So macht Schule Spaß
IGS zieht positive Halbjahresbilanz zum „Hanstedter Modell"
- Gesamtschuldirektor Dr. Andreas Bertow mit den kleinen Lernpartnern Elli (v. li.), Evelin, Tjorben, Maik und Lio im Marktplatz
- Foto: hg
- hochgeladen von Heidi Goch-Lange
Mit dem Übergang vom ersten zum zweiten Schulhalbjahr erhalten Hunderttausende Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen nun wieder ihre Zeugnisse. Bleiben die Leistungen hinter den Erwartungen zurück, sorgt das häufig für Unsicherheit und Frust. Das starre System befördert den Druck und der Umgang mit Noten beschäftigt dabei nicht nur die Schülerschaft, sondern auch Eltern und Lehrkräfte. Umso begeisterter sind die Stimmen zum innovativen "Hanstedter Modell", das seit vergangenem Sommer an der IGS Hanstedt in mutigen Schritten erprobt wird.
Die Vision einer modernen Lernkultur - weg von starren Klassenstrukturen, hin zu individueller Selbstwirksamkeit - hat sich inzwischen im Hanstedter Schulalltag fest etabliert. Das Herzstück des ganzheitlichen Modells ist ein grundlegender Haltungswandel, der die Bedürfnisse der Kinder in den Mittelpunkt stellt. Mit Erfolg, wie Gesamtschuldirektor Dr. Andreas Bertow erklärt: "Auch wenn die Umstellung ein fortwährender Prozess bleibt, können wir schon jetzt feststellen, dass das Konzept aufgeht und wir positive Effekte sehen, mit denen wir noch gar nicht gerechnet haben."
Dabei sei das Lernen an dieser IGS deutlich anstrengender als an manch anderer Schule, weil niemand übersehen werden und einfach seine Zeit absitzen könne. In sogenannten "Gelingensnachweisen" müssen die Kinder zeigen, dass sie sich mindestens 80 Prozent eines Stoffes erfolgreich erarbeitet haben. Allerdings entscheiden sie selbstständig als "Lernpartner" in Abstimmung mit den Lehrern, die als "Lernbegleiter" nicht nur fachlich unterstützen, wann sie diesen Beweis erbringen.
"Es ist cool, mir gefällt das! Es gibt mir ein sichereres Gefühl, weil ich mehr Zeit habe, Dinge zu wiederholen", bekräftigt Lernpartner Tjorben seine Freude an dem individuell gestalteten Lernplan, der überdies die Eigenverantwortung trainiert. Und nicht nur das: Mit Hilfe eines Graduierungssystems – vom "Neustarter“ bis zum "Lernprofi“ – wird der Lernfortschritt transparent abgebildet und sogar die intrinsische Motivation gefördert und mit mehr Freiheiten belohnt, indem Regeln eingehalten und soziale Kompetenzen bewiesen werden.
Auch baulich setzt die Schule im wahrsten Sinne auf innovative Lernbereiche - zum einen auf dem "Marktplatz" mit kommunikativen Sitzecken für das gemeinschaftliche Lernen, zum anderen mit einem persönlichen "Lernbüro", das jedes Kind nach eigenen Vorlieben ausschmücken kann, in dem aber nur geflüstert werden darf. Zudem werden die individuellen Interessen in Kleingruppen als Clubangebot am Nachmittag berücksichtigt und sind so bunt wie das Mobiliar der Räume, die man nur auf Socken oder in Hausschuhen betreten darf: Vom Zauberwürfel über das Thema Freundschaften ist vieles dabei, was Spaß macht.
Diese Begeisterung komme auch bei anderen Lehrkräften so gut an, dass sie sich eine Versetzung nach Hanstedt wünschen und dort vom Lehrermangel keine Rede sein könne – zumal es nur eine andere vergleichbare Schule gibt: die vielfach ausgezeichnete Alemannenschule Wutöschingen in Baden-Württemberg. Diese gilt bundesweit als Vorreiterin einer zeitgemäßen und schülerzentrierten Lernkultur, der sich die IGS Hanstedt erfolgreich angeschlossen hat.
Redakteur:Heidi Goch-Lange aus Buchholz |
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