Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Offensive gegen plötzlichen Herztod in Stade

Erfahrene Ausbilder: Rettungsassistent Hinrich Hauschild (li.) und Intensivpfleger Rainer Clemens mit Dummie und Defibrillator
 
Im Verein engagiert (v. re.): Vorsitzender Dr. Sebastian Philipp, Rainer Clemens, Nicole Engelbracht (Öffentlichkeitsarbeit) und Hinrich Hauschild

Jede Minute zählt! Vorbild-Projekt schließt Lücken in der Notfallversorgung / Viele neue Defibrillatoren im Landkreis Harburg

tp. Stade. Herzstillstand. Ersthelfer ratlos oder zu weit entfernt. Patient tot! Diese Szenario erleben Profis aus dem Rettungsdienst im Landkreises Stade beinahe täglich. Mit der Offensive "Stade schockt!" hat der Verein "Mein Herz in Stade" dem plötzlichen Herztod den Kampf angesagt. Ziele des Vereins, dem der Chefarzt der Kardiologie im Elbe Klinikum Stade, Privatdozent Dr. med. Sebastian Philipp (48) sowie Rettungassistent Hinrich Hauschild (52) und Intensivpfleger Rainer Clemens (45) angehören, sind die Ausbildung ehrenamtlicher Feuerwehrleute zu Notfall-Ersthelfern (First Responder) und Training für Laien in den Dörfern.

Gerade bei der Anfahrt in abgelegene Winkel des Landkreises verliert der Rettungswagen wertvolle Minuten. Laut Vereins-Chef Dr. Philipp drohen bei Herzstillstand drastische Folgeschäden fürs Gehirn wie Veränderung der Persönlichkeit nach drei Minuten und irreversible Hirnschäden wie Sprachverlust oder Koordinationsstörungen nach fünf Minuten. Mit jeder Minute sinke die Lebenserwartung um zehn Prozent, so der Herzspezialist.

Die aus der Kreis-Statistik hervorgehenden Eintreffzeiten des Rettungswagens können für Herzpatienten demnach kaum als ausreichend bewertet werden: Sie soll in 95 Prozent der Notfalleinsätze 15 Minuten nicht übersteigen. Im Jahr 2015 wurde dieser Wert knapp erreicht.
Der Kreis reagierte mit dem Einrichten der First-Responder-Gruppen in 22 der insgesamt 93 Freiwilligen Feuerwehren, die neben geschulten Rettern über einen automatisierten externen Defibrillator zur Beseitigung des Herzkammerflimmerns verfügen. Im Jahr 2015 wurden sie 125 Mal alarmiert.

Es herrscht dringender weiterer Bedarf. Denn noch immer gibt es Extremfälle, wie diesen, an den sich Hinrich Hauschild erinnert: Beim Heckenschneiden erlitt ein Mann mittleren Alters einen Herzstillstand. Obwohl sein Garten direkt neben der Dorffeuerwehr liegt, diese aber über keine geschulten Ehrenamtlichen verfügt, musste die First-Responder-Gruppe aus dem zehn Fahrminuten entfernten Nachbarort alarmiert werden.

Im Zuge der Offensive "Stade schockt!" bildet "Mein Herz in Stade" in diesem Jahr Freiwillige aus 20 weiteren Feuerwehren zu Notfall-Ersthelfern aus. Dank einer Spende von Dow Stade über 12.000 Euro sind die Kurse gratis. Geld für drei neue Defibrillatoren ist auch noch übrig. Bislang gibt es im Kreisgebiet 151 Geräte in öffentlichen Einrichtungen.

• Der nächste Laienlehrgang findet am Dienstag, 8. März, 18 Uhr, im Elbe Klinikum statt.

• Jan Bauer (35), Rotkreuz-Bereitschaftsführer im Kreis Harburg, begrüßt die "vorbildliche Aktion". Auch in der Nordheide habe man dem plötzlichen Herztod den Kampf angesagt. In einer Gemeinschaftsaktion statten DRK und die Kreissparkasse Filialen des Geldinstituts in Stadt und Land mit Defibrillatoren aus und schulen Freiwillige in der Bedienung der Geräte.

http://www.herz-stade.de