Minuten im vertretbaren Rahmen. Laut KVG-Presseprecher Oliver Blau bringe der neue Fahrplan für 75 Prozent der Schüler im Raum Ahlerstedt eine Verbesserung mit sich: Bei Grundschülern und Oberschülern, die die Ahlerstedter Schulen besuchen, verkürzten sich die Fahrzeiten um bis zu 20 Minuten.