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Landwirtschaftsminister Meyer diskutierte in Harsefeld über Zukunft der Bauernhöfe

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne)
 
Vor rund 100 Besuchern diskutierten Christian Meyer (kl. Fotos v.li.), Claus Schmoldt, Anneke von Reeken und Tilman Uhlenhaut Fotos: jd
jd. Harsefeld. "Wir können auf vieles verzichten, nur nicht auf die Landwirtschaft." - Mit diesem Statement warb Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) gleich zu Beginn einer Podiumsdiskussion über die Zukunft der Landwirtschaft um die Sympathien des Publikums. Das bestand vor allem aus Jungbauern. Diese hatten sich am Dienstagabend in Harsefelder Kino-Hotel Meyer versammelt, um sich mit Themen wie Agrarwende, Höfesterben und Vermarktungschancen zu beschäftigen. Neben Meyer gehörten der Diskussionsrunde die Verbraucherschützerin Anneke von Reeken, der BUND-Referent Tilman Uhlenhaut sowie Claus Schmoldt, Vorsitzender der Junglandwirte im Kreis Stade, an. Moderiert wurde die Veranstaltung vom Harsefelder Grünen-Politiker Ralf Poppe.

Obwohl es verschiedene Streitpunkte gab - wie etwa beim Naturschutz oder der Umsetzung von EU-Vorgaben -, herrschte in der Runde Konsens darüber, dass der Erhalt bäuerlicher Familienbetriebe und damit das berufliche Überleben der nächsten Hofbesitzer-Generation nur dann gewährleistet ist, wenn die hiesigen Landwirte künftig weniger von den erheblichen Preisschwankungen auf den Agrarmärkten betroffen sind und es ihnen gelingt, langfristig ein verlässliches Einkommen zu erzielen.

"Wir sind bei den Lebensmitteln die Billigheimer in Europa", kritisierte der Minister. In Frankreich werde pro Kopf doppelt so viel für Nahrungsmittel ausgegeben wie hierzulande. Da stehe der sündhaft teure Grill im Garten, doch auf dem Rost lande dann Billigfleisch. Meyer forderte ein Umdenken: Eine Agrarwende sei nur dann hinzubekommen, wenn hochwertigen landwirtschaftlichen Produkten mehr Wertschätzung entgegengebracht werde: "Die Zahl der qualitätsorientierten Kunden muss zunehmen."

Mehr Qualität statt Quantität: Das mahnte auch der BUND-Vertreter an. Nach Ansicht von Uhlenhaut führt eine Massentierhaltung wie im Oldenburgischen über kurz oder lang in die Krise. Über eine "Ausdifferenzierung der Qualität", also die preisliche Abstufung nach deutlich gekennzeichneten Qualitätskriterien, könnten Landwirte höhere Gewinne erzielen. Immer mehr Verbraucher seien bereit, für bessere Ware auch mehr Geld zu bezahlen. Die Massentierhaltung, wie sie im Weser-Ems-Raum praktiziert werde, sei auch aus ökologischen Gründen der falsche Weg, so Uhlenhaut. Er forderte staatliche Umbauprogramm, damit solche Betriebe einen finanziellen Anreiz erhalten, mehr im Sinne des Tierwohls zu handeln.

Ohne staatliche Hilfe wäre aber schon jetzt die Existenz der meisten Höfe gefährdet: "70 Prozent unseres Gewinns erzielen wir derzeit über staatliche Direktzahlungen", erläuterte Schmoldt. Ein Abbau dieser Subventionen dürfe nur über einen sehr langen Zeitraum erfolgen. Kein Landwirt hänge gern am "staatlichen Tropf", doch die Alternative könnten nur auskömmliche Preise für die Erzeugnisse sein.

Eine stärkere Regionalisierung sowie ein ähnlich verlässliches Label wie das EU-Bio-Siegel könnten dabei helfen, höherwertige Produkte besser zu vermarkten, so Anneke von Reeken von der Verbraucherzentrale. Das müsste aber wie bei den Eiern ein staatliches Gütesiegel sein, das für Produzenten und Handel verpflichtend ist: "Wir haben schon jetzt einen Label-Dschungel, durch den kein Verbraucher mehr durchsteigt."