"Das ist völliger Blödsinn": Apensens Gemeindedirektorin weist Kritik wegen Ortsumgehung zurück

Der abgerutschte Bereich reicht bis knapp unter die Fahrbahn   Foto: jd
  • Der abgerutschte Bereich reicht bis knapp unter die Fahrbahn Foto: jd
  • hochgeladen von Jörg Dammann

jd. Apensen. "Noch muss die Straße nicht gesperrt werden", sagt Apensens Gemeindedirektorin Sabine Benden: Die Bauhofmitarbeiter hätten die Situation aber im Blick, um bei Bedarf schnell zu handeln. Wie berichtet, ist erneut ein Teil der Böschung der Ortsumgehung, der sogenannten Ortskernentlastungsstraße (OKES), abgerutscht. Diesmal ist vor allem ein Bereich direkt neben der Brücke über die EVB-Bahnstrecke betroffen. Die oberste Schicht mit dem Mutterboden glitt wie bei einem Erdrutsch den Hang hinab. Mögliche Methoden, den Schaden zu beheben, will Benden am Dienstag kommender Woche den Ratsmitgliedern präsentieren. Gleichzeitig weist sie im Ort kursierende Gerüchte zurück, der 2008 errichtete Fahrdamm der OKES musste bei seinem Bau entgegen der ursprünglichen Planung erheblich erhöht werden und sei deshalb zu steil geraten.

Bendens Dementi bezieht sich auf die Behauptung, die Gemeinde hätte bei der Baumaßnahme damals nicht berücksichtigt, dass neben den EVB-Zügen auch zeitweise der Metronom mit seinen doppelstöckigen Waggons die Brücke passiere, um zum EVB-Ausbesserungswerk in Bremervörde zu fahren. Als der Fehler bemerkt worden sei, hätte man die Brücke höher bauen müssen. Entsprechend sei auch der Damm aufgeschüttet worden. Dass dieses "Märchen" ausgerechnet von einem ihrer Amtsvorgänger verbreitet werde, ärgere sie besonders, so Benden.

"Solche Aussagen sind völliger Blödsinn", erklärt die Verwaltungschefin der Gemeinde Apensen: "Sämtliche Höhen sind im Vorfeld mit der EVB abgesprochen worden. Gerade in Bezug auf Schienenstrecken gelten im Planungsrecht besonders strenge Vorschriften."
Es sei an der Zeit, mit den "Legenden" um den angeblich zu steilen OKES-Damm aufzuräumen, meint Benden: "Das Böschungsverhältnis von 1 zu 1,5 entspricht den üblichen Werten im Straßenbau." Die Probleme mit der rutschenden Deckschicht seien nicht vorhersehbar gewesen. "Wir haben uns damals darauf verlassen, was die Experten empfohlen haben."

In dieser Woche war mit Benden nun mit einem Experten vor Ort, um über mögliche Lösungen für das Dauer-Problem zu sprechen. Drei Varianten werden für die betroffenen Stellen ins Auge gefasst: Als erste Option käme das Abtragen des Mutterbodens in Betracht. Danach werde auf dem lehmigen Sand eine Spezialemulsion mit Rasensamen aufgetragen. "Solch ein Verfahren wurde bei der K 30, der Stader Südumgehung, angewandt", erläutert Benden.

Alternativ könnten auch Matten aus Naturfasern auf die Böschung aufgebracht werden. Diese Matten sind ebenfalls mit Grassaat versehen und werden mit sogenannten Erdkrampen befestigt. Auf diese Weise sei bereits vor Jahren die Böschung auf der Westseite des Fahrdamms repariert worden, so Benden: "Das hat gut funktioniert." Die dritte Option wäre die Bepflanzung mit Sträuchern. Deren Wurzelwerk soll das Erdreich tiefer durchdringen und so für mehr Stabilität sorgen. Welche Methode zum Zuge kommt, soll nun von der Politik beraten werden: Der Gemeinderat tagt am Dienstag, 12. Dezember, um 19.30 Uhr im Rathaus "Junkernhof".

