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Mitten durch den Hurrikan: Kapitän Rolf Bruns war lange auf dem Meer zu Hause

Hat fast die ganze Welt gesehen: Kapitän im Ruhestand Rolf Bruns
lt. Stade/Grünendeich. Das Meer war lange Zeit das Zuhause von Rolf Bruns (79). Der Kapitän im Ruhestand, der heute Besucher der Tourist-Info "Maritime Landschaft Unterelbe" in Grünendeich über die Kapitänsbrücke führt, heuerte schon im zarten Alter von knapp 16 Jahren als Deckjunge auf dem Versorgerschiff "Paul Gährs" von Jonny Gährs aus Estebrügge an.
Zwischen 1949 und 1971 lernte er dabei abgesehen von Fernost die ganze Welt kennen und schipperte durch so manchen schlimmen Sturm, darunter drei verheerende Hurrikans.
Unter die Haut ging Rolf Bruns vor allem der Hurrikan "Carrie" 1957, in den er und seine Mannschaft auf einem mit 30.000 Tonnen Öl beladenen Tanker nördlich der Floridastraße im Atlantik mitten hinein gerieten.
"Wir sind den Sturm abgeritten", sagt Bruns. Im 30-Grad-Winkel habe das Schiff die Wellen genommen und sei mit einigen Schäden aber in einem Stück durchgekommen. Nicht so viel Glück hatte damals die Besatzung des Viermastsegelschiffs "Pamir". Das Schiff sank und 80 der 86 Crewmitglieder, darunter viele jugendliche Kadetten, kamen ums Leben.
Besonders gern erinnert sich Rolf Bruns an seine Zeit auf der Seefahrtsschule in Elsfleth (Landkreis Wesermarsch) zurück. "Damals war ich jung und ungebunden", schmunzelt Bruns. Der gebürtige Stader erhielt 1954 sein Steuermannspatent auf große Fahrt, schipperte danach als Zweiter und Dritter Offizier unter liberischer Flagge auf amerikanischen Tankschiffen.
Einen Tag vor seinem 21. Geburtstag Ende 1955 erhielt Bruns sein Kapitänspatent und fuhr danach auf Chemikalienschiffen über die Meere.
Seine Frau, die aus Zentralamerika stammt, lernte Rolf Bruns Anfang der 1960er Jahre kennen. Geheiratet haben die beiden 1962, nachdem sie sich rund ein Jahr lang Briefe geschrieben hatten.
1971 tauschte Bruns, der Vater zweier Kinder ist, die Kapitänsbrücke gegen einen Abteilungsleiterjob bei der Dow, die sich gerade frisch in Stade angesiedelt hatte. "Ich hatte Glück, weil ich Ted Walker, den damaligen Dow-Leiter, durch meine Arbeit kannte", sagt Bruns. Dem Chemiekonzern blieb Bruns bis zu seinem Ruhestand Mitte der 1990er Jahre treu.
Heute gehen Bruns und seine Frau gern an Bord von Expeditions- oder Containerschiffen und haben u.a. schon die Antarktis und Grönland erkundet. Zuhause bastelt der Ex-Kapitän gern im Keller an Modellschiffen und gehört seit vielen Jahren zum "Inventar" der Maritimen Landschaft Unterelbe.

Die nächsten Führungen über die Kapitänsbrücke bietet Bruns dort am Sonntag, 13. April, von 13 bis 15 Uhr sowie am Ostersonntag, 20. April, von 13 bis 15 Uhr an. Ostern werden auch ein paar Eier versteckt.

Mehr Infos zur Tourist-Info Maritime Landschaft Unterelbe finden Sie hier