Offene Türen bei Landkreis-Abfallwirtschaft
Reger Besucherandrang auf Kompostplatz in Drage
- Bei Führungen auf dem Kompostplatz in Drage gab es für die Besucher viele Informationen zum Ablauf der Entsorgung von Grün- und Gartenabfällen
- Foto: Landkreis Harburg
- hochgeladen von Christoph Ehlermann
Schreddern, sieben, sortieren, gären, belüften, umsetzen – damit aus Rasenschnitt, Laub & Co. wertvoller Kompost wird, ist einiger Arbeitsaufwand erforderlich. Die Bedingungen müssen stimmen, damit die Bakterien ihre Arbeit machen können und die Grünabfälle richtig zersetzen. „Ich hätte nie gedacht, dass Kompostierung so aufwendig ist“, staunte jetzt eine Besucherin beim "Tag der offenen Tür" auf dem Kompostplatz in Drage. So wie ihr ging es auch anderen Interessierten, die beim Aktionstag der Abfallwirtschaft des Landkreises Harburg einen Blick hinter die Kulissen der Kompostanlage erhielten.
"Gerade die Führungen wurden sehr gut angenommen“, zog Jörg Klenner von der Abfallwirtschaft eine positive Bilanz. „Das war ein voller Erfolg.“ Das sahen offenbar auch viele der insgesamt rund 450 Besucher so: „Machen Sie das bitte regelmäßig wieder, das war so informativ und schön“, hörten Klenner und seine Kollegen nicht nur einmal.
Grün- und Gartenabfälle sind mit rund 28.000 Tonnen jährlich in den privaten Haushalten im Landkreis Harburg die zweitgrößte Abfallfraktion – nach dem Hausmüll. „Wir können die Grünabfälle zu nahezu 100 Prozent verwerten. Sie sind kein Abfall, sondern ein Schatz, der daraus hergestellte Kompost verbessert den Boden und liefert Dünger“, erläuterte Jörg Klenner. Wie das genau funktioniert, erlebten die Besucher an mehreren Stationen. Bei Führungen erläuterten Mitarbeiter der Abfallwirtschaft an den einzelnen Stationen die verschiedenen Arbeitsschritte. Für Erstaunen sorgte immer wieder die „Saunatemperatur“ von mehr als 70 Grad in der Kompostmiete. „Bei dieser Kerntemperatur haben alle Schädlinge und Problempflanzen keine Chance“, erläuterte Harald Koch von der Abfallwirtschaft. „Damit eine komplette Hygienisierung und Durchmischung des Grünabfalls erreicht wird, muss die Miete zudem alle drei Wochen umgesetzt werden.“
Auch Maschinen wie ein riesiger Schredder sowie Sieb- und Sortiermaschine konnten im Betrieb erlebt werden. So zeigte die Siebmaschine, wie sauber die einzelnen Fraktionen getrennt werden. Eine besondere Herausforderung sind allerdings immer wieder die Fehlwürfe: „Dass aus Versehen mal eine Gartenschere oder der geliebte Spielball des Hundes im Grünabfall landet, ist nachvollziehbar“, erklärte Abfallberater Björn Dormann. Für Unverständnis sorgen bei ihm und seinen Kollegen aber die vielen Fremdstoffe, die dann aufwendig aussortiert werden müssen. „Da wurden auch schon große Metallteile untergemischt, die erhebliche Schäden am Schredder verursachten. Außerdem ist jeglicher Eintrag von Störstoffen in den Kompost mit hohem Aufwand beim Aussortieren verbunden“, betonte Dormann. Immer wieder fänden sich Plastikreste von Folien oder sogar Blumentöpfe, die unter den Gartenabfällen nichts zu suchen hätten – "auch nicht, wenn sie als ,aus biologisch abbaubaren Kunststoffen bestehend‘ beworben werden“.
Der aus Grünabfällen gewonnene Kompost - so Björn Dormann - werde auf dem Acker, in Parks oder im Garten als Bodenverbesserungsmittel eingesetzt – und dort seien beispielsweise Plastikfetzen oder Mikroplastik absolut tabu. Auch der vorgeblich biologisch abbaubare Kunststoff zersetze sich nur unter Laborbedingungen und es blieben immer kleinste Kunststoffreste übrig. Sein Appell daher an die Verbraucher: „Kleiden Sie die Grünabfallsäcke nicht mit blauen Müllsäcken aus und benutzen Sie auch keine sogenannten biologisch abbaubaren Plastiktüten. Im Grünabfall und in der Biotonne hat jeglicher Kunststoff nichts zu suchen.“
Neben Informationen rund um die Abfallentsorgung gab es beim "Tag der offenen Tür" auch ein Glücksrad mit attraktiven Gewinnen für Klein und Groß. "Unser Maskottchen Knut und die kleine Mülltonne für den Schreibtisch waren die absoluten Renner“, so Jörg Klenner.
Darüber hinaus luden die Möbelscheunen und das Fundus-Kaufhaus des DRK ein, im vielfältigen Angebot an gebrauchten Möbeln, kuriosen Einzelstücken und Kleidungsstücken zu stöbern und nachhaltig einzukaufen. Das wurde gerne genutzt, und so manches Liebhaberstück war anschließend auf dem Weg in ein neues Zuhause. Wie etwa eine alte Eichenholztruhe: "So eine Truhe passt doch prima in unser Wohnzimmer“, freute sich ein Ehepaar aus Lüneburg und griff zu.
Redakteur:Christoph Ehlermann aus Salzhausen |

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