Schlagzeilen um Pflegekind Jeremy: Wie arbeitet ein Jugendamt?

Die Buxtehuder Jugendamtsleiterin Andrea Lange-Reichardt (l.) und die Sozial-Pädagogin Birgit Struß erklären, was passiert, wenn ein Kind nicht mehr in seiner Familie bleiben kann
  • Die Buxtehuder Jugendamtsleiterin Andrea Lange-Reichardt (l.) und die Sozial-Pädagogin Birgit Struß erklären, was passiert, wenn ein Kind nicht mehr in seiner Familie bleiben kann
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tk. Buxtehude. Der aus einer Pflegestelle in einem Zirkus verschwundene Jeremy (11), der vermutlich seit zwei Wochen in Hamburg untergetaucht ist, sorgt für Schlagzeilen. Es wird über die Unterbringung in Heimen oder Pflegefamilien und die Kosten diskutiert. Jenseits aller Schlagzeilen wollte das WOCHENBLATT wissen: Was geschieht, wenn Kinder nicht mehr in ihren Familien leben können? Die Buxtehuder Jugendamtsleiterin Andrea Lange-Reichardt und ihre Kollegin Birgit Struß, Sozialpädagogin beim Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD), erklären, wie Kinder etreut werden, wenn ihr Wohlergehen gefährdet ist.

"Es gibt keine einsamen Entscheidungen", sagt Lange-Reichardt. Erfährt das Jugendamt von Problemen in einer Familie, entscheide immer ein Team von fünf bis sechs Leuten über das weitere Vorgehen. Ziel bleibe es, dass eine Familie zusammenleben könne, so Struß.
Wenn sich herausstellt, dass ein Kind nicht bei Eltern oder anderen Angehörigen bleiben kann, wird eine Unterbringungsmöglichkeit gesucht. Kinder unter 12 Jahren sollen vorrangig in eine Pflegefamilie kommen. Wenn das nicht möglich ist, wird eine stationäre Unterbringung geplant - sprich Heim.
Eigene Betreuungseinrichtungen hat das Jugendamt nicht. Welche Einrichtung in Frage kommt, hänge vom Bedarf eines Kindes ab. Kommen psychische Problem oder Sucht dazu, kommt ein "normales" Heim nicht in Frage.
"Wir kennen jede Einrichtung", sagt Birgit Struß. Wenn es notwendig ist, fahren die ASD-Mitarbeiter auch nach Süddeutschland, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Mit jedem Heim, erklärt Lange-Reichhardt, wird ein Hilfeplan erstellt. Gemeinsam werde festgelegt, was passieren müsse. Gibt es Abweichungen - und sei es nur, dass eine Sporttherapie wegfällt - muss das Jugendamt informiert werden.
Der Hamburger Fall sorgt auch deswegen für Aufsehen, weil die Unterbringung monatlich rund 7.400 Euro kosten soll. So viel Geld zahlt das Buxtehuder Jugendamt nicht. Je größer der Betreuungsbedarf ist, desto höher fallen aber die Kosten aus. Eine Pflegefamilie bekommt monatlich zwischen 600 und 900 Euro. Kinder- und Jugendheime rechnen mit einem Tagessatz zwischen 120 und 150 Euro. "Uns ist bewusst, dass das viel Geld ist und das wir Steuermittel verwenden", sagt Lange-Reichardt.
Individuelle Maßnahmen, wie im Fall Jeremy mit der Unterbringung in einem Zirkus, oder auch ein Aufenthalt im Ausland, sei die absolute Ausnahme. Es gehe in diesen seltenen Fällen darum, eine Abwärtspirale zu durchbrechen.
Es sind rund 50 Kinder aus Buxtehude, die durchschnittlich pro Jahr im Heim leben . In 90 Prozent der Fälle mit Einverständnis der Eltern. Die Schlagzeilen, die Jeremy macht, betrachten Birgit Struß und Andrea Lange-Reichardt mit Sorge. "Das Vertrauen in unsere Arbeit leidet dadurch." Das Jugendamt sei nicht der Wächter, der Kinder wegnehme, sondern eine Einrichtung, die Hilfe und Beratung biete.

Autor:

Tom Kreib aus Buxtehude

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