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"Heitmann bewegt politisch nichts!"

Britta Witte ist Fraktionschefin der CDU in Jesteburg
 
Im März 2015 löste Britta Witte den Brackeler Michael Grosse-Brömer an der Spitze der CDU im Landkreis ab

"Udo Heitmann füllt das Amt des Bürgermeisters nicht politisch aus, sondern agiert in erster Linie auf der rein menschlichen Ebene. Er ist der liebe, nette Kerl von nebenan - aber er bewegt nichts." Das sagt Britta Witte. Am 2. November findet die konstituierende Sitzung des Jesteburger Gemeinderates statt - und die CDU-Fraktionsvorsitzende fordert Amtsinhaber Heitmann (SPD) als Bürgermeister-Kandidatin heraus. Im WOCHENBLATT-Interview räumt Witte ein, im Kommunalwahlkampf zu wenig auf die Jesteburger zugegangen zu sein. "Daten und Fakten reichen nicht aus. Wir müssen dahin, wo die Menschen sind", so Witte.

mum. Jesteburg. „Jung, schwarz und sexy!“ - so möchte Britta Witte die CDU positionieren. Im März vorigen Jahres wurde die 57-jährige Jesteburgerin zur Vorsitzenden des CDU-Kreisverbandes im Landkreis Harburg gewählt. Ihr Vorgänger Michael Grosse-Brömer wollte nach 22 Jahren nicht erneut antreten. Witte wollte die Mitgliederwerbung verbessern, in dem sie in der Öffentlichkeit das Interesse an der Politik weckt. 18 Monate später musste sie eine empfindliche Niederlage hinnehmen. Die CDU verlor in Jesteburg - ihrer Heimatgemeinde - 11,5 Prozent.
WOCHENBLATT-Redakteur Sascha Mummenhoff sprach mit der Christdemokratin unter anderem über die Konsequenzen nach der Wahl und ihre Kandidatur als Bürgermeisterin.

WOCHENBLATT: In Jesteburg hat sich in den vergangenen Jahren viel getan, was vom Wähler aber offensichtlich nicht honoriert wurde. Waren es die falschen Projekte?
Britta Witte: Wir alle im Rat haben gemeinsam viel für Jesteburg erreicht. Die viele Jahre den Rat beherrschenden parteipolitischen Streitereien wurden ad acta gelegt. Außer Projekten wie der Oberschule und dem neuen Jugendhaus, dem Neubau der Schießsportanlage mit Gemeinschaftsraum für alle Dorfbewohner und dem Feuerwehrhaus möchte ich noch das Dorfgemeinschaftshaus in Itzenbüttel, die Naturbühne, den Umbau der Schule am Sandbarg zu einem echten Mehr-Generationen-Objekt mit zwei neuen Krippen und das neue Kleinkindbecken im Freibad nennen. Daneben wurden Bebauungspläne und Ortsgestaltungssatzungen bürgerfreundlich überarbeitet. Ich wage zu behaupten, dass die Transparenz noch nie so groß war wie in den vergangenen zehn Jahren.

WOCHENBLATT: Warum hat die UWG Jes! so viele Stimmen geholt?
Britta Witte: Dass die UWG mit Themen - nein, falsches Wort - Aussagen wie Intransparenz und „Klüngel“ derart punkten konnte, führt unsere Bemühungen rund um das Zukunftskonzept praktisch ad absurdum. Allerdings spiegelt das Wahlergebnis - genau wie viele Wahlergebnisse in der ganzen Republik - in meinen Augen weniger ein politisches als ein gesellschaftliches Problem wider: Es geht uns zu gut. Wir haben in den letzten Jahrzehnten so viel erreicht, dass uns wirkliche gemeinsame Ziele, für die es lohnt gemeinsam zu kämpfen, abhanden gekommen sind.

WOCHENBLATT: Was muss sich bei der CDU ändern, damit Ihre Partei bei der nächsten Wahl erfolgreicher abschneidet?
Britta Witte: Wir befinden uns hier auf einer emotionalen Ebene, der man schlecht mit Daten und Fakten begegnen kann. Rückblickend heißt dies für mich, es reicht nicht, die Bürger mit detailierten Informationen in schriftlicher Form zu versorgen. Viel stärker müssen die persönlichen Gespräche gesucht werden. Wir müssen dahin, wo die Menschen sind.

