Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

"Täter suchen Opfer, keine Gegner": Redakteurin Katja Bendig im Selbstverteidigungskursus

Offene Handflächen, die Abstand signalisieren, stabiler Stand, ein deutliches "Stopp" - mit dieser Haltung mache ich deutlich: "Bis hierhin und nicht weiter"
 
Einen Schlag abwehren und sich verteidigen - auch das vermittelt der Selbstverteidigungs-Kursus
Unsicherheit, Angst, Hilflosigkeit: Wer öfter alleine im Dunklen, einsamen Parkhäusern oder U-Bahn-Stationen unterwegs ist oder vielleicht sogar schon einmal angegriffen, belästigt oder beraubt wurde, kennt diese Gefühle. Doch wie verhält man sich in brenzligen Situationen richtig? Wie gewinnt man Selbstsicherheit? Und wie kann man im Ernstfall einen Angriff abwehren? Das will ich, WOCHENBLATT-Redakteurin Katja Bendig, gemeinsam mit neun weiteren Teilnehmern in einem Selbstverteidigungskursus erfahren.

"Es reicht wenn Sie Turnschuhe anziehen, auf der Straße tragen Sie ja auch keine Sportsachen", erklärt mir Trainer Mike Krüger auf meine telefonische Anfrage, in welchem Aufzug ich beim Kursus in Meckelfeld erscheinen soll. Gesagt, getan. Erwartungsvoll erscheine ich zum Start des Trainings, zu dem sich sieben Frauen und zwei junge Männer angemeldet haben. Schnell ist man beim "Du". "Weshalb seid ihr hier?", will Mike Krüger, der den Kursus gemeinsam mit Martin Weber leitet, als erstes wissen. Die Teilnehmer müssen nicht lange überlegen. "Ich wäre gerne selbstbewusster, wenn ich unterwegs bin", sagt eine der Frauen. "Ich bin schon mal verfolgt worden und habe mich dann versteckt. Ich wüsste gern, wie ich mich in dieser Situation bessern verhalten hätte", erzählt eine andere.

Die Illusion absoluter Sicherheit nimmt Martin Weber, der neben der Ausbildung in Selbstverteidigung auch über eine A-Trainer-Lizenz in Karate verfügt, als erstes. "Ihr werdet keine Garantie bekommen, dass euch nie etwas passiert. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass ihr unbeschadet bleibt, steigt", sagt Weber.
Die erste einfache Übung: Wir sollen uns einen Partner suchen und dann abwechselnd aufeinander zugehen, bis das Gefühl beim Näherkommen des Gegenübers sagt: Stopp! Und das passiert automatisch. "Lernt auf dieses Bauchgefühl zu hören", rät Mike Krüger, der vor Jahren die Karate-Abteilung beim TV Meckelfeld gegründet hat. Jeder habe ein ganz eigenes Empfinden dafür, wie groß der sogenannte "persönliche Kreis" ist. Wenn einem Fremde zu nahe kommen, sei es wichtig, Grenzen zu setzen. "Wir sind oft einfach zu höflich", sagt Martin Weber.

Also üben wir als nächstes, eine abwehrende Haltung einzunehmen und laut "Stopp! Lassen Sie mich in Ruhe!" zu rufen, wenn uns jemand zu nah auf "die Pelle" rückt. Gar nicht so einfach. Ich merke selber: Die Hemmung wirklich laut zu werden ist groß. Sogar im Training. Dabei können allein ein lautes "Stopp" und ein sicheres Auftreten Täter aus dem Konzept bringen. "Die suchen keine Gegner, sondern Opfer", sagt Martin Weber.
Grundsätzlich raten beide Trainer, sich aus brenzligen Situationen raus zu halten. "Wechselt ruhig die Straßenseite, wenn ihr das Gefühl habt, euch kommt ein komischer Typ entgegen. Wenn ihr anderen helfen wollt, ruft die Polizei an oder sucht euch weitere Personen, die ebenfalls eingreifen", empfiehlt Martin Weber.
In dem Kursus lernen die Teilnehmer neben grundsätzlichen Verhaltensweisen auch ganz konkrete Handgriffe, die z.B. im Notfall helfen, Schläge abzuwehren oder sich aus einem Griff zu lösen. Es wird geübt, unter Stress und Adrenalin zu reagieren. Auf Wunsch werden auch konkrete Situationen besprochen.

Nach der ersten Unterrichtseinheit habe ich vor allem gelernt: Jemandem Grenzen aufzuzeigen ist nicht unhöflich, sondern gut für mich selbst. Laut zu werden, sollte mir nicht peinlich sein. Und wenn ich in einem einsamen Parkhaus ins Auto steige, ist es nicht paranoid, sondern vernünftig, die Türen zu verriegeln, sobald ich im Wagen sitze. Ich habe aber auch erfahren, wie schwer es sein kann, sich in bedrohlichen Situationen richtig zu verhalten. Da ist noch Training nötig. Katja Bendig


Kontakt:

Martin Weber und Mike Krüger bieten neben den Kursen für Selbstverteidigung (ab 16 Jahren) auch Selbstbehauptungskurse für Kinder an. Diese starten wieder nach den Sommerferien. Auch mit der Lebenshilfe in Buchholz haben die beiden schon zusammengearbeitet. Beide sind ausgebildete Selbstverteidigungs-Trainer und Trainer für Gewaltschutz und Selbstbehauptung. Martin Weber ist Leiter der Karate-Abteilung bei Blau-Weiss Buchholz (Kontakt: Tel. 04181 - 283856; E-Mail:karate@blau-weiss-buchholz.de), Mike Krüger ist Leiter der Karate-Abteilung beim TV Meckelfeld (Kontakt: Tel. 0179 - 11666333; E-Mail: mike1979@gmx.net).