Sagenumwobene Steine und bedrohliche Bäume
Mystischer Platz im Kreis Stade: Die Gräber von Grundoldendorf
- Das Wäldchen mit den Großsteingräbern darf derzeit nicht betreten werden. Es besteht Lebensgefahr
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Das Wäldchen "Im Dohrn" gehört zu den geheimnisvollsten Orten im Landkreis Stade: Rund vier Kilometer nördlich von Apensen überragt eine bewaldete Kuppe die Landschaft. Tief verborgen in diesem dichten Buchenwald liegen die sagenumwobenen Hünengräber von Grundoldendorf - überwuchert von Moos und umrankt von Mythen. Doch seit 2017 ist das geheimnisvolle Gehölz mit den vor rund 5.500 Jahren angelegten Großsteingräbern nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich. Ein Schild warnt: Betreten verboten. Denn im einstigen Totenreich der Altvorderen besteht Lebensgefahr – nicht etwa wegen alter Flüche, die auf dem Gelände liegen. Die Gefahr geht von den Baumriesen aus, die die Gräber umgeben. Viele von ihnen sind morsch, drohen jederzeit umzustürzen. Das Wäldchen, einst beliebtes Ziel für Wanderer, Geschichtsliebhaber und Mystiker, ist zu einem gefährlichen Ort geworden. Doch jetzt setzt der Landkreis alles daran, dass die Steingräber wieder zugänglich gemacht werden.
- Herabgefallene Äste und umgestürzte Bäume prägen das Areal
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Älter als die Pyramiden
Schließlich zählen die vier Großsteingräber bei Grundoldendorf zu den bedeutendsten archäologischen Stätten Niedersachsens. Errichtet in der Jungsteinzeit rund 3.500 Jahre vor Christi Geburt, sind sie älter als die ägyptischen Pyramiden oder der berühmte Steinkreis von Stonehenge in England. Ihre massiven Findlinge, von denen manche mehrere Tonnen wiegen, wurden von den Menschen der Trichterbecherkultur in mühevoller Arbeit errichtet – mit Techniken, die uns bis heute Rätsel aufgeben. Archäologen vermuten, dass diese Gräber nicht nur Begräbnisstätten waren, sondern auch Orte ritueller Versammlungen. Wurden hier einst Opfergaben niedergelegt? Ertönten hier feierliche Gesänge, während die Ahnen geehrt wurden? Sicher ist: Diese Stätten waren nicht nur für die Toten bedeutsam, sondern auch für die Lebenden, die in ihrem Schatten Trost und Schutz suchten. Manche meinen, dieser geheimnisvolle Ort strahle noch immer eine archaische Energie aus.
Die bewaldete Kuppe mit den Steingräbern wurde 1939 zum Landschaftsschutzgebiet erklärt - ausdrücklich mit der Begründung, die dortigen Bodendenkmale zu schützen. Um die Großsteingräber vor der drohenden Zerstörung zu bewahren, war die knapp fünf Hektar große Fläche bereits um das Jahr 1900 vom Provinzialverband Hannover erworben worden. Zwei Drittel der damaligen Kaufsumme trug der Stader Geschichts- und Heimatverein. Der größte Teil des Wäldchens befindet sich mittlerweile im Eigentum des Landkreises Stade. Das Areal rund um die vier Großsteingräber gehört dem Land Niedersachsen.
Bäume drohen umzustürzen
Im Laufe der Jahre hat sich die denkmalgeschützte „Gehölzinsel“ inmitten der landwirtschaftlich intensiv genutzten Geestlandschaft zu einem wertvollen Biotop entwickelt. Es ist Rückzugsgebiet für viele Tierarten wie Waldvögel und Fledermäuse. Außerdem wachsen dort seltene Pflanzen. Doch die Zeit, die über Jahrtausende nur an den Steinen nagte, macht sich nun auch an den Bäumen bemerkbar. Viele der imposanten Buchen haben nach rund 250 Jahren das Ende ihrer natürlichen Lebenszeit erreicht. Umgestürzte Stämme versperren die Wege, immer wieder brechen unvermittelt schwere Äste ab.
- Die morschen Bäume stellen eine Gefahr für Besucher dar
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„Die Bäume drohen die einmaligen Großsteingräber zu beschädigen“, sagt der Stader Kreisarchäologe Daniel Nösler. Deshalb sollen rund 25 nicht mehr standsichere Bäume gefällt oder eingekürzt werden. Gleichzeitig wird das Dickicht aus Brombeerranken und Efeu entfernt, das in den letzten Jahren ungehindert über die Steine gewuchert ist. „Wir haben als Landkreis alle beteiligten Ämter und Behörden zusammengeführt, um den verschiedenen Ansprüchen des Landschafts-, Natur- und Denkmalschutzes gerecht zu werden“, erklärt Landrat Kai Seefried.
Besuchern wieder Zutritt verschaffen
Koordiniert werden die Maßnahmen vom Kreisarchäologen. "Die Baumfällungen müssen von einem Fachunternehmen durchgeführt werden, das sich auf solche Arbeiten in sensiblen Bereichen spezialisiert hat", erklärt Nösler gegenüber dem WOCHENBLATT. Der Einsatz von schwerem Gerät wie Harvestern sei nicht möglich, da sonst möglicherweise die Steingräber beschädigt werden. Ziel ist es, das Areal so zu gestalten, dass Besucher die Gräber bald wieder aus nächster Nähe bestaunen können – ohne Gefahr für Leib und Leben. Besucher sollen dann wieder das Wäldchen betreten dürfen, doch sie müssen dabei auf den Wegen bleiben.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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