WOCHENBLATT: Inwieweit ist die Niederlage der Partei auch eine persönliche?
Britta Witte: Wenn man die Wahlergebnisse insgesamt betrachtet, muss ich mir diesen Schuh nicht anziehen, schon gar nicht als Bauausschussvorsitzende. Dieses Amt bringt es mit sich, dass man sich nicht nur Freunde macht. Wenn ich allerdings von der emotionalen Ebene gesprochen habe, auf der wir den Bürgern begegnen und sie abholen müssen, dann werde ich sehr wohl an mir arbeiten müssen. Daten und Fakten liegen mir persönlich mehr.

WOCHENBLATT: Auch die SPD hat mit zehn Prozent deutlich verloren. Nur Bürgermeister Udo Heitmann hat mit 1.755 Stimmen so viele Stimmen wie kein anderer Jesteburger erreicht. Steht Heitmann „über den Dingen“?
Britta Witte: Udo Heitmann füllt das Amt des Bürgermeisters nicht politisch aus, sondern agiert in erster Linie auf der rein menschlichen Schiene. Unser Bürgermeister ist der „liebe, nette Kerl von nebenan“. Und damit steht er tatsächlich - ich würde nicht sagen über den Dingen - aber neben der Politik. Er bewegt nichts, aber tut auch niemanden weh. So kann man mit Hilfe einer guten Verwaltung im Rücken durchaus das Amt führen - muss es aber nicht.

WOCHENBLATT: Sie selbst sind als Bürgermeisterkandidatin angetreten. Rechnerisch wäre es möglich, dies mit Hilfe der UWG zu werden?
Britta Witte: Auf der konstituierenden Sitzung werde ich gegen Udo Heitmann für das Bürgermeisteramt kandidieren. Ich habe dies innerhalb meiner Partei zugesagt und eine Wahlmöglichkeit ist doch immer gut.

WOCHENBLATT: Gab es schon erste Gespräche mit UWG-Chef Hansjörg Siede?
Britta Witte: Es gab ein Gespräch mit dem ganzen UWG-Team, wie es Gespräche mit allen im Rat vertretenen Parteien geben wird. Erfreulicherweise zeichnet sich jenseits des überspitzten Wahlkampfes die Bereitschaft zu einer konstruktiven Mitarbeit im Rat ab.

WOCHENBLATT: Welche Themen werden in den kommenden Monaten das Ratsgeschehen bestimmen?
Britta Witte: Projekte der Städtebauförderung und die Verkehrssituation im Ort. Gerade die Verkehrssituation ist mir ein großes Anliegen. Hier haben wir uns viel zu lange hinhalten lassen.

WOCHENBLATT: Wie geht es mit der Famila-Ansiedlung weiter?
Britta Witte: Der Bebauungsplan „Am Brettbach“ wird zurzeit überarbeitet. Sobald das Landes-Raumordnungsprogramm (LROP) verabschiedet ist, starten wir neu. Und nochmals: Wenn es keine Famila-Ansiedlung dort gibt, wird es auch keine Ansiedlung irgend eines anderen Marktes dort geben! In diesem Fall - der nach meiner festen Überzeugung nicht eintreten wird und nicht eintreten kann - würde dieses Gelände voraussichtlich als neues Wohnquartier entwickelt werden.

WOCHENBLATT: Danke für das Gespräch.

Britta Witte ist seit 1996 Mitglied in der CDU

Britta Witte, gelernte Reiseverkehrskauffrau, ist in Hamburg geboren, nennt den Landkreis Harburg aber seit 28 Jahren ihr Zuhause. Sie ist verheiratet und hat drei Kinder.
Witte ist seit 1996 CDU-Mitglied; zwischen 2001 und 2012 war sie Vorsitzende des Ortsverbandes Jesteburg. Seit 2001 ist die 57-Jährige ständiges Mitglied im Gemeinde- und Samtgemeinderat. Witte ist derzeit Fraktionsvorsitzende und leitet den Bauausschuss. Zudem ist sie Geschäftsführerin der Gruppe CDU/WG im Kreistag.
Bevor Witte den Vorsitz von Michael Grosse-Brömer übernahm, war sie 14 Jahren Mitglied des Kreisvorstandes ist. In den vergangenen sechs Jahren stand sie Vorgänger Grosse-Brömer als Stellvertreterin zur Seite.