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Wirtschaftswege: "Die Infrastruktur hinkt hinterher"

Dem Landwirt bleibt bei so einem schmalen Weg gar keine andere Möglichkeit, als auch die unbefestigten Seitenränder zu nutzen (Foto: Krones)
(mi). Die kommunalen Wirtschaftswege verbreitern und statt Asphalt oder Schotter ein befestigtes Zwei-Spuren-Fahrbahnsystem schaffen: Erstmal klingt dieser Vorschlag ein bisschen nach Schilda - gemacht hat ihn die CDU der Gemeinde Rosengarten im Landkreis Harburg.
Doch ist die Idee wirklich so abwegig? Oder hat sie Modellcharakter? Denn der Vorschlag richtet den Blick auf ein grundlegendes Problem, das die Kommunen von Buchholz bis Winsen und von Buxtehude bis Stade sowie darüber hinaus beschäftigt: Wirtschaftswege in der Feldmark sind heute vielfach zu schmal für die Spurbreiten moderner Traktoren. Die Folge: Wege werden ständig von den zu breiten Maschinen kaputt gefahren und müssen häufiger instandgesetzt werden. Die Kosten dafür sollen oft die Landwirte tragen.

Wege sind aus den 1970er Jahren


„Der Zustand der Wirtschaftswege ist für uns ein Riesenthema“, sagt Ralf-Peter Dieck vom Maschinenring Buchholz. Die in den 1970er Jahren eingerichteten Wege seien für die Spurbreiten moderner Traktoren oft viel zu schmal (siehe Bildleiste). „Die Infrastruktur hinkt hinterher“, so Ralf-Peter Dieck.
Er erklärt: Die Wege nutzten heute nicht nur Landwirte, sondern vielfach auch Radfahrer und Spaziergänger. Sie seien nicht nur Wirtschafts- sondern auch Naherholungswege. Gerade deswegen berge die Frage, wer Ausbau oder Instandsetzung bezahlt, großes Konfliktpotenzial. Fest stehe: Träger sind die Kommunen. „Die Landwirte müssen sich allerdings als Anlieger oft an den Kosten beteiligen“, sagt Dieck. In einigen Kreisen in Niedersachsen sei man sogar schon dazu übergegangen, eine Maut für die Nutzung von den Landwirten zu fordern, um die Kosten für die häufigen Sanierungen zu decken.

Das Land ist gefordert

Ähnliches berichtet auch Johann Knabbe, Kreislandwirt im Landkreis Stade. „Die Wirtschaftswege entsprechen im Grunde nicht den heutigen Anforderungen“, erklärt Knabbe. Ihre flächendeckende Anpassung an die heute üblichen Spurbreiten könnten aber weder Landwirte noch die Kommunen ohne Unterstützung durch das Land Niedersachsen finanzieren. Knabbe: „Bedauerlich ist, dass beim Land ein Ausbau offenbar nicht gewollt ist.“ Der Landwirt gibt zu bedenken, dass die Wirtschaftswege Flächen erschließen, die auch in Zukunft für die Ernährungssicherung unverzichtbar sein werden.