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"Werden Sie im Rathaus nicht gut genug bezahlt?"

Bürgermeister und Tankstellenpächter: Michael Ospalski
jd. Harsefeld. Ein peinlicher Irrtum: Ehrenamtlicher Harsefelder Bürgermeister muss sich ungerechtfertigten Vorwurf anhören. Um Worte ist Michael Ospalski, ehrenamtlicher Bürgermeister des Flecken Harsefeld, eigentlich nie verlegen. Doch kürzlich verschlug es dem SPD-Politiker, der seine Brötchen als Tankstellenpächter und Campingplatz-Betreiber verdient, die Sprache: Er sortierte gerade die Eistruhe in seiner "Tanke", als ein älterer Herr auf ihn zusteuerte. "Werden Sie etwa nicht gut genug bezahlt im Rathaus?", herrschte der Senior Ospalski an.

"Ich war gerade von einem Ehejubiläum zurück und trug feinen Zwirn", berichtet Ospalski: "Der Mann dachte, ich wäre im Büro-Dress direkt aus dem Rathaus gekommen, um zwischendurch in der Tankstelle zu arbeiten." Offenbar sei er vor Ort so präsent, dass einige Leute irrtümlich glauben, er habe einen Vollzeit-Posten als Bürgermeister, meint der Unternehmer. Tatsächlich ist er als ehrenamtliches Gemeindeoberhaupt dauernd auf Achse. Ob Firmenjubiläum oder Goldene Hochzeit: Grußworte und Glückwünsche gehören zum täglichen Job.

Dafür gibt es 318 Euro im Monat als Aufwandsentschädigung. Ein eher bescheidenes Salär im Vergleich zum zeitlichen Aufwand. "Oft komme ich spätabends von einer Versammlung nach Hause und muss morgens gleich zu einem Geburtstag", so Ospalski.

Er nimmt den Vorfall an der Eistruhe mit einem Schmunzeln hin, kommt aber ein wenig ins Grübeln: "Viele Menschen besitzen nicht gerade eine hohe Meinung von Politikern. Die denken leider, dass wir uns immer nur die Taschen vollstopfen wollen."

In Harsefeld steht im kommenden Jahr die Neuwahl des Samtgemeinde-Bürgermeisters an. Vielleicht könnte Ospalski sich ja eine Kandidatur vorstellen. Schließlich ist der Posten des Rathauschefs gut dotiert. Doch der Unternehmer winkt ab: Seine Geschäfte laufen gut - so gut, dass er sogar im Anzug die Eistruhe einräumt.