Wieder rutscht der Hang

Alle Jahre wieder: Erneut sind Teile der Böschung entlang der Apenser Umgehung, der sogenannten Ortskernentlastungsstraße (OKES), abgerutscht. Ein richtiger kleiner Erdrutsch ereignete sich direkt neben der Brücke über die EVB-Bahnstrecke. Dort ist der gesamte Hang von der Fahrbahnkante aus abwärts in Bewegung geraten. Die Stelle wirkt so bedrohlich, dass sich einige Bahnreisende und Autofahrer ernsthaft Sorgen um die Stabilität des Fahrdammes machten. Sie benachrichtigten die Polizei, die sich wiederum an das Apenser Rathaus wandte. Dort sieht man aber keine Notwendigkeit, die Umgehungsstraße womöglich zu sperren.

Allerdings ist Apensens Gemeindedirektorin Sabine Benden sichtlich genervt: "Es kann doch nicht angehen, dass es mit dieser Böschung dauernd Probleme gibt." Erst im Frühsommer hatte die Firma Schlichtmann aus Kehdingen, die auf Deichbau spezialisiert ist, eine größere Fläche im Hang ausgebessert. Das kostete bereits 40.000 Euro. Auch diesem "geflickten" Bereich ist nun wieder ein Teil der Böschung weggerutscht.

"Wir müssen jetzt endlich eine Lösung finden", erklärte Benden gegenüber dem WOCHENBLATT. Deswegen hat sie zu einem Ortstermin gebeten. Der fand am Montagnachmittag nach Redaktionsschluss statt, sodass über Ergebnisse erst in der nächsten Ausgabe berichtet werden kann. An dem Termin sollen ein Vertreter der Firma Schlichtmann und der Ingenieur Willem Verhoeven teilnehmen, der den 2008 in Betrieb genommenen Fahrdamm seinerzeit geplant hat. Benden ist als Apenser Bauamtsleiterin ebenfalls vom Fach, so dass das Experten-Trio das Thema mit geballter Kompetenz angehen kann.

Wie berichtet, rutschen seit der Freigabe der Straße vor nunmehr neun Jahren immer wieder mehr oder weniger große Hangbereiche ab. Offensichtlich hat sich die oberste Deckschicht mit der Grasnarbe nie richtig mit dem Untergrund des Dammes verbunden. Das Hauptproblem ist laut der Deichbauer, die im Mai an der Böschung werkelten, das viele Wasser, das besonders nach langen Regenperioden in den Damm einsickert.

Die Fachmänner aus Kehdingen hatten im Mai große Menge von feuchtem Lehm aus dem Hang geholt und durch festeren Kleiboden ersetzt. Zudem wurden Pflöcke mit Flechtwerk in den Boden getrieben, um den Hang zusätzlich zu sichern. Doch ein Patentrezept ist die Methode wohl auch nicht: Was sich bei Deichen bewährt hat, lässt sich offenbar nicht ohne Weiteres auf die noch steilere Böschung der Ortsumgehung übertragen.

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Panorama
3 Bilder

12. Mai: Die Corona-Zahlen
Inzidenzwert steigt leicht an im Landkreis Harburg: 64,85

(sv). Der Inzidenzwert im Landkreis Harburg ist am heutigen Mittwoch, 12. Mai, wieder leicht gestiegen - von 63,3 am Vortag auf 64,85. Der Landkreis meldet heute außerdem 258 aktive Fälle, das sind 17 mehr als gestern. In den vergangenen sieben Tagen verzeichnete der Landkreis 165 Corona-Fälle. Seit Ausbruch der Pandemie waren 6.415 Personen am Coronavirus erkrankt (+38). Davon sind bislang 6.050 wieder genesen (+21). Die Zahl der Menschen, die mit oder am Coronavirus gestorben sind, bleibt bei...

