Dünger aus Biomüll war schuld
Plastik im Acker sorgt in Dollern für Ärger

Für Thorsten Ulrich eine Umweltsünde: kleine Plastikfetzen im Boden
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jab. Dollern. Die Meere sind voll von Plastik, auf Wiesen und Wäldern lassen sich beim Spaziergang etliche Hinterlassenschaften von Ausflüglern finden. Dass dann allerdings auch Unmengen an Plastikteilchen in den Äckern im Landkreis Stade vorhanden sind, macht sprachlos. Aber nicht Thorsten Ulrich aus Dollern. Er schlägt lautstark Alarm: "Das ist eine Riesensauerei!"

Ärger über Plastik im Acker

Bei seinen täglichen Gassirunden stößt der Dollerner häufig auf Müll, ganz besonders seit der Corona-Pandemie, da viele Menschen das Spazierengehen für sich entdeckt haben. Doch was er vor rund einem Jahr an einem Feld im Issendorfer Weg gefunden hat, treibt ihm noch heute die Zornesröte ins Gesicht. Denn gehäckselte Plastikteile, die aussehen wie alte Mülltüten, ragen noch immer an mehreren großflächigen Abschnitten aus der Erde. "Der Boden ist durchsetzt mit Plastikteilen", ist Thorsten Ulrich entsetzt. Und wo an der Oberfläche schon so viel Plastik zu finden ist, vermutet er, da wird drinnen noch viel mehr sein.

Die Erde ist mit zahlreichen Plastikteilen durchsetzt
  • Die Erde ist mit zahlreichen Plastikteilen durchsetzt
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Auf den Feldern wird Spargel angebaut. Dieser wird ebenfalls mit Folien abgedeckt. Aber: "Die Teile sind wesentlich älter und stammen, wenn ich von der Farbe ausgehe, definitiv nicht von den Folien des Landwirts", sagt Ulrich. Seine Nachforschungen bei Anwohnern hätten ergeben, dass dort mit Plastik kontaminierte Erde verklappt worden sein soll. Und die Anwohner haben nahezu recht.

Spargelhof trifft keine Schuld

Der Geschäftsführer vom Unternehmen Spargelhof Werner, Christoph Werner, bestätigt die Annahme. "Das Plastik ist schon lange, bevor wir die Fläche gepachtet haben, auf den Acker gekommen." Der Verpächter wollte vor ca. 15 Jahren seinem Boden etwas Gutes tun. Daher besorgte er sich sogenanntes Gärsubstrat aus einer Biogasanlage. Dort wurde Biomüll zu Energie umgewandelt. Der Müll sei allerdings oft mit Plastiktüten gemischt gewesen, die zwar mit der Hand herausgesucht, aber nicht alle erwischt wurden. In dem schwarzen Düngerhumus seien die Plastikteile nicht erkennbar gewesen und gelangten so auf das Feld.

Auf nur wenigen Zentimetern lassen sich Unmengen Plastik finden
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"Erst später kam das große Erwachen", sagt Werner. Da war es schon zu spät und das Plastik eingearbeitet. Eine zufriedenstellende Lösung gebe es nicht. Ein Austausch der gesamten Erde sei nicht möglich. Daher bleibe dem Unternehmen nichts anderes übrig, als die Teile immer wieder mühselig abzusammeln. Da die Teile vor allem oberflächlich in der Erde seien, würden sie teilweise leider auch vom Wind weggetragen. "Das erschwert das Aufsammeln, aber wir sammeln weiter und irgendwann ist der Müll dann endlich weg", sagt Werner.

Spargel schon im Winter?

Landkreis bereit zu erneuter Begehung

Er habe beim Umweltamt des Landkreises Stade seine Entdeckungen gemeldet, sagt Ulrich. Reagiert wurde allerdings nicht. Als er nachfragte, habe er lediglich die Antwort erhalten, dass kein Dienstwagen zur Verfügung stehe, um sich vor Ort ein Bild davon zu machen. "Das war vor rund einem Jahr", sagt er. Passiert sei seither immer noch nichts, meint er. "Daraus wird doch feinstes Mikroplastik", ärgert sich der Dollerner.

Im Boden befinden sich Plastikteile von zerkleinerten Tüten und Folien, zeigt der Dollerner Thorsten Ulrich
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Landkreis-Sprecher Christian Schmidt kann zur Situation in Dollern derzeit nicht viel sagen. Aber: Es sei eine Mitarbeiterin an dem Spargelfeld gewesen, habe aber kein Plastik feststellen können. "Wir sind aber gern bereit, noch einmal zu der Stelle zu fahren, wenn Herr Ulrich uns eine genaue Beschreibung der Fundorte gibt", erklärt Schmidt.

Plastik im Naturdünger: "Da ist etwas gründlich schief gelaufen"
Autor:

Jaana Bollmann aus Stade

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