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„Der Post-Streik kostet mich viel Geld“ - Für Mineralöl-Händler Markus Hensel ist der Ausstand existenzbedrohend

Heizöl-Händler Markus Hensel stellt derzeit einen Mitarbeiter ab, der die Rechnungen zu den Kunden bringt
 
Bleibt auf seinen Rechnungen sitzen: Markus Hensel

„Mich kostet der Post-Streik richtig viel Geld, ich gehe jede Woche mit vielen tausend Euro in Vorleistung“, sagt Markus Hensel. Der Jesteburger leitet in Harburg das gleichnamige Mineralöl-Unternehmen. Bis hoch an die Ostsee sowie im gesamten Landkreis Harburg beliefern seine Mitarbeiter Kunden mit Heizöl. Das Problem seien die Rechnungen. Die Kunden bestellen telefonisch das Öl, das innerhalb weniger Tage auch ausgeliefert wird. „Doch die Rechnungen können aufgrund des Streiks nicht zugestellt werden“, so Hensel. Am Tag sammeln sich so bis zu 30 Rechnungen. „Das sind schnell 50.000 Euro“, so der Unternehmer.


(mum). Markus Hensel ist nicht allein betroffen. Allmählich bekommen immer mehr Menschen die Auswirkungen des am 8. Juni begonnenen Post-Streiks zu spüren: Dringend erwartete Pakete bleiben aus, wichtige Briefe erreichen ihre Adressaten nicht. Ein Ende des Ausstands ist derzeit nicht in Sicht. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi haben bundesweit etwa 20.000 Beschäftigte des Post-Konzerns ihre Arbeit unbefristet niedergelegt. Verdi wirft der Deutschen Post vor, die Gewinne des Konzerns um acht Prozent jährlich steigern zu wollen, indem die Löhne der Beschäftigten um rund 20 Prozent gesenkt werden. Die Post habe ihren Vertrag gebrochen, indem sie begonnen hat, Tochtergesellschaften zu gründen, die Briefzusteller zu wesentlich weniger Lohn anstellen. Aus Sicht der Gewerkschaft sei dieses Vorgehen Teil einer gezielten Strategie. 80 bis 90 Prozent der Zusteller seien schon seit längerem in jeweils kurzen, befristeten Verträgen gehalten worden, so Verdi.
„Ich habe für die Situation der Post-Mitarbeiter Verständnis“, sagt Markus Hensel. „Aber die Gewerkschaft muss auch sehen, dass sie mit einem unbefristeten Ausstand die Existenz von kleinen Unternehmen gefährdet.“ Aufgrund des Post-Streiks bleiben in Hensels Büro jeden Tag bis zu 30 Rechnungen liegen. „Das sind schnell 50.000 Euro“, so Hensel. Kurzfristig hat sich der Jesteburger jetzt dazu entschlossen, einen seiner Tank-Fahrer abzustellen, um den Kunden die Rechnungen zu bringen. „Das kann aber nicht die Lösung sein, denn nun fehlt mir jemand, der die Kunden mit Öl beliefert.“ Zu allem Überfluss wartet Hensel seit Tagen auf einen Schlüssel zu einer großen Wohnanlage. „Er sollte mir mit der Post zugestellt werden, damit wir dort kurzfristig Heizöl nachfüllen können“, so Hensel. Er hoffe, dass der Brief ankommt, bevor der Tank leer ist.
Hensel betreibt als zweites Standbein einen Handel für Hanf-Produkte. Hier ist Hensel auf den Paketzustelldienst DHL angewiesen. Doch auch DHL erwies sich als unzuverlässig. „Anfang der Woche wurden 35 Pakete nicht abgeholt“, so Hensel. Zumindest hier gibt es eine Notlösung. „Ich werde die Pakete mit einem anderen Anbieter verschicken.“ Eine Option, die er für die Briefe nicht habe.
Dass von den 140.000 tariflich angestellten Postzustellern jetzt deutschlandweit mehr als 20.000 im Streik sind, stellt den Post-Konzern vor Herausforderungen: Mit kurzfristig angeheuerten Leiharbeitern, teils auch aus anderen EU-Ländern, versuche man, die Postzustellung am Laufen zu halten, heißt es von Unternehmensseite. Wie viele Briefe und Pakete sich derzeit unbearbeitet in den Poststellen angesammelt haben, sei nicht bekannt. Laut WDR-Informationen sind am Mittwoch 76 Prozent der eingelieferten Briefe und 63 Prozent der aufgegebenen Pakete befördert worden.
Nach Informationen der Gewerkschaft sehen die Folgen des Streiks allerdings anders aus: „Die Verteilerzentren sind rappelvoll“, wird Verdi-Sprecher Uwe Speckenwirth im WDR zitiert, Massen von Briefsendungen blieben in Containern liegen, in der Not hätte die Post bereits Garagen angemietet, um die unbearbeiteten Sendungen zu lagern. Es werde Wochen dauern, bis das aufgearbeitet ist. Die zentrale Forderung der Gewerkschaft: Die 49 regionalen Tochtergesellschaften müssen wieder abgeschafft werden.