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"Norddeutsche Zickereien relativieren sich im Urlaub"

Jesteburgs Bürgermeister Udo Heitmann (Foto: SPD Jesteburg)

Udo Heitmann reagiert gelassen auf die Bürgermeister-Kritik von CDU-Chefin Britta Witte.

mum. Jesteburg. „Hier im Piemont relativieren sich norddeutsche Zickereien enorm“, sagt Jesteburgs Bürgermeister Udo Heitmann. Der 63-Jährige befindet sich gerade im Urlaub. Erfuhr daher nur „online“ von der Kritik seiner Herausforderin Britta Witte (57, CDU). Sie hatte Heitmann als „lieben, netten Kerl von nebenan“ bezeichnet, der aber nichts bewege. Eigentlich wollte sich der Bürgermeister gar nicht äußern, doch schließlich schilderte er WOCHENBLATT-Redakteur Sascha Mummenhoff seine Sicht auf das Bürgermeister-Amt.

WOCHENBLATT: Was haben Sie Frau Witte getan, dass sie Sie in dieser Form angreift?
Udo Heitmann: Nichts!

WOCHENBLATT: Mal Hand aufs Herz: Sind Sie der nur der „liebe, nette Kerl von nebenan, der neben der Politik steht“?
Heitmann: Ein schönes Kompliment. In der kommunalen Dorfpolitik ist es die vornehmste Aufgabe des Bürgermeisters, vor allem in menschlich verbindlicher Form Zusammenhänge zu erklären, vermittelnd Gegensätze zu überbrücken und um Vertrauen und Verständnis für Mehrheitsentscheidungen des Rates zu werben. Das ist mir in den vergangenen 15 Jahren ganz gut gelungen.

WOCHENBLATT: Hat Frau Witte mit ihrem Angriff die Zusammenarbeit zwischen CDU und SPD aufgekündigt?
Heitmann: Nein!

WOCHENBLATT: Was haben Sie denn wirklich in den vergangenen Jahren politisch bewirkt?
Heitmann: Hier möchte ich auf die Wahlbroschüre der SPD verweisen. Dort sind alle Themen aufgeführt, an denen ich in meiner Ratsarbeit mitgewirkt habe.

WOCHENBLATT: In den Reihen der CDU hat gerade dieser SPD-Flyer für Verstimmung gesorgt. Darin werde der Eindruck erweckt, Udo Heitmann habe die vergangenen fünf Jahre alle wichtigen Themen allein gestemmt. Wie sehen Sie das?
Heitmann: Mit unserem Wahlflyer kann dieser Eindruck nicht erweckt worden sein, denn wer genau liest, wird erfahren, dass der Bürgermeister bei allen wichtigen Themen auf seine erfolgreiche Art und Weise mitgewirkt hat.

WOCHENBLATT: Die SPD hat ordentlich verloren. Wie erklären Sie sich das?
Heitmann: Die SPD hat verloren - das stimmt. Aber nur moderat im Vergleich zu unseren Mitbewerbern, die schon im Rat vertreten waren. Nur einen Sitz weniger können wir verschmerzen, angesichts des Wahlkampfes einer neuen Protestbewegung. Mit allgemeinen Vorwürfen von Klüngelei und Intransparenz, mit Misstrauen gegen die etablierten Parteien, kann man in diesen Zeiten auf Anhieb 20 Prozent und mehr gewinnen. Auf allen politischen Ebenen. Und dabei ist es egal, wie sich diese Protestbewegungen nennen.

WOCHENBLATT: Machen Sie sich Sorgen, nicht wieder Bürgermeister zu werden?
Heitmann: Nein!

WOCHENBLATT: Böse Zungen behaupten, die SPD konnte in Jesteburg zur Wahl nicht genug Mitglieder auf den Wahlzettel bringen und hat deshalb auch parteilose Kandidaten aufgestellt. Ist da was dran?

Heitmann: Die SPD ist stolz darauf, dass sie als moderne Partei mit über 150-jähriger Geschichte ihre Kandidaten-Listen für die politisch interessierten Menschen geöffnet hat. Ein erfolgreiches Rezept, um der Politikverdrossenheit entgegen zu wirken.

WOCHENBLATT: Danke für das Gespräch.

Udo Heitmann: Seit 15 Jahren Bürgermeister

Udo Heitmann (63) ist seit 1994 Mitglied der SPD. Der Polizeikommissar i.R. ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Heitmann ist seit 2001 Bürgermeister. Auf Kreisebene ist er Vorsitzender des Kreisjugendhilfe-Ausschusses, erster stellvertretender Kreistagsvorsitzender und Mitglied im Kreisschulausschuss. Bei der Kommunalwahl erreichte er 1.755 Stimmen - so viel wie kein anderer Politiker in seiner Gemeinde. Mit weitem Abstand folgen Britta Witte (CDU, 478), Kerstin Witte (CDU, 363), Cornelia Ziegert (SPD, 288) und Birgit Heilmann (265, Grüne). Bemerkenswert: Hansjörg Siede, Chef der neuen Wählergemeinschaft) holte bei seiner politischen Premiere gleich die zweitmeisten Stimmen im Ort - 573.

Hier lesen Sie das Interview mit CDU-Fraktionschefin Britta Witte.
"Heitmann bewegt politisch nichts!"