Kindertagesstätten-Bau und -Erweiterungen
Baukosten explodieren, weil die Branche am Boden liegt

Bei der Einweihung der Kita Achtern Schünen im vergangenen Juni hatte Architekt Martin Menzel noch Grund zur Freude: Der veranschlagte Finanzrahmen für die reinen Baukosten war damals sogar unterschritten worden
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  • Bei der Einweihung der Kita Achtern Schünen im vergangenen Juni hatte Architekt Martin Menzel noch Grund zur Freude: Der veranschlagte Finanzrahmen für die reinen Baukosten war damals sogar unterschritten worden
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bim. Hollenstedt. Die Kosten für den Neubau einer Kindertagesstätte in Halvesbostel sowie für die Erweiterungen der Kitas in Appel, Dierstorf und Moisburg sind explodiert. Die Bauten werden - Stand jetzt - 806.400 Euro teurer als ursprünglich angenommen. In der Videokonferenz des Umwelt-, Bau- und Ordnungsausschusses der Samtgemeinde Hollenstedt erklärte Architekt Martin Menzel, warum das so ist - und berichtete Erschreckendes.
Projekte 16 bis 37
Prozent teurer

Regulär gebe er als Architekt zunächst eine Kostenschätzung ab und erstelle anschließend eine konkretere Berechnung, die sich an Leistungsverzeichnissen und Angeboten der Firmen orientiere. "Bei der Schätzung sind wir nicht in der Lage, die endgültigen Abrechnungssummen zu nennen", erläuterte Menzel.
"Die Kostensteigerungen der Projekte liegen zwischen 16 und 37 Prozent, der Mittelwert für alle vier Projekte liegt bei ca. 25 Prozent", erklärte Menzel. Die aktuellen Kostensteigerungen resultierten aus einer überproportionalen Auslastung im Bauwesen, der daraus folgenden Materialknappheit, sehr deutlichen Preiserhöhungen der Hersteller und am Ende auch Einflüssen aus dem allgemeinen Weltmarkt. Die Prognosen der unterschiedlichen Bau-Verbände und Bau-Berufsorganisationen lägen zukünftig sogar bei rund 50-prozentiger Kostensteigerung. "Es ist also zu erwarten, dass die Baupreise weiterhin ansteigen." Architekten trauten sich kaum noch, Kosten zu schätzen.
Deutscher Baumarkt
liegt danieder

Martin Menzel betonte: "Wir haben schon kostengünstig und wirtschaftlich gedacht." Und: "Der deutsche Baumarkt liegt danieder. Es gibt keine besseren Preise. Alternativen sehe ich nicht. Wir reden hier über das Einbrechen des Weltmarktes."
Ruth Alpers (Grüne) war entsetzt: "Die Beschlüsse, die wir fassen, sind nur Makulatur." Verschiedene Ratsmitglieder fragten nach Alternativen oder der Möglichkeit, Bauprojekte zu schieben.
Kerstin Markus von der Verwaltung wies aber darauf hin, dass die Samtgemeinde Gefahr laufe, Förderungen bei nicht fristgerechten Anträgen zu verlieren. Außerdem erhöhten Neubaugebiete, zum Beispiel in Moisburg und Appel, den Bedarf an Kita- und Krippenplätzen
Brief an den
Wirtschaftsminister

Samtgemeinde-Bürgermeister Heiner Albers: "Wir sind nicht die einzige Kommune, die von den Kostensteigerungen betroffen ist." Die Kommunen hätten bereits Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann (CDU) angeschrieben und gebeten, bei Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) auf eine Fristverlängerung bei den Zuschussanträgen hinzuwirken.
Die Verwaltung erhielt letztlich den Auftrag, bis zur Finanzausschusssitzung eine Priorisierung der Bauvorhaben vorzunehmen - und war bereits fleißig. Denn in der Online-Samtgemeinderatssitzung am Dienstag, 27. April, um 19.30 Uhr soll ein Beschluss her.
Krippenplätze in
Appel im Container

Demnach könne der Bedarf an Krippenplätzen in Appel derzeit und auch für die nächsten Haushaltsjahre durch die Containerlösung abgedeckt werden. Die Container schlagen allerdings auch mit jährlichen Kosten von 35.000 Euro zu Buche. Außerdem gibt die Verwaltung zu Bedenken, dass für den Bau der Krippengruppe in Appel Fördermittel in Höhe von 180.000 Euro beantragt wurden, die jedoch eine Fertigsstellung zum 30. Juni 2022 voraussetzt.
Erweiterung der
Kita Moisburg

