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Neue Güterbahnstrecken durch den Landkreis? Egestorf, Luhdorf und andere Orte wären belastet

Das dritte Gleis zwischen Ashausen und Lüneburg ist gerade fertig, jetzt soll vielleicht das vierte Gleis gebaut werden (Foto: thl)
 
Bahnhof Sprötze, Zähler Rolf Niefind: "Die Zahlen der Bahn sind mindestens um 30 Prozent zu hoch gegriffen" (Foto: oh)

Y-Trasse: Privat-Zählung konterkariert Zahlen der Bahn / Landtagsabgeordneter fordert S-Bahnbau / BUND lehnt alle Neubaustrecken ab

(rs). Neubaustrecken quer durch die Heide von Ashausen nach Unterlüß (zwischen Uelzen und Celle) oder etwas östlicher - nach Suderburg - das sind zwei neue Varianten der Bahnplaner beim Dauerthema Y-Trasse. Betroffen wäre im Landkreis Harburg Orte wie Egestorf, Döhle, Luhmühlen oder auch Luhdorf.
Ziel der zusätzlichen Bahnkapazitäten ist, den Güterverkehr von Bremen, Hamburg und Hannover in Form eines Y zu vernetzen. Seit 2001 ist dafür eine Neubaustrecke von Lauenbrück über Visselhövede nach Isernhagen bei Hannover raumordnerisch festgestellt worden. Als Alternative galt seinerzeit der Neubau einer Bahnstrecke von Maschen bis Soltau entlang der A7 oder der Ausbau der Bahnstrecke Lüneburg Ashausen von damals zwei auf vier Gleise. Und jetzt also neu: Ashausen - Unterlüß, quer durch die Landschaft. Schon jetzt formiert sich in der betroffenen Region der Protest.
Zu recht. Denn mit dem Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven für Mega-Containerschiffe dürften sich die Güterströme verändern und Hamburg an Bedeutung verlieren. Und schon jetzt ist zweifelhaft, ob die Zahlen stimmen, mit der die Bahn den Trassenbau begründet. Das jedenfalls sagt Rolf Niefind (67) aus Kakenstorf. Der Rentner hat im Juni 2013 exakt 25 Stunden auf dem Bahnhof Sprötze Züge gezählt. Inzwischen ist er sich sicher: Die Zahlen der Bahn, mit denen der Bedarf für Neubaustrecken oder einen Streckenausbau belegt werden sollen, liegen um mindestens 30 Prozent zu hoch.
Niefind, der bis zur Rente als leitender Angestellter bei einem Mobilfunkunternehmen für die digitale Infrastruktur zuständig war, ist überzeugt: "Wir brauchen weder die Y-Trasse noch Neubautrassen durch den Landkreis Harburg, wenn der Zugverkehr auf den vorhandenen Gleisen optimiert wird. Die Bahn lenke den Verkehr nicht, sie verwalte ihn nur.
Gelenkter Verkehr bedeutet für Niefind eine hohe Auslastung der Strecken bei gleichzeitiger punktueller Anpassung der Geschwindigkeit für besseren Lärmschutz. Der Kakenstorfer hat - bisher ohne Resonanz - Tostedts Samtgemeindebürgermeister Dirk Bostelmann und den Landtagsabgeordneten Heiner Schönecke informiert.
• CDU-Mann Heiner Schönecke stellt eine andere Überlegung an: Ein Teil der Milliarden, die für die Y-Trasse veranschlagt sind (1999 nennt die Bahn 1,8 Milliarden Euro, im März 2008 sind es bei Wikipedia bereits vier Milliarden Euro) solle man für ein S-Bahngleis zwischen Winsen bzw. Tostedt und Hamburg ausgeben. So schlage man zwei Fliegen mit einer Klappe. Man werde den rapide steigenden Pendlerzahlen aus dem Landkreis nach Hamburg gerecht und bekomme gleichzeitig Kapazitäten für Güterzüge auf den vorhandenen Gleisen. Die derzeit von der Bahn geprüften Alternativstrecken zur Y-Trasse durch den Landkreis Harburg lehnt Schönecke ab. Stattdessen solle die Bahn - wenn nötig - die im Verkehrswegeplan 2001 festgestellte Y-Trasse realisieren.
• Der BUND-Regionalverband Elbe-Heide fordert den Ausbau vorhandener Bahnlinien und lehnt alle Neubaustrecken - auch im Rahmen der Y-Trasse - als übermäßige Belastung für Natur und Umwelt ab. BUND-Sprecher Holger Mayer nennt vier Beispiele, die zeigen sollen, wie sich Neubaustrecken im Landkreis auswirken würden:
• Bei Ramelsloh würde die Güter-Y-Variante aus der heutigen Strecke Maschen-Jesteburg-Buchholz in Richtung Süden ausgefädelt. Ramelsloh würde bei Schönwetterlagen massiv von Bahnlärm betroffen sein. Personenverkehr auf der Strecke Maschen-Jesteburg-Buchholz, wie er derzeit angestrebt wird, würde in direkter Streckenkonkurrenz mit der Güterbahn stehen und zum Scheitern verurteilt sein.
• Bei Egestorf würde die neue Trasse westlich vom Ort durch die Heide laufen. Projekte wie der Barfußpark, das geplante Feriendorf oder der Yogapfad lägen genau in der Verlärmungszone der Güterschnellverkehrsstrecke.
• Beide Neubau-Trassenvarianten der DB würden zwischen Pattensen und Luhdorf geführt. Dazu könnte eine ebenfalls in Planung befindliche nördliche
Umgehungstrasse und eine neue Autobahneckverbindung kommen.
• Die Trassenvariante Ashausen-Unterlüß würde zwischen Luhmühlen und Westergellersen geführt. In direkter Nachbarschaft zum Ausbildungszentrum Luhmühlen, wo der Hochleistungsreitsport in den letzten Jahren mit einer zweistelligen Millionensumme gefördert wurde. Die geplanten Musik-Großevents seien in direkter Nachbarschaft zu einer Güterschnellverkehrsstrecke eher unwahrscheinlich.
• Die Stadt Winsen wendet sich ebenfalls gegen die Alternativ-Varianten zur Y-Trasse, soweit diese durch den Landkreis Harburg und über das Stadtgebiet Winsen führen. Bürgermeister André Wiese: "Als Alternativen zu einer ausgereiften Planung wie die der Y-Trasse eine gerade erst passgenau ausgebaute Bestandsstrecke oder einen Neubau in einem verkehrlich schon stark belasteten Bereich zu nehmen, überzeugt zumindest auf den ersten Blick überhaupt nicht." Wie berichtet, ist die Bahnstrecke Hamburg - Lüneburg - Hannover zwischen Ashausen und Lüneburg gerade um ein drittes Gleis erweitert worden.
Bahnhof Sprötze-Zähler Rolf Niefind: "Die Zahlen der Bahn sind mindestens 30 Prozent zu hoch gegriffen"