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Rolli-Fahrer löst seine "Wettschulden" ein

Im Cafébetrieb der Brückenbäckerei auszuhelfen, macht Christian Au Spaß. Über den Verlauf des Halbmarathons ärgert er sich dennoch

47 Sekunden am Wettsieg vorbei / Rechtsanwalt wirbt fürs Ehrenamt

ab. Estebrügge.
Es war sehr knapp: Christian Au verpasste um 47 Sekunden die anvisierte Zeit. Der Rechtsanwalt aus Estebrügge wollte mit seinem Handbike den Halbmarathon in Hamburg unter einer Stunde fahren und hatte auf seiner Facebook-Seite "#rolltheblueline" mit Followern aus ganz Deutschland darum gewettet. Am Ende fuhr der Rolli-Fahrer eine Stunde und 47 Sekunden. Jetzt hat er seine Wettschulden eingelöst: einen Tag ehrenamtlich aushelfen im Café der Brückenbäckerei in Estebrügge. Die gemeinnützige und ausschließlich auf Spendenbasis finanzierte Einrichtung liegt ihm sehr am Herzen.

Christian Au engagiert sich gerne ehrenamtlich: Vor seinen Wettkämpfen bietet er oft eine ehrenamtliche Tätigkeit als Wetteinsatz an, sollte er eine bestimmte Zeit nicht erreichen. "Es macht mir sehr viel Spaß zu helfen", sagt Au, der an diesem Tag im Café-Betrieb als "Mädchen für alles" einspringt, serviert, abräumt und Geschirr abtrocknet. Über den Verlauf der Hamburg-Marathon-Veranstaltung ärgert er sich dennoch.

Au erzählt: "Zum einen gab es auf der Strecke ein 400 Meter langes Stück mit Kopfsteinpflaster. Mit dem Handbike ist das schwierig." Außerdem seien die Verpflegungsposten nur auf Läufer eingestellt gewesen. "Für die zwei Becher Wasser, die ich unterwegs getrunken habe, musste ich anhalten und sie mir selbst holen, das hat viel Zeit gekostet." Wären diese beiden "Zeitfresser" nicht gewesen - Au ist davon überzeugt, dass er den Halbmarathon unter einer Stunde geschafft hätte. "Ich bin vorher zum Testen einen Halbmarathon mitgefahren", berichtet Au. Den habe er in 58:13 Minuten bewältigt.

Doch der Ärger des Sportlers sitzt noch tiefer. Wie berichtet, gab es jahrzehntelang eine Marathon-strecke für Handbiker. In diesem Jahr wurde ihnen nur die Halbmarathon-Distanz angeboten. Und das nicht nur aus organisatorischen Gründen, wie Au vermutet, sondern auch aus Kostengründen. 

Für Handbike-Marathonis seien 21 Kilometer aber nicht interessant. Au: "Viele Teilnehmer nehmen eine weite Anreise in Kauf. Und wer sonst Marathon-Strecken meistert, für den ist eine ,halbe Strecke' keine Alternative. Darum gab es diesmal auch nur neun Handbiker - sonst sind es wesentlich mehr."

Nach Aus Informationen laufen derzeit Gespräche, welche Distanz den Handbikern beim nächsten Hamburg-Marathon angeboten wird. "Ich befürchte, dass es aufgrund der geringen Teilnehmerzahl für Hand-Biker am Ende sogar gar keine Strecke mehr gibt."
Wie sehen die Planungen aus für den Hamburg-Marathon 2019? Das WOCHENBLATT hat nachgefragt.

"Die Anmeldung zum Handbike-Rennen 2019 ist noch nicht geöffnet", informiert Rainald Achilles von der Hamburg Marathon Veranstaltungs GmbH. In den kommenden Wochen werde man sich mit der Stadt und Vertretern der Handbike-Szene darüber abstimmen, über welche Distanz (Marathon oder Halbmarathon) ein Handbike-Wettbewerb in 2019 in die Gesamtveranstaltung integriert werden könne. Achilles: "Nach einer Entscheidungsfindung werden wir hierüber informieren und die Anmeldung entsprechend starten."