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Dietmar Stadie geht - das Ende einer Ära in Rosengarten

Entspannt dem Ruhestand entgegen: Rosengartens Bürgermeister Dietmar Stadie auf der Terrasse seines Hauses in Nenndorf
 
Bürgermeister Dietmar Stadie übergibt eine Gemeinde mit gesunden Finanzen und intakter Infrastruktur an seinen Nachfolger (Foto: archiv)
Spricht man über die Gemeinde Rosengarten, kommt schnell der Satz: "Da ist doch der Dietmar Stadie Chef im Rathaus, Mr. Rosengarten." Und meist schwingt ein anerkennender Ton dabei mit. Jetzt nimmt der 68-Jährige Abschied von seinem Amt als Bürgermeister, das er zehn Jahre ehrenamtlich und 13 Jahre hauptamtlich geführt hat. Eine Ära geht zu Ende.
Dietmar Stadies beruflicher Werdegang liest sich eher langweilig: vier Jahre Zeitsoldat, 31 Jahre Shell AG, 13 Jahre hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Rosengarten. Aber auf diesem sicheren Fundament hat Dietmar Stadie zusammen mit seiner Frau Helga (67) ein Leben gegründet, das seit vier Jahrzehnten geprägt ist von einem breiten Engagement für seine Heimatgemeinde Rosengarten und für den Landkreis Harburg.
Dass Stadies Wurzeln in Ostpreußen liegen, wissen die wenigsten. Von dort flohen im Winter 1945 seine Eltern per Schiff über die Ostsee. Dietmar Stadie wurde in einem Flüchtlingslager im dänischen Oksböl geboren. Aufgewachsen ist er dann in Harburg, wo die Familie ein neues Zuhause fand.
"Ich wollte am liebsten Pilot werden", erinnert er sich. Daraus wurde nichts, stattdessen lernte er Flugzeugbauer und erlebte einen Teil seiner vier Jahre bei der Bundeswehr beim Aufklärungsgeschwader 52 im ostfriesischen Örtchen Leck, den Rest an einer Fachhochschule für Datenverarbeitung. 1970 stieg er bei der Shell AG in Hamburg ein, bekam schnell eine sichere Position als Referatsleiter. In diesen Jahren war Stadie als Boxer aktiv und als Reiter erfolgreich. Für die Reiterei engagierte er sich ehrenamtlich auch in Luhmühlen - bei der Military-Europameisterschaft 1975 und der Weltmeisterschaft 1987.
Anfang der 70 er Jahre zogen Dietmar Stadie, seine Frau Helga (die er in der damals angesagten Disco Heins in Holvede kennengelernt hatte) und Töchterchen Yvonne (später kommt noch Sohn André hinzu) von Harburg nach Nenndorf. Hier war das Bauland erschwinglich, hier wollte sich die junge Familie ihr Zuhause aufbauen.
"Wenn man dazugehören will, muss man rein ins Dorf", wussten die Stadies, traten - eher zufällig - in die SPD ein und wandten sich Schützen- und Sportverein zu. Dietmar Stadie wurde Schützenkönig, stand im Fußballtor der "Unschlagbaren", machte das "Brink-Abitur" mit Schubkarre fahren und Kühe melken - er war im Dorf angekommen.
Alles passte. 1976 kandidierte er für den Gemeinderat, wurde dort auf Anhieb Fraktionschef. 1991 wurde Stadie zum ehrenamtlichen Bürgermeister der Gemeinde Rosengarten gewählt. Eine Sensation im damals tiefschwarzen Landkreis Harburg. Mit einer bunten Mehrheit aus SPD, Grünen, FDP und Wählergemeinschaft im Rücken lenkt er seither die Geschicke der Gemeinde - ab 2001 als hauptamtlicher Bürgermeister.
Stadies Wahlspruch: "Mit Vernunft und Augenmaß". Der galt für alles - für die Baumschutzsatzung ebenso wie für die Baulandausweisung. So gibt es in Rosengarten kein neues Baugebiet, wenn die Eigentümer nicht zuvor an die Gemeinde verkaufen und so ein Teil des Mehrwertes bei der Allgemeinheit bleibt. Die Vermarktung der Gewerbegebiete hat der Bürgermeister selbst in die Hand genommen - und das erfolgreich.
Heute steht Rosengarten gut da. Die Grundschulen sind saniert oder neu gebaut, die Kinderbetreuung gut aufgestellt, Sportplätze und -hallen in Schuss. Dietmar Stadie hinterlässt eine Gemeinde, die schuldenfrei und für die Zukunft gut aufgestellt ist. Dass er die alte Stellmacherei in Langenrehm für die Nachwelt bewahren konnte, darauf ist der scheidende Bürgermeister sogar ein wenig stolz.
Bei allem Positiven, auch für Dietmar Stadie gab es dunkle Stunden. Tief getroffen hat ihn der frühe Tod seines Freundes und politischen Wegbegleiters Werner Stemmann. "Ohne ihn", weiß der Bürgermeister, "hätten wir vieles Positive für die Gemeinde nicht durchsetzen können."
Kaum zu glauben: Der Bürgermeister-Job ist nur der "halbe Stadie". Der gehörte von 1976 bis 2001 dem Kreistag an, die letzten zwölf Jahre als Fraktionschef, war zehn Jahre ehrenamtlicher Richter am Oberverwaltungsgericht, engagierte sich unter anderem im Städte- und Gemeindebund, im Wasserbeschaffungsverband und im Vorstand des Regionalparks Rosengarten, als dessen Initiator er gilt.
Wie er seit 1988 dazu noch den Vorsitz beim großen Sportverein TuS Nenndorf und die Mitgliedschaft in diversen Schützenvereinen schafft, wissen nur er und seine Helga. Und jetzt ist noch ein Hobby dazugekommen: Dietmar Stadie begleitet seine Enkeltochter Anna Jucunda, die als Reiterin in die Fußstapfen des Großvaters tritt, zu ihren Turnieren.
Alles Gute für die Zukunft, Dietmar Stadie!
Reinhard Schrader