Sprossen lassen in Dollern noch auf sich warten
Spargel schon im Winter?

Auf dem Spargelfeld werde künftig mit Bannern über die Arbeit informiert, erklärt Hans-Jürgen Werner
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jab. Dollern. Einige werden sich bei dem Anblick der Folien auf den Spargelfeldern dieser Tage insgeheim schon gefreut haben, dass sie bald das wohlschmeckende Gemüse essen können. Andere wiederum werden sich wohl ein leises "das wird ja immer früher" nicht verkneifen können. Doch weit gefehlt. Denn für die ersten Angebote müssen sich Spargelfreunde auch weiterhin bis April gedulden, klärt Hans-Jürgen Werner, Geschäftsführer vom Spargelhof Werner, auf.

"Wir schicken unseren Spargel in den Winterschlaf" heißt es auf einem Banner zur Aufklärung am Rande des Spargelfeldes und auf dem dazugehörigen Bild deckt der Bauer die müden Pflanzen mit einer Decke zu. Doch so ganz stimmt das nicht. Zwar werden die Folien und auch die Vorrichtungen für die Folientunnel, die wie ein Gewächshaus wirken, bereits im Herbst auf die Felder gebracht, doch nötig haben das die mehrjährigen Pflanzen eigentlich nicht. "Normalerweise müssten die Pflanzen erst im Frühjahr abgedeckt werden. Aber die Felder sind dann einfach zu nass, um mit den schweren Maschinen darauf arbeiten zu können", so Werner. Außerdem erhielten auch nur die Frühsorten, die zu Beginn der Spargelsaison geerntet werden, schon jetzt eine Folie. Die Spät-sorten bekämen sie erst später im Frühjahr, da sie erst am Ende der Saison gestochen werden.

Nötig sei die Folie, die auf einer Seite schwarz und auf der anderen Seite weiß ist, aber bei beiden Sorten. Allerdings nicht, um die Pflanzen vor Frost zu schützen, denn ein sogenannter Frostreiz wäre dem Wachstum sogar förderlich. "Die Einzelhändler verlangen so früh wie möglich regionalen Spargel, daher unterstützen wir die frühen Pflanzen, indem wir durch die schwarze Folie Sonnenenergie in die Erde leiten", erklärt der Experte. Denn Spargel wächst erst ab einer Bodentemperatur von zehn Grad und in Norddeutschland ist es zur Spargelzeit oft noch nass und kalt. Da hätten es die Mitbewerber aus dem Süden schon leichter, sagt Werner. Ohne Folie gäbe es regionalen Spargel erst im Mai, wenn der Markt bereits gedeckt ist, meint Werner. Und dann auch noch zu höheren Preisen, da die Ernte nur halb so groß wäre.

Übrigens: Die weiße Seite der Folie kommt erst an heißen Tagen zum Einsatz, da sie das Sonnenlicht reflektiert. Dadurch sinkt die Temperatur im Boden um bis zu fünf Grad, wodurch wiederum der Ernteumfang und auch die Qualität (ungeschützter Spargel bekommt schnell violette Spitzen) gesteuert werden kann.
Auch auf die Frage, wie es denn um die Nachhaltigkeit stehe, wenn Folien in Zeiten des vermehrten Umweltschutzes verwendet würden, hat Werner eine Antwort: "Jede Folie wird für rund zehn Jahre verwendet, genauso lange wie eine Spargelpflanze auf dem Feld überlebt. Danach gehen sie zurück an den Händler, der sie dann recycelt." Aus ihnen werden dann beispielsweise Bewässerungsschläuche für die Landwirtschaft. Die Folien selbst seien aber immer aus neuem Plastik hergestellt, da sie lebensmittelecht sein müssen, erklärt der Spargelbauer. Ein weiterer Vorteil ihres Einsatzes sei, dass unter den Folien Schädlinge keine Chance hätten. Somit müssten keine Herbizide verwendet werden.

"Gerade an der Bundesstraße fahren viele von außerhalb vorbei, die teilweise keine Ahnung von der Thematik haben", sagt Werner. Um also emotionalen Diskussionen, beispielsweise über den Nutzen der Folien, entgegenzuwirken, werden daher nun über die gesamte Spargelsaison verschiedene Banner mit Bildern aus einem hauseigenen Bilderbuch über die Arbeit auf den Feldern aufklären. "Und hoffentlich auch für ein kleines Lächeln sorgen", meint der Spargelprofi.

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