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"Ich bin ein schmieriger Populist" - Achtung Satire: Ein augenzwinkerndes Interview mit dem "PARTEI"-Kandidaten Manfred Balzer

Ist zufrieden mit seinem "schmierigen" Wahlkampf-Grinsen: Manfred Balzer (Foto: jd)
 
Das typische Politiker-Gehabe hat Manfred Balzer schon gut drauf: Der "Polit-Rebell", der zu den Kommunalwahlen antritt, unterlegte seine Sätze im WOCHENBLATT-Gespräch mit den ganz großen Gesten
(jd). Bekannt wurde er durch den "Hollenbecker Straßenraub": Manfred Balzer wehrte sich dagegen, dass die Gemeinde gegen seinen Willen eine Straße saniert, die zum Teil seiner Frau gehört. Aus Protest nahm er mit seinem Campingstuhl mitten auf der Baustelle Platz. Nachdem er vor Gericht siegte, setzte er durch, dass ein Teil der Straße nach dem Karikaturisten Chlodwig Poth benannt wird - als Zeichen gegen Behörden-Willkür. Nun drängt es Balzer in die Politik: Er kandidiert als Einzel-Bewerber der Spaß- und Satire-Partei "Die PARTEI" (siehe Kasten) für den Ahlerstedter Gemeinderat, den Samtgemeinderat Harsefeld und den Kreistag.

WOCHENBLATT-Redakteur Jörg Dammann traf sich mit dem neuen "Stern" am Polit-Himmel zu einem Interview der besonderen Art:

WOCHENBLATT: Herr Balzer, nach dem WOCHENBLATT-Artikel über den „Hollenbecker Straßenraub“, bei dem Sie sich todesmutig vor den anrückenden Bagger setzten, gelten Sie als Volksheld, der sich gegen die Macht der Obrigkeit stemmte - sozusagen als „Wilhelm Tell der Stader Geest“. Gefallen Sie sich in dieser Rolle?
Balzer: Ich werde niemals wie Tell auf Kinder schießen. Dazu müssten Sie Frau von Storch von der AfD interviewen. Die Aktion in Hollenbeck war nötig – als Abwehrmaßnahme gegen eine „übergriffige“ Behörde. Ich habe dabei festgestellt, dass mein Campingstuhl etwas unbequem ist, und strebe daher einen Sitz im Samtgemeinde-Rat an. Die 2.000 Euro-Prunkstühle im Harsefelder Ratssaal sind bestimmt bequemer.

WOCHENBLATT: Sie treten an mit dem Slogan „Ihr Politiker für noch mehr Blabla im Kreistag“. Mit welchen langatmigen Reden zu überflüssigen Themen beabsichtigen Sie, die anderen Kreistagsabgeordneten zu langweilen?
Balzer: Ich denke, wenn ich auf einer Sitzung die Gebrauchsanweisung für meinen Toaster vorlese, wird das garantiert keinem auffallen.

WOCHENBLATT: Sich selbst versehen Sie mit dem Attribut „korrupt“: Haben Sie schon bestimmte Kreise ins Auge gefasst, von denen Sie mit dicken Geldbündeln gefüllte Umschläge entgegennehmen würden?
Balzer: Ich gehöre einer modernen Turbo-Partei an und lehne daher solche antiquierten Methoden mit vagabundierenden Umschlägen ab. Auf Bundesebene zeigen die Beispiele Schröder, Pofalla und Fischer, wie gut man Politik „verkaufen“ kann. Da müssen endlich auch hochdotierte Beraterverträge für Kommunalpolitiker drin sein.

WOCHENBLATT: Außerdem sagen Sie über sich, „machtgierig und unfähig“ zu sein: Das sind hohe ethisch-moralische Prinzipien. Wie wollen Sie es schaffen, denen gerecht zu werden?
Balzer: Die Wahlergebnisse zeigen, dass die Eigenschaften „machtgierig“ und „unfähig“ beim Wahlvolk gut ankommen. Als schmieriger Populist nutze ich die Neigung der Wähler aus, immer diejenigen zu wählen, von denen sie am meisten verdummt werden.

WOCHENBLATT: Ein weiterer Punkt in Ihrem Parteiprogramm ist der Artenschutz für die Grünen. Machen Sie sich auch im Landkreis Stade ernsthafte Sorgen, dass der grüne Politiker ausstirbt?
Balzer: Die Grünen müssen derzeit noch nicht unter Schutz gestellt werden. Seit ihrer „Kretschmarisierung“ machen sie jede Schweinerei mit, um ihre Art zu erhalten. Hauptsache, sie bekommen ab und an einen Krümel hingeworfen – im Landkreis Stade vielleicht in Form von beheizten und überdachten Radwegen.

WOCHENBLATT: Auf den Wahlplakaten ist Ihr Konterfei abgedruckt. Mit Ihrem verschmitzten, leicht angedeuteten Schmunzeln versprühen sie den gleichen Charme wie unser stets lächelnder Landrat. Sehen Sie Gemeinsamkeiten mit Herrn Roesberg?
Balzer: Wenn Herr Roesberg tatsächlich versuchen sollte, mich zu kopieren, werde ich dafür eintreten, ihn durch einen Ein-Euro-Jobber zu ersetzen. Das schont den Landkreis-Haushalt enorm. Schließlich bedarf es keiner besonderen Qualifikation, die Befehle aus Hannover mit heißer Luft anzureichern.



Satirischer Blick auf die Politik

Der Name der "PARTEI" setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Worte "Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative" zusammen. "Die PARTEI" wurde von Redakteuren des Satire-Magazins "Titanic" (Foto) gegründet, um den politischen Alltag in Deutschland auf die Schippe zu nehmen. "PARTEI"-Chef Martin Sonneborn schaffte sogar den Einzug ins Europa-Parlament.

• Infos: www.die-partei.de