Für die Erweiterung der Kita in Moisburg gebe es keine Alternative in Form einer Containeranlage. Sollte der Anbau verschoben werden, könnten 25 Kinder nicht untergebracht werden. Zudem befindet sich der Schlafraum der Krippe in einem alten Container, für den 11.000 Euro Mietkosten pro Jahr anfallen.
Kindergartenbau
in Halvesbostel

Der Kindergartenbau in Halvesbostel, der eigentlich im Januar 2022 eröffnet werden sollte, könnte verschoben werden. Voraussetzung ist, dass die Gemeinde Halvesbostel bis zur Fertigstellung eines Kindergartens an der Trägerschaft des jetzigen Kinderspielkreises festhält. Es sei nicht möglich, die Trägerschaft des Spielkreises an die Samtgemeinde zu übertragen, ohne die Betriebserlaubnis anzupassen. Und die Betriebserlaubnis werde vermutlich aufgrund der derzeitigen Räumlichkeiten nicht erteilt.
Der Therapieraum für die Kita in Dierstorf, der derzeit in einem Container untergebracht ist, könnte um ein Jahr verschoben werden.

Die Kostensteigerungen

  • Die Baukosten für die Kita Appel für die Erweiterung um eine Elementar- und eine Krippengruppe würden nach derzeitigem Stand von 1,114 auf 1,431 Millionen Euro steigen,
  • bei der Kita Dierstorf (Bau eines Therapieraums) von 198.000 auf 228.800 Euro,
  • bei der Kita Moisburg (Erweiterung um eine Elementargruppe und Festbau für die Krippe) von 861.000 auf 1,05 Millionen Euro,
  • beim Bau eines Ein-Gruppen-Kindergartens in Halvesbostel von 640.400 auf 909.600 Euro.
  • Insgesamt verteuern sich die vier Bauvorhaben somit um 806.400 Euro.

Würden Projekte geschoben, kämen für Containermieten, entgangene Fördermittel und angenommene Baukostensteigerungen von 30 Prozent 622.000 Euro Mehrkosten auf die Samtgemeinde zu. Zudem würden 34 Betreuungsplättze für Kinder über drei Jahren fehlen, wenn die Anbauten in Appel, Halvesbostel und Moisburg nicht bis August 2022 fertiggestellt sind.

Auf ein Wort: "Manfred, ich kann dich nicht hören!"

"Manfred, ich hör dich nicht. Manfred, wir können dich nicht hören!" ... Nichts gegen die beiden Manfreds in der Hollenstedter Samtgemeindepolitik, welchen der beiden auch immer der Ausschussvorsitzende gerade meinte. Aber nicht nur die Manfreds waren in der Sitzung des jüngsten Umwelt-, Bau- und Ordnungsausschusses dank der miserablen Internetversorgung am Übertragungssort nicht zu hören. Auch andere Kommunalpolitiker waren entweder schlecht oder gar nicht zu verstehen. Es gab Rückkopplungen und doppelte Stimmen. Kurz gesagt: Es war unerträglich.
Dabei ging es gerade um die exponentiell gestiegenen Kosten für die geplanten Kindertagesstätten-Bauten und -Erweiterungen. Und viele Zahlen, die der Architekt nannte.
Von der Seite war beim Blick auf die Leinwand, auf der die online zugeschalteten Ratsmitglieder zu sehen waren, auch nicht zu erkennen, wer von den Ratsherren und -damen gerade das Wort ergriff - zumindest konnte man anhand der Stimme noch das Geschlecht zuordnen.
Als nach eineinhalb Stunden angestrengten und fast erfolglosen Zuhörens dann das Bild- und Ton-Signal erstmals komplett abbrach, war für mich der Zeitpunkt gekommen, den Saal zu verlassen.
Eineinhalb Stunden meiner Lebenszeit verschenkt, weil die seit Jahren beschworene Digitalisierung aufgrund deutscher Bürokratie an vielen Amtsstuben hängt. Und vor allem in vielen ländlichen Gebieten das Internet noch immer nicht flächendeckend stabil oder überhaupt funktioniert.
Durch dieses Manko wird in der Corona-Pandemie der Demokratiegedanke - hier die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an öffentlichen politischen Sitzungen und den sie betreffenden Entscheidungsprozessen in ihrem Heimatort - ad absurdum geführt. Bianca Marquardt

Bei der Einweihung der Kita Achtern Schünen im vergangenen Juni hatte Architekt Martin Menzel noch Grund zur Freude: Der veranschlagte Finanzrahmen für die reinen Baukosten war damals sogar unterschritten worden
Verwaltungsmitarbeiterin Kerstin Markus
Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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