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Sie machen ordentlich Dampf

Sie haben richtig Spaß daran, wenn es dampft und zischt (v.li.): Alfred Theophil, Hans-Wilhelm Tobaben und Joachim Köntopp
 
Dampfmaschinen müssen liebevoll gepflegt werden: Ohne ein paar Tropfen Öl geht es nicht
jd. Harsefeld. Wenn es richtig zischt, ist der Spaß am größten: Drei Rentner haben reichlich Druck auf dem Kessel. In den meisten Familien wird es an den Feiertagen recht ruhig zugehen: Der Nachwuchs zieht sich zurück und "daddelt" mit dem Weihnachtsgeschenk - wahrscheinlich ein Handy oder eine Spielkonsole. Solche virtuellen Welten, wie sie Playstation und Co. vermitteln, gab es in der Jugend von Hans-Wilhelm Tobaben, Alfred Theophil und Joachim Köntopp noch nicht. Die drei Rentner aus Harsefeld wünschten sich vor 50 oder 60 Jahren noch "handfestes" Spielzeug zu Weihnachten - wie etwa eine Miniatur-Dampfmaschine. Damals blieb das zischende Gerät ein unerfüllbarer Wunsch. Nun - im fortgeschrittenen Alter - leben die drei Senioren ihren Traum aus: In der Weihnachtszeit treffen sie sich mit ihren Maschinen zu "Dampfabenden". Dann zischt, raucht, rattert und pfeift es.

Auf die Frage nach der Funktionsweise hat das Rentner-Trio nur gewartet. Sofort feuern die Dampfbegeisterten eine ihrer Maschinen an, um das Prozedere zu demonstrieren. Sie füllen den Kessel mit Wasser und entzünden darunter ein kleines Stückchen Trockenbrennstoff. Nun heißt es warten, bis das Wasser brodelt und Dampf erzeugt wird. Ein sattes Zischen zeigt den dreien an, dass nun genug Druck auf dem Kessel herrscht.

Dann setzt sich das Ganze in Bewegung. Die drei bekommen leuchtende Augen. Das Kind im Manne ist erweckt. Sie hantieren mit dem Ölkännchen, drehen an Dichtungen, freuen sich über das Pfeifen der Ventile und beobachten voller Begeisterung, wie alles wie geschmiert läuft. Beim Fachsimpeln fallen Ausdrücke wie Pleuelstangen, Fliehkraftregler, Schwungräder und Transmissionsriemen. Um vorzuführen, wie perfekt ihre kleinen mechanischen Wunderwerke funktionieren, haben sie kleine Bohrer, Sägen und ein Hammerwerk angeschlossen. Eine knappe halbe Stunde dauert der Spaß - dann ist das Wasser weitgehend verdampft und der Raum gefüllt mit einer Mischung aus Dampf, Rauch und Ölgeruch.

Eine besondere Affinität zu den Miniatur-Modellen hat Joachim Köntopp: Als er Mitte der 1950er Jahre seine Ausbildung zum Molkereifachmann in Scheeßel begann, war in der dortigen Molkerei noch eine echte Dampfmaschine in Betrieb. "Das war ein Prachtstück, das unser Heizer liebevoll gehegt und gepflegt hat", erinnert sich der Rentner. Damals wurde mit dem Dampf die Kühlanlage für die Milch betrieben. "Im Prinzip funktioniert bei unseren kleinen Geräten alles genauso wie bei den großen", meint Köntopp.

Für ihre Treffen, die überwiegend in der dunklen Jahreszeit stattfinden - im Sommer fehlt den Rentnern die Zeit - sucht das Dampf-Trio noch Gleichgesinnte, denen technische Begeisterung und kindliche Spielfreude noch nicht abhanden gekommen sind. Wer stolzer Besitzer einer Dampfmaschine ist und bei den Treffen gern dabei sein möchte, kann sich bei Hans-Wilhelm Tobaben melden (Tel. 0 41 64 - 46 77).

• Einige Spielwaren-Geschäft führen noch Dampfmaschinen: Der Hersteller Wilesco hat im Internet eine Händlerliste veröffentlicht: www.wilesco.de

Ein Spielzeug-Klassiker auch für "große Kinder"

Die gute alte Dampfmaschine war bis in die siebziger Jahr das "Jungs-Geschenk" schlechthin und ein mustergültiges Beispiel für didaktisches Spielzeug. Schließlich ist es wie eine praktische Übung in Physik, wenn die kleinen knatternden Ungetüme in Gang gesetzt werden. Elektro-Spielzeug wie ferngesteuerten Modellautos verdrängten ab den 1970er Jahren die mechanischen Blech-Apparaturen vom Wunschzettel. Mittlerweile sind die kleinen Maschinen heiß begehrte Sammler-Objekte. So wurde kürzlich eine Dampfmaschine der Firma Märklin für 48.000 Euro versteigert. Um solche Werte geht es bei den Harsefelder Dampfmaschinenfreunden nicht: Ihre Modelle sind erschwinglich, wenn auch nicht billig. Der Spaß mit dem Miniatur-Kesseln geht bei rund 250 Euro los.