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"Man ist hilflos": Erst kamen Einbrecher, dann wurde das Auto ausgeschlachtet

Hoffen künftig von Einbrechern und "Automardern" verschont zu bleiben: Bernd und Jytte Piezarka
 
Im Innenraum des BMW fehlten Lenkrad, Startknopf und die komplette Mittelkonsole (Foto: privat)
kb. Seevetal. „Wir lesen jede Woche die Einbruchsmeldungen im WOCHENBLATT, hätten aber nie gedacht, dass es uns trifft. Jetzt sind wir klüger.“ Bernd Piezarka (48) aus Seevetal und seine Frau Jytte (46) wurden gleich zwei Mal Opfer von Einbrechern. Zuerst stiegen Unbekannte in ihr Haus in Seevetal ein, dann wurde der BMW der Familie ausgeschlachtet. Lenkrad, Mittelkonsole - alles weg. „Ich war fassungslos“, sagt Bernd Piezarka.
Auch wenn der Einbruch in das Haus der Familie schon etwas zurückliegt, an das unsichere Gefühl danach können sich Piezarkas noch gut erinnern. „Wir kamen vom Weihnachtsmarkt nach Hause und stellten fest, dass unsere Terrassentür eingeschlagen wurde. Das ganze Haus war durchsucht worden“, erzählt Jytte Piezarka. Von den Nachbarn hatte niemand etwas mitbekommen. Als Bernd Piezarka bei der Polizei anrief, teilte man ihm mit, er müsse etwas Geduld haben, er sei bereits der elfte Betroffene, der sich melde. Gestohlen hatten die Einbrecher alles, was man schnell mitnehmen kann. „Es fehlten einige Goldmünzen, Uhren, angefangene Parfumflaschen“, zählt Bernd Piezarka auf. Schlimmer als der Verlust der Dinge wog das unagenehme Gefühl, das zurückblieb. „Fremde sind bis in unser Schlafzimmer vorgedrungen, haben in unserer Kleidung gewühlt und alles angefasst“, schildert Jytte Piezarka die Situation. Sie und Ihr Mann hatten lange ein ungutes Gefühl beim Nachhausekommen. „Man ist verunsichert, hat Angst, dass so etwas noch mal passiert, wird misstrauischer“, sagt Bernd Piezarka. Das Haus rüstete er im Anschluss mit einer Alarmanlage aus, trotzdem schläft Bernd Piezarka seit dem Einbruch nicht mehr so ruhig. „Man lauscht in die Stille und bildet sich ein, ein Geräusch gehört zu haben“, sagt er.
Die Täter, die am vergangenen Wochenende das Auto des Ehepaares ausschlachtete, hörte er leider nicht. Am Samstagmorgen entdeckte seine Frau, dass die Seitenscheibe des BMW eingeschlagen worden war, beim Blick ins Wageninnere traute sie ihren Augen kaum. „Zuerst habe ich nur gesehen, dass die Mittelkonsole fehlte, beim zweiten Blick wurde mir klar, dass auch das Lenkrad nicht mehr da war“, berichtet Jytte Piezarka. Wieder informierte das Paar die Polizei, war an diesem Tag der vierte Fall.
Das Ehepaar hatte Glück im Unglück. „Es waren echte Profis am Werk, die haben die Kabel ordnungsgemäß abgeklemmt und nicht einfach durchgeschnitten.“ Derzeit ist das Auto in der Werkstatt, doch richtige Freude will bei der Aussicht auf die Rückkehr des Wagens nicht aufkommen. „Es ist ja durchaus möglich, dass die Täter wieder zuschlagen. Die wissen ja, dass wir die Teile ersetzen lassen“, sagt Bernd Piezarka. Das vorherrschende Gefühl in der Familie: „Man ist komplett hilflos, hat das Gefühl, dass man sich überhaupt nicht wehren kann.“
Die Polizeimeldungen der vergangenen Monate zeigen: aus- und abgebaut wird im Grunde fast alles. Scheinwerfer, Lenkräder, Reifen samt Alufelgen, Sitze, Navigationsgeräte, Schaltknöpfe, Innenverkleidungen der Türen - sogar Motorhauben, Kühlergrills und Stoßstangen werden gestohlen. Klar ist: Die Täter gehen gezielt vor. Betroffen seien vor allem die drei großen Marken BMW, Mercedes und Volkswagen. Wo die Autoteile genau landen, weiß auch die Polizei nicht. „Wir müssen davon ausgehen, dass organisierte Strukturen dahinterstehen“, sagt Polizeisprecher Jan Krüger. Vermutet wird, dass die Teile international als Ersatzteile angeboten werden oder von illegalen Werkstätten verbaut werden.