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Aus für Fleischerei Bunn in Stade: "Alles hat seine Zeit"

Die Zahlen stimmten nicht mehr. Fleischer-Meister Jörn Bunn fühlt sich nach der Schließung "befreit" Fotos: bc
Aus betriebswirtschaftlichen Gründen: Aus für Fleischerei Bunn / Wieder ein Traditionsgeschäft weniger

bc. Stade. Wieder einer weniger. Aus für die Fleischerei Bunn in der Großen Schmiedestraße. Inhaber Jörn Bunn (52) hat vor wenigen Wochen seine Ladentür zum letzten Mal abgeschlossen. Damit gibt es nur noch zwei Fleischer-Fachgeschäfte (Bömmelburg, Ossenbrügge) in der Stader Altstadt. "Früher waren es zwölf", erzählt Jörn Bunn.
Letztlich waren es betriebswirtschaftliche Gründe, die den Fleischer-Meister zu dem Schritt bewogen. Die Zahlen stimmten nicht mehr, die Umsätze sanken seit Jahren kontinuierlich. Gleichzeitig stiegen die Kosten, auch die Auflagen nahmen immer mehr zu. Dann ging plötzlich alles ganz schnell.
Als sich nach den Betriebsferien eine der verbliebenen zwei Verkäuferinnen krank meldete, zusätzlich eine Kühlmaschine ihren Geist aufgab und die Eingangstür nicht mehr richtig funktionierte, machte Jörn Bunn Nägel mit Köpfen. "Die Entscheidung zu schließen, war eine Befreiung für mich. Alles hat seine Zeit", sagt er.
Der verheiratete Familienvater erinnert sich an frühere Tage, als der Laden noch brummte. Als die Kühlkammern voll mit Tieren hingen und mehrere Meister und Gesellen für den Betrieb arbeiteten, der 1954 von seinem Großvater Ernst Bunn übernommen wurde. An dem Standort in der Großen Schmiedestraße gab es schon vorher lange Zeit einen Schlachter.
Jörn Bunn ist in dem Haus aufgewachsen. Unten wohnten seine Großeltern, oben er mit seinen Eltern und Geschwistern. Er machte eine Lehre in Buxtehude, führte viele Jahre zusammen mit seinem Vater den Betrieb. Seit 2007 war er alleinverantwortlich. "15 Stunden Tage waren keine Seltenheit. Morgens um 5 Uhr bin ich schon angefangen. Der Aufwand hat sich zum Schluss nicht mehr gelohnt", sagt Jörn Bunn.
Dafür kamen zuletzt zu wenige Kunden. Bunn macht u.a. den Wegfall der vielen inhabergeführten Fachgeschäfte in der Straße für das Ausbleiben der Kunden verantwortlich. "Außerdem ist ein großer Teil unserer alten Stammkundschaft schlicht und einfach weggestorben", sagt er. Auch die Parkplatz-Problematik in der Innenstadt habe er zu spüren bekommen. Letztlich sei auch der Fleischkonsum zurückgegangen.
Jörn Bunn will nun das alte Fachwerkhaus verkaufen. 540.000 Euro soll es kosten. Mit allem Drumherum sind die Gewerbeflächen sowie die sehr verwinkelten Wohnräume ungefähr 700 Quadratmeter groß. Aktiv hat Jörn Bunn nicht nach einem Nachfolger gesucht. Möglicherweise findet sich aber noch jemand, der mit der Fleischerei und den ganzen Maschinen etwas anfangen kann.
Selbst hat Jörn Bunn schon eine neue Aufgabe gefunden. Als Geselle ist er im Handelshof angefangen.