„Norbert“ lebt als "Oldie" weiter
Innovatives Großprojekt auf Schienen in Deinste
- Voller Stolz auf die Fortschritte am Triebwagen (v.li.): Ralph-Ludwig Gehrke, Loke Thomsen und Jan Reher
- Foto: sb
- hochgeladen von Stephanie Bargmann
Im Deutschen Feld- und Kleinbahnmuseum (DFKM) in Deinste wird ein außergewöhnliches Stück Technikgeschichte wieder zum Leben erweckt: Ein Triebwagen aus den 1940er-Jahren, liebevoll „Norbert“ getauft, entsteht in Handarbeit neu – als Hommage an ein unvergessenes Vereinsmitglied.
Im Schuppen des Deutschen Feld- und Kleinbahnmuseums (DFKM) in Deinste riecht es nach Schmieröl, Metallstaub und altem Holz. Dort steht er – noch etwas unscheinbar, aber mit großer Geschichte: der Triebwagen „Norbert“. Rund 85 Jahre alt, gebaut vermutlich um 1940, diente er in einem Torfwerk bei Gifhorn, bevor er seinen Ruhestand in Deinste antrat.
Doch statt in Vergessenheit zu geraten, wird das seltene Fahrzeug jetzt zu neuem Leben erweckt. „Es handelt sich nicht um eine klassische Lokomotive“, erklärt Vereinsvorstand Jan Reher. „Unser Triebwagen war nicht zum Ziehen von Loren gedacht, sondern beförderte Personen.“ Acht Menschen fanden darauf Platz – inklusive Lokführer.
Eine weitere Besonderheit: Der Wagen hat zwei Führerstände, einer an jedem Ende. Statt aufwendig umzusetzen, wechselte der Fahrer einfach den Platz, wenn die Richtung geändert wurde. Auch die Fußpedalbedienung – anstelle klassischer Handhebel – ist ein technisches Kuriosum, das in dieser Form heute kaum noch zu finden ist.
Ein Projekt mit Herzblut – und einem Namen
Der Triebwagen trägt einen Namen, der für den Verein weit mehr bedeutet als eine nostalgische Geste: „Norbert“. Getauft wurde er auf Norbert Welzig, ein Vereinsmitglied, das im Februar 2025 verstarb. Welzig war gelernter Blechschlosser, leidenschaftlicher Bastler und seit Jahrzehnten einer der Motoren des Vereins. „Für ihn war das Museum ein zweites Zuhause“, erinnert sich Jan Reher. „Er hat unzählige Stunden hier verbracht, geschweißt, repariert, improvisiert – und uns allen etwas beigebracht.“
Die Restaurierung begann vor zwei Jahren. Das größte Problem: Niemand wusste mehr genau, wie das Fahrzeug ursprünglich aussah. Der Verein startete Aufrufe auf Facebook, suchte in alten Archiven und befragte Museumsgründer Carsten Recht. Schließlich tauchten einige vergilbte Fotos und ein Super-8-Film auf – unscharf, aber wertvoll genug, um eine Grundlage für die Rekonstruktion zu schaffen. „Mit diesen Bildern konnten wir uns langsam herantasten“, erzählt der zweite Vereinsvorsitzende Ralph-Ludwig Gehrken.
Viele Teile des historischen Fahrzeugs mussten komplett überarbeitet werden. Die Eichenholzräder, Federn und Achsen wurden restauriert, die Metallschürzen vorn und hinten neu angefertigt. Für den alten Dieselmotor fand der Verein einen baugleichen Ersatzmotor – ursprünglich aus einem Förderband.
Auch die Jugendgruppe des DFKM bringt sich kreativ ein: Sie konstruierte und montierte unter anderem kleine Stahlbürsten, die die Räder künftig automatisch von Laub befreien. Auch die neuen Sitzbänke entstehen in Eigenarbeit. „Wann wir fertig sind, wissen wir nicht“, sagt Ralph-Ludwig Gehrken und lacht. „Wir machen das in unserer Freizeit. Es soll Spaß machen – keinen Stress.“
Verein mit Geschichte und Zukunft
Das DFKM ist das älteste Feldbahnmuseum Deutschlands und feiert in zwei Jahren sein 60-jähriges Bestehen. Rund 140 Mitglieder engagieren sich für den Erhalt der historischen Schienenfahrzeuge.Besonders stolz ist man auf den Nachwuchs: Die Jugendgruppe trifft sich jeden ersten Samstag im Monat, von 13 bis 16 Uhr. „Wir wollen jungen Menschen zeigen, dass Technikgeschichte lebendig sein kann“, sagt Ralph-Ludwig Gehrke. Interessierte können sich unter 0160-93544848 per WhatsApp anmelden.
Finanziert wird die Arbeit über Spenden und Eintrittsgelder – etwa durch die beliebten Fahrten zu Ostern und an Nikolaus, wenn die kleinen Züge durch die Landschaft ruckeln und Kinder begeistert winken.
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