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Zuviel Plastik in Grünabfällen gefährdet Kompostverwertung

Mit einem Grünabfallsack: Kreisrätin Monika Scherf und Frank Sameluck, Leiter der Abfallwirtschaft
ce. Winsen. Die Abfallwirtschaft des Landkreises Harburg schlägt Alarm: Immer öfter werden Kunststoffreste in Grünabfällen gefunden, wodurch die Kompostverwertung gefährdet wird. Deshalb appellierten Kreisrätin Monika Scherf und Frank Sameluck, Leiter der Abfallwirtschaft, jetzt an die Bevölkerung, mehr Sorgfalt bei der Abgabe von Grünabfällen walten zu lassen.
Hauptgrund für die Verunreinigung sind laut Abfallwirtschaft Kunststoff-Müllsäcke, mit denen die Papiersäcke für den Grünabfall zum Schutz gegen Durchweichen ausgekleidet werden. „Wir haben einen Monat lang alle Anlieferungen aus dem Landkreis stichprobenartig auf den Kompostplätzen überprüft und die Plastik-Müllsäcke als eindeutige Ursache des Problems ausgemacht“, erklärte Frank Sameluck. „Zwar wurden vereinzelt auch Gartenscheren, Handschuhe, Hausmüll und Baustellenabfälle gefunden, auf die Gesamtmenge der Grünabfälle bezogen ist das aber kein Problem."
Als Konsequenz kündigte Monika Scherf schärfere Kontrollen bei der Grünabfall-Abfuhr an. „Sollte unser Appell keine Wirkung zeigen, werden wir die Säcke künftig stehen lassen und markieren, damit klar ist, dass sie nicht versehentlich zurückgelassen wurden.“
Alternativen zur Sammlung der Grünabfälle in Papiersäcken sehe man derzeit nicht. Die gefüllten Grünabfallsäcke würden geschreddert, die Reste mitkompostiert. „Wir sind auf biologisch abbaubare Säcke in entsprechender Größe angewiesen“, so Sameluck. Säcke aus biologisch abbaubarem Kunststoff in entsprechender Größe und mit ausreichender Reißfestigkeit seien zu einem akzeptablen Preis nicht zu erhalten.
"Gefüllte Grünabfallsäcke überstehen ohne Probleme eine Nacht im strömenden Regen. Schwierigkeiten gibt es nur, wenn feuchte Grünabfälle über längere Zeit in den Säcken aufbewahrt werden", betonte der Leiter der Abfallwirtschaft. Wenn die Abfälle erst am Tag vor der Abfuhr in die Säcke gefüllt würden, sei ein Durchweichen nicht zu befürchten.
Jährlich werden auf den Kompostplätzen des Kreises mehr als 30.000 Tonnen Grünabfall verarbeitet. Endprodukte sind der qualitätskontrollierte „Nordheide Kompost“ sowie ein Brennstoff, der an Biomasse-Kraftwerke verkauft wird. Im Bio-Brennstoff seien bereits messbare Mengen an Kunststoffresten festgestellt worden. Die Grenzwerte würden zwar noch eingehalten, die guten Ergebnisse seien aber nur mit aufwändiger Siebtechnik zu erreichen. Wenn der Brennstoff nicht mehr in Biomassekraftwerken eingesetzt werden könne, würde dies einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden für die Abfallwirtschaft und die Bürger des Kreises bedeuten, gab Monika Scherf zu bedenken. Der Brennstoff könnte nur noch in Müllheizkraftwerken verwendet werden – mit Zuzahlungen von etwa 60 bis 70 Euro pro Tonne. Das wären Mehrkosten für bis zu 150.000 Euro pro Jahr.
• Jährlich werden über 400.000 Grünabfallsäcke ausgegeben – Tendenz steigend. Sie sind für 80 Cent bei rund 100 Ausgabestellen wie Verwaltungen und Geschäften erhältlich.