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Mit Bussen nicht gut bedient

Die Karte zeigt die kreisweite Versorgungsquote mit Buslinien
jd. Stade. Wie ist es um die öffentlichen Verkehrsmittel bestellt? Der Landkreis legt einen neuen Nahverkehrsplan auf.
Wer nicht motorisiert ist, sollte zumindest in der Lage sein, mit dem Bus Arztpraxen, Behörden oder Geschäfte zu erreichen. Der Landkreis muss dafür Sorge tragen, dass für die Bürger möglichst flächendeckend ein ausreichendes Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln zur Verfügung steht. Doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine Lücke: Gerade in den ländlichen Bereichen sind die Fahrpläne so ausgedünnt, dass vielerorts nur zwei- bis dreimal am Tag ein Bus fährt. Für eine höhere Taktung fehlt das Geld. Die Frage der Finanzierung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ist eines der Themen, mit denen sich der sogenannte Nahverkehrsplan (NVP) befasst. Dieser Plan bildet die Grundlage für die Gestaltung des Streckennetzes und wird vom Kreis Stade derzeit überarbeitet.

Alle fünf Jahre müssen die niedersächsischen Landkreise das regionale Nahverkehrsangebot unter die Lupe nehmen. Diese Bestandsaufnahme in Sachen Busse und Bahnen ist gesetzlich vorgeschrieben. Es geht darum, Defizite bei der Versorgung mit öffentlichen Verkehrsmitteln aufzuspüren und Ziele zu definieren, um solche Mängel zu beheben. Dokumentiert wird dies alles in dem Nahverkehrsplan, der gerade aktuell für den Zeitraum 2014-2019 aufgestellt wird.
Einiges, was in dem rund 130 Seiten starken Papier steht, ist allerdings nicht unbedingt neu: Wer liest, dass das ÖPNV-Angebot in den ländlichen Bereichen geringer sei als in den Städten, muss nicht wirklich überrascht sein. Auch die Tatsache, dass der Busbetrieb zwischen den Dörfern überwiegend von der Schülerbeförderung abhängt, dürfte hinlänglich bekannt sein. Schließlich kann jeder, der auf dem Land wohnt und auf den Bus angewiesen ist, ein (Klage-)Lied davon singen: Regelmäßig zur Ferienzeit wird der Linienverkehr reduziert.

Diese Diskrepanz zwischen Schul- und Ferientagen bei der Busanbindung ist in einigen Gemeinden extrem: Wenn die Schüler frei haben, wird der Busbetrieb auf ein Minimum beschränkt. Rund ein Zehntel der kreisweit 123 Orte, die mehr als 200 Einwohner haben, kann an schulfreien Tagen gar nicht mit dem Bus erreicht werden. Dazu zählen Neuenkirchen, Großenwörden, Krautsand und Bliedersdorf.
Auch andernorts sieht es nicht viel besser aus: Besonders eklatant sei der ferienbedingte Rückgang in den Samtgemeinden Apensen, Fredenbeck und Oldendorf-Himmelpforten, heißt es in dem Papier. Kreisweit gilt die ÖPNV-Versorgung zu Ferienzeiten in mehr als 40 Prozent aller Orte als ungenügend, an Schultagen hingegen liegt diese Quote nur bei 13 Prozent.

Aufgefangen werden soll diese "Versorgungslücke" durch das Anruf-Sammeltaxi (AST). Allein aus Kostengründen ist dieses Zusatzangebot aber keine echte Alternative zum Busverkehr. Ein Beispiel: Wer etwa quer durch den Landkreis von Wangersen nach Wischhafen unterwegs ist, zahlt im HVV-Tarif 3 Euro. Beim AST werden je nach Strecke zusätzlich 4 bis 12 Euro fällig. Auch Zeitkarteninhaber müssen extra zahlen, sie erhalten lediglich einen kleinen Rabatt.

Verbesserungen bei den Busverbindungen sind zwar im Nahverkehrsplan als Ziele definiert, doch es ist fraglich, inwieweit eine Umsetzung finanziell überhaupt möglich ist. Der Landkreis wird es sich kaum leisten können, schon jetzt defizitäre Strecken zusätzlich zu subventionieren. Derzeit liegt der Plan als Entwurf vor. Bevor der Kreistag das Papier im Herbst endgültig absegnet, können Kommunen und Verkehrsunternehmen, aber auch Bürger Stellung nehmen.