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SPD-Politiker Markus Beecken geht mit den Verantwortlichen der Salzhäuser Krankenhaus-Misere hart ins Gericht

Wahlkampf 2011: Ex-Verwaltungsdirektor Ulrich Magdeburg, Vorstand Jürgen Meinberg, Ex-Ministerin Aygül Özkan und Landrat Joachim Bordt feiern die Millionen-Investition (Foto: ce)
 
Kritik an der Salzhäuser Krankenhausführung: Markus Beecken, Gesamt-Betriebsratvorsitzender der Krankenhäuser Buchholz und Winsen (Foto: archiv)
(rs). Was wird aus dem insolvenzbedrohten Krankenhaus Salzhausen? Für die 75-Betten-Klinik mit 130 Arbeitsplätzen läuft die Galgenfrist unter dem sogenannten Insolvenz-Schutzschirm am 20. September ab. Drei Monate hatte das Management Zeit, geschützt vor Gläubigerforderungen an einem Sanierungskonzept zu arbeiten. Doch die Situation von Deutschlands einzigem genossenschaftlichen Krankenhaus scheint nach wie vor prekär.
Markus Beecken, Gesamtbetriebsratschef der Krankenhäuser Buchholz und Winsen, geht mit den Verursachern der Krise hart ins Gericht: „Die Reaktion des Vorstandes und Aufsichtsrates hätte mit einem Wissen um die wirtschaftliche Situation schon vor längerer Zeit eine ganz andere sein müssen. Doch die Eitelkeiten standen im Vordergrund, so dass eine rechtzeitige Konsultation helfender Hände unterblieb, obwohl dies schon damals dringend geboten war.“
Der SPD-Politiker, der im Samtgemeinderat Salzhausen sitzt und bei den jüngsten Landtagswahlen kandidierte, weiter: „Mir selbst ist das Krankenhaus seit meiner Kindheit bestens bekannt und durch meinen persönlichen Bezug sehr ans Herz gewachsen. Umso unerfreulicher, dass sich bereits seit längerer Zeit die Vermutungen verdichten, dass es mit dem einzigen genossenschaftlichen Krankenhaus Deutschlands zumindest in der bisherigen Form zu Ende gehen könnte.“
Beecken verweist darauf, dass erst vor wenigen Jahren auf das Betreiben weniger Akteure hin rund 6 Millionen Euro unter anderem in einen neuen Operationssaal investiert wurden, obwohl es bereits damals Skeptiker gegeben habe, die Zweifel an der wirtschaftlichen Zukunftsfähigkeit der Klinik äußerten. Beecken: „Diese Stimmen wurden nicht gehört, stattdessen erfolgte mitten im Kommunalwahlkampf 2011 die medienwirksame Einweihung des Neubaus durch die damalige CDU-Sozialministerin Aygül Özkan.“
Mittlerweile, so Beecken, schrieben in Niedersachsen weit über die Hälfte der Kliniken rote Zahlen. Experten forderten einen Bettenabbau. Was Salzhausen angehe, habe erst jüngst die SPD-Sozialministerin Cornelia Rundt erklärt: „Das Alleinstellungsmerkmal genossenschaftlicher Trägerschaft wird die weitere Existenz des Krankenhauses Salzhausen nicht sicherstellen können.“ So sei es inzwischen gut möglich, dass das Krankenhaus aus dem sogenannten Bedarfsplan (an ihn sind Landeszuschüsse und Kassenleistungen gebunden) herausfalle.
Beecken: „Für die medizinische Versorgung im Landkreis Harburg und für die umliegenden Krankenhäuser wäre dies zynischerweise die beste Lösung, denn es würde die Jobs dort sichern und es bestünde vor allem nicht mehr die Gefahr, dass ein Investor das Krankenhaus Salzhausen kauft und die Klinik in eine sogenannte Portalklinik umwandelt, um dann von dort Patienten zahlreich in konkurrierende Hamburger Kliniken einzuweisen.“ Doch vermutlich stehe es um das Krankenhaus Salzhausen so schlecht, dass mögliche Investoren abgeschreckt würden.
Markus Beecken fordert von der Landkreis-Politik, sich im Sinn der 130 bedrohten Arbeitsplätze schon jetzt Gedanken über eine alternative Nutzung des Krankenhaus-Komplexes zu machen. Sein Vorschlag: Ein erweitertes Hausärztehaus im Schichtbetrieb, um so dem Hausärztemangel in der Fläche entgegenzuwirken.
Von Landrat Joachim Bordt wünscht sich Beecken, dass einem gegebenen Versprechen nachkommt. Bordt hatte angekündigt, er wolle mit Hilfe seiner Fachleute „die stationären Versorgungsstrukturen im Kreis insgesamt unter medizinisch-fachlichen und ökonomischen Gesichtspunkten zukunftsfähig entwickeln.“

Ein Lese-Tipp:
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