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Marionetten-Theater im Jorker Rathaus?

Wird Bürgermeister Gerd Hubert vom Bürgerverein Jork beeinflusst? (Foto: archiv)
 
Das Betriebsklima im Rathaus ist schlecht
bc. Jork. Das Jorker Rathaus kommt einfach nicht zur Ruhe. Das wurde bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderates vor wenigen Tagen überdeutlich. Erneut beschwerten sich mehrere Mitarbeiter öffentlich bei ihrem Vorgesetzten über die von ihm geplante Strukturreform der Verwaltung. Die Gräben zwischen Teilen der Belegschaft und Bürgermeister Gerd Hubert (Bürgerverein Jork) werden augenscheinlich immer tiefer. „Die Stimmung ist angespannt“, sagt Personalratsvorsitzende Doris Piper.

Hinter vorgehaltener Hand werfen Mitarbeiter ihrem Chef sogar vor, er sei nur eine Marionette des Bürgervereins (BVJ) - der politischen Institution in Jork, die ihn 2011 auf den Schild für die Bürgermeisterwahl hob. Führende Köpfe im BVJ ziehen im Hintergrund die Fäden im Rathaus, so ein oft gehörter Vorwurf.

Ist da wirklich was dran?

Ratsherr Peter Rolker (FDP) befeuerte zumindest die Diskussion, indem er in der Ratssitzung die Frage stellte, ob sich BVJ-Fraktionschef Partho Banerjea auf die neue Stelle des Fachbereichsleiters im Rathaus bewerben werde - die Stelle, die Gerd Hubert gegen die Überzeugung vieler seiner Mitarbeiter neu geschaffen hat.

Die Chronologie der Ereignisse: Gegen Ende der Amtszeit von Bürgermeister Rolf Lühmann 2011 monierte der Landesrechnungshof, dass die Jorker Gemeindeverwaltung „vergleichsweise breit und tief gegliedert sei“. Der neue Rathaus-Chef Gerd Hubert erarbeitete gemeinsam mit den Mitarbeitern eine aus ihrer Sicht effiziente Lösung, die vorsah, die vier Fachbereiche (FB) langfristig auf zwei zu verkleinern: FB 1 (Zentrale Steuerung) mit FB 2 (Ordnungsamt) sowie FB 3 (Schulen, etc.) mit FB 4 (Bauen) sollten zusammengelegt werden. Der Plan galt bis Ende Dezember, bis Bauamtsleiter Thomas Bültemeier seinen Rücktritt ankündigte.

Daraufhin machte Hubert einen Rückzieher, ohne offenbar seine Mannschaft mit ins Boot zu holen. Sein neuer Plan: FB 1 und FB 3 bleiben bestehen. FB 2 und FB 4 verschmelzen zum neuen Fachbereich „Bauen, Ordnung und Bürgerbüro“.

Unterstützung für sein Vorhaben erhält Hubert von großen Teilen der Jorker Politik und von der Kommunalaufsicht des Landkreises. Bei der Begründung wird Hubert jedoch einsilbig. Er beruft sich immer wieder auf Bültemeiers überraschenden Rückzug. Zu dürftig aus Sicht seines Personals.

Der Gemeinderat beschloss nun auf Antrag der Grünen mehrheitlich, die Reform auf den 1. Oktober zu verschieben. Möglichst zum 1. Juli soll zunächst ein Nachfolger für den FB 2 gefunden werden, denn der bisherige Leiter Werner Gerdes verabschiedet sich Ende Juni in den Ruhestand. Eine Stellenausschreibung befindet sich seit Kurzem auf der Homepage der Gemeinde.

Ratsherr Peter Rolker (FDP) mutmaßt, dass die Stelle auf Partho Banerjea, Fraktionschef des Bürgervereins Jork (BVJ), zugeschnitten wurde. Das würde für Hubert Unterstützung im Rathaus aus den eigenen Reihen bedeuten. Rolker sprach Banerjea, Diplom-Verwaltungswirt im Neu Wulmstorfer Rathaus, im Rat direkt darauf an, ob er sich bewerben werde.

Dessen Antwort fiel sybillinisch aus: „Du hast keine Ahnung von Verwaltungsarbeit, sonst hättest du diese Frage nicht gestellt.“ Das WOCHENBLATT fragt nach: Wollen Sie sich bewerben, Herr Banerjea? „Nein, kein Interesse!“, lautet seine unmissverständliche Antwort. Zumal es für den Fachdienstleiter (Strategische Steuerung) mit der Besoldungsgruppe A13 ein Karriere-Rückschritt wäre. Der verbeamtete Fachbereichsleiter in Jork bekäme „nur“ A12.

Dem Vorwurf, Hubert wäre eine Marionette des Bürgervereins, widerspricht Banerjea. Zwar nehme Hubert regelmäßig an Fraktionssitzungen teil, Entscheidungen treffe er aber selbst. „Als Nicht-Verwaltungsfachmann muss er sich manchmal rückversichern bei der Kommunalaufsicht“, so Banerjea.

Für ihn sei die jetzige Diskussion eine „Dorfposse“ sondergleichen, zu der einige „Nicht-Gewinner“ der Reform im Rathaus ihren Teil dazu beitragen. „In der freien Wirtschaft müssten Mitarbeiter mit Umstrukturierungen leben, ohne dass sie gefragt werden“, so Banerjea.

Gerd Hubert empört sich über den Vorwurf, er sei eine Marionette des Bürgervereins: „Eine Frechheit. Natürlich stehe ich dem Bürgerverein nahe, aber ich tausche mich auch mit anderen Fraktionen aus.“ Dass er eine Stelle auf Partho Banerjea zugeschnitten habe, sei ausgemachter Blödsinn: „Die Stellenausschreibung hat unser Personalchef Matthias Riel gemacht.“ Zum schlechten Betriebsklima im Rathaus sagt er: „Ich will daran arbeiten, dass alle wieder Spaß an ihrer Arbeit haben.“

Unterdessen hat der Personalrat jedoch sein Benehmen zur Reform versagt. Das heißt: Spätestens in der kommenden Woche muss die Mitarbeiter-Vertretung eine Stellungnahme abgeben. Dann ist der Verwaltungsausschuss am Zug, eine endgültige Entscheidung zu treffen.

Grünen-Ratsherr Harm-Paul Schorpp hält es für unwahrscheinlich, dass der Bürgermeister die schlechte Stimmung im Rathaus noch viereinhalb Jahre seiner Amtszeit aussitzen kann: „Er muss jetzt auf die Belegschaft zugehen.“


Kommentar


Das Ergebnis ist jetzt schon klar: Stellenausschreibung läuft bereits


Der Bürgermeister muss das Benehmen mit dem Personalrat für seine Pläne herstellen. So heißt es so schön im Amtsdeutsch. Was aber nicht bedeutet: Gerd Hubert braucht das Einverständnis seiner Mitarbeiter, um die Reform umzusetzen. Letztlich entscheidet wohl der Verwaltungsausschuss. Das Ergebnis ist aber jetzt schon klar: Denn die Stellenausschreibung für den neuen Fachbereichsleiter läuft bereits, Kandidaten bewerben sich (hoffentlich). Wäre jetzt doch ein anderes Anfordungsprofil erwünscht, wären die jetzigen Bewerber vor den Kopf gestoßen. Keine gute Werbung für den Arbeitgeber „Gemeinde Jork“. Björn Carstens