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Mit 500 PS durch das Maisfeld

Die Brüder Jesper (9, li.) und Thore (5) Siemers erlebten jetzt ein riesiges Abenteuer - und das im wahrsten Wortsinn. Die beiden Jungen aus Buchholz durften dabei sein, als Landwirt und Lohnunternehmer Andreas Langenbein aus Over einen 500 PS starken Maishäcksler über das Feld steuerte. Die Kinder hatten die Fahrt bei einem Gewinnspiel gewonnen. Ziel war es, den Bürgern die Landwirtschaft näher zu bringen.
 
Hier ist Teamwork gefragt. Der Maishäcksler schneidet und verarbeitet die Pflanze. Der Mais wird in den Schlepper gegeben und sofort abtransportiert

Aktion „Ernten mit den Großen“: Gewinner erleben die Feldarbeit hautnah aus dem Cockpit eines Maishäckslers.



(mum). Für die Brüder Jesper (9) und Thore (5) ging jetzt ein Traum in Erfüllung. Die beiden Buchholzer durften auf einem riesigen Maishäcksler mitfahren. „Das hat richtig Spaß gemacht“, freuten sich die Jungs. Auch Vater Achim Siemers und Stephan Lohmann (Holm) waren begeistert. „Wenn man auf der Straße hinter solchen Ungetümen herfährt, macht man sich ja nicht bewusst, wie viel Arbeit dahinter steckt und wie schwer die Feldarbeit ist“, so Siemers. „Genau aus diesem Grund haben wir das Gewinnspiel organisiert“, sagt Ralf-Peter Dieck vom Maschinenring Harburg. Gemeinsam mit Hartmut Peters vom Beratungsring Hohe Geest hatte er die Idee zu der Aktion „Ernten mit den Großen“. Zu gewinnen gab es „Mitfahrtickets“ für einen Mähdrescher, einen Maishäcksler und einen Rübenroder bei der Feldarbeit.
„Modernste Technik hat die Landwirtschaft längst erreicht und fasziniert nicht nur Landwirte“, ist Dieck sicher. Spaziergänger und Radfahrer würden anhalten und den Landwirten bei der Arbeit zusehen. In dieser hektischen Zeit bleibe den Bauern aber oft keine Zeit, ihre Tätigkeit zu erklären.
Auch vorige Woche war der Zeitdruck enorm. Dennoch nahmen sich Peters und Dieck Zeit, den Interessenten die Mais-Ernte zu erklären. „Gemessen am Volumen stellt die Maisernte eine große Herausforderung für Landwirte und Lohnunternehmen da“, so Dieck. In einem begrenzten Zeitraum müssten große Futtermengen geerntet, transportiert und einsiliert (eingelagert) werden.  In „normalen“ Jahren startet die Maisernte Ende September/Anfang Oktober und dauert meist vier Wochen. Dann sieht man fast überall die großen Häckselwagen auf der Straße fahren. Sie können zwischen 40 und 50 Kubikmeter Erntegut aufnehmen und beeindrucken durch ihre Abmaße. Gezogen von Schleppern mit 150 bis 250 PS und versehen mit breiten Reifen, benötigen sie viel Platz auf den Straßen. „Die breiten Reifen sind notwendig damit die Gespanne auf den feuchten Flächen fahren können und nicht einsinken“, so Dieck. Aufgrund des schlechten Wetters findet die Maisernte in diesem Jahr deutlich später statt. „Die Pflanzen waren einfach zu feucht“, so Dieck. Zusätzlich erschweren die feuchten Böden die Ernte. „Durch Windeinschlag sind ganze Mais-Reihen umgeknickt“, erklärt Andreas Langerbein aus Over. „Ich muss dann besonders vorsichtig agieren, damit die Schnittwerkzeuge nicht verstopfen.“ Langerbein besitzt zwei Maishäcksler und ist in diesen Wochen als Lohnunternehmer im Dauereinsatz - Zwölf-Stunden-Schichten sind die Regel. Erschwert wird
die Ernte zudem, wenn die Landwirte die Maisreihen zu eng aussäen. „Dann funktioniert der Autopilot nicht und ich muss das Feld komplett selbstständig abfahren.“
Der riesige Maishäcksler ist beeindruckend. Das 500 PS-starke Ungetüm kann bis zu acht Mais-Reihen auf einmal verarbeiten und kostet 400.000 Euro. Bei der Ernte kommt es auf Teamwork an. Zeitgleich mit Langerbein sind bis zu acht Mitarbeiter im Einsatz, die mit ihren Traktoren jeweils einen großen Schlepper ziehen. Sobald ein Anhänger voll ist, rückt der nächste an dessen Stelle. Dabei vergehen nur wenige Minuten.
Der Mais, der von Langerbein geerntet wird, wird nach Wenzendorf gebracht. Dort ist erst vor vier Wochen eine neue Silage-Anlage für 5.000 Tonnen Mais entstanden. Der Mais stammt von mehreren Höfen aus der näheren Umgebung des Silos. Innerhalb von nur vier Tagen werden 120 Hektar abgeerntet. Der Mais ist für die Biogasanlage am Trelder Berg bestimmt. Dort werden im Jahr 45.000 Tonnen Mais benötigt.
Auch wenn die Erntezeit fast geschafft ist, bitten Dieck und Peters die Bürger um Verständnis. Zu den großen Abmessungen kommen im Herbst noch weitere Faktoren dazu, die die Arbeit erschweren. Nebel, früh einsetzende Dämmerung und Schmutz, der vom Feld auf die Straßen gelangt. „Darum bitten wir alle Verkehrsteilnehmer - speziell in ländlichen Gebieten - während dieser Zeit mit erhöhter Aufmerksamkeit unterwegs zu sein.“