Politik
Vor dem an einer Hauswand in Tangendorf prangenden XXL-Logo der Baustopp-Bürgerinitiative (v. li.): die BI-Mitglieder Johannes Bünger, Dr. Linda Holste und Nele Braas
2 Bilder

Bürger wollen Baggerstopp
Tangendorfer fühlen sich bei Kiesabbau-Plänen ungenügend einbezogen

ce. Tangendorf. Der vom Garstedter Kieswerk Lütchens über einen Zeitraum von etwa 30 Jahren geplante Kiesabbau im Bereich zwischen den Gemeinden Garstedt, Wulfsen und Toppenstedt solle "von einer verlässlichen, kontinuierlichen und transparenten Kommunikation zwischen Bürgern, Politik und Verwaltung begleitet werden", hatten das Unternehmen sowie die Verwaltungschefs der beteiligten Kommunen kürzlich gemeinsam erklärt (das WOCHENBLATT berichtete). "Von dieser Transparenz ist derzeit für uns...

Panorama
Die bunte Rutsche wurde geschrubbt, die Fliesen ausgetauscht und vieles mehr vorbereitet: Das Jesteburger Freibad könnte sofort öffnen. Darauf hoffen (v. li.) Badleiter Henning Schöttler, Dagmar Wille (Gebäudewirtschaft), stv. Badleiter Rolf Stehrenberg, stv. Fördervereinsvorsitzende Carola Boos und Fördervereinsvorsitzender Henning Buss
4 Bilder

Corona-Verordnung bestimmt, wann angebadet werden darf
Freibäder wären startklar für die Saison

as. Jesteburg/Landkreis. Auch wenn sich in den vergangenen-Tagen das Freibad-Gefühl noch nicht so richtig einstellen wollte - im Mai beginnt traditionell die Freibad-Saison. Aufgrund der Corona-Pandemie müssen die Freibäder im Landkreis Harburg und der Samtgemeinde Jesteburg ihre Eröffnung jedoch vorerst verschieben. Frühestens Ende Mai sieht die aktuelle Corona-Verordnung das Anbaden vor. Dabei haben sich die Hygienekonzepte aus dem vergangenen Jahr bewährt, sind sich die Freibad-Betreiber im...

Wirtschaft
Auch alle WOCHENBLATT Stellenanzeigen aus Buchholz, Buxtehude, Stade, Winsen und Umgebung  landen im  Jobportal www.sicherdirdenjob.de
3 Bilder

Online Jobportal vom WOCHENBLATT
Mit www.sicherdirdenjob.de erfolgreich Personal finden

Ob Auszubildender, Mitarbeiter, Fach- oder Führungskraft - schneller und effizienter geht die Jobsuche kaum: Unter www.sicherdirdenjob.de werden regelmäßig mehr als 11.000 freie Stellen von Unternehmen aus der Region Bremen, Oldenburg, Hannover und Hamburg aufgezeigt. Gemeinsam mit weiteren Kooperationspartnern bietet die WOCHENBLATT Gruppe mit der Onlinebörse ein umfassendes regionales Stellenportal, dass Bewerber aus dem Raum Hamburg und Bremen anspricht! Das heißt: Jede Anzeige, die im...

Service

Wichtige Mail-Adressen des WOCHENBLATT

Hier finden Sie die wichtigen Email-Adressen und Web-Adressen unseres Verlages. Wichtig: Wenn Sie an die Redaktion schreiben oder Hinweise zur Zustellung haben, benötigen wir unbedingt Ihre Adresse / Anschrift! Bei Hinweisen oder Beschwerden zur Zustellung unserer Ausgaben klicken Sie bitte https://services.kreiszeitung-wochenblatt.de/zustellung.htmlFür Hinweise oder Leserbriefe an unsere Redaktion finden Sie den direkten Zugang unter...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen