Jesteburg: Wenig Interesse bei Arbeitgebern
So kommen Geflüchtete in Arbeit
- Tanya Doroshenko (re.) leistet gemeinnützige Arbeit im Kindergarten. Melanie Backhaus berät sie zum Beispiel, wie sie ihr Deutsch verbessern oder eine Ausbildung machen kann
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"Das ist sehr schade, dass zur Veranstaltung nur ein Unternehmer kam", berichtet Melanie Backhaus, Flüchtlingsbeauftragte der Gemeinde Jesteburg. "Wir hatten zusammen mit dem Landkreis viele Informationen vorbereitet, wie man Geflüchtete beschäftigen kann." Denn viele Arbeitgeber suchten zwar - auch ungelernte - Mitarbeiter, fänden aber niemanden, der wirklich zum Unternehmen passe.
Flüchtlingsbeauftragte hilft bei Vermittlung
Das größte Hindernis ist nach Backhaus' Einschätzung die passgenaue Vermittlung der Geflüchteten. Hier springt die Flüchtlingsbeauftragte ein: Sie kennt viele Geflüchtete, weiß, was sie können, wie sie leben und wie mobil sie sind, hat guten Kontakt zu den Sozialarbeitern in den Einrichtungen und auch zu den Ehrenamtlichen, die die Menschen aus anderen Ländern unterstützen. Denn wer die Unterkunft verlasse, um zum Beispiel in eine private Wohnung zu ziehen, den könne man sonst schwer erreichen. "Die können dann - auch über Gemeindegrenzen hinweg - gut jemanden finden, der für den freien Arbeitsplatz auch passen könnte." So sei es zum Beispiel gelungen, einen Koch ins Gasthaus "Der Harmstorfer" zu vermitteln.
Wer darf arbeiten?
Dürfen Geflüchtete überhaupt arbeiten? "Eine schwierige Frage", sagt Backhaus. "Grundsätzlich ja, aber eben nicht sofort. Das ist wirklich sehr individuell." Sonderregelungen gelten auf jeden Fall für Ukrainer, die meist sofort eine Arbeit aufnehmen dürfen. Geflüchtete aus allen anderen Ländern müssen dagegen mindestens drei Monate abwarten. In dieser Zeit müssen sie zumeist auch in der Gemeinschaftsunterkunft leben.
Oft scheitert eine Vermittlung dann noch an fehlender Mobilität oder mangelhafter Qualifikation. "In Afrika ist eben bei einer Tischlerausbildung anderes wichtig als hier", erklärt sie. "Wenn man keine Fenster in den Häusern hat, muss man auch nicht wissen, wie man welche baut." Dann muss erstmal qualifiziert werden. Oder ganz neu ausgebildet. Auch hier kann die Flüchtlingsbeauftragte helfen, steht in Kontakt mit der Arbeitsagentur und kennt sehr viele Mitarbeiter in den zuständigen Behörden.
Gemeinnützige Arbeit bei Vereinen
Und für Vereine ist die Beschäftigung von Geflüchteten besonders einfach: Sie können sie zum Beispiel für gemeinnützige Arbeit für die Gesellschaft einsetzen, der - sehr geringe - Lohn von 80 Cent bis 2,10 Euro je nach Herkunftsland ist als kleiner Zusatzverdienst gedacht und wird von der Arbeitsagentur. Wichtig: Der oder die Geflüchtete darf dabei keinen regulären Arbeitsplatz besetzen, sondern muss zusätzlich beschäftigt werden, zum Beispiel damit die Geflüchteten nicht als billige vom Amt bezahlte Arbeitskräfte ausgenutzt werden und der Mindestlohn unterlaufen werden kann.
Solche gemeinnützige Arbeit leistet zum Beispiel Tanya Doroshenko, die seit etwa einem halben Jahr als Zusatzkraft im Jesteburger Kindergarten Seeveufer arbeitet. Sie stammt aus Saporischschja in der Ukraine, war früher als Bankangestellte tätig. "Die Arbeit hilft mir auch, mein Deutsch zu verbessern", sagt Tanya Doroshenko. Dafür nutzt sie mithilfe ihrer beiden neun und 14 Jahre alten Söhne, die in Jesteburg zur Schule gehen, oft deutsche Kinderbücher. "Das ist einfache Sprache, und ich mag die Geschichten auch."
Sprachkenntnisse sehr wichtig
Seit sie im Mai 2022 auf der Flucht vor Putins Angriffskrieg nach Jesteburg kam, lernt sie zusätzlich zur Arbeit am Vormittag am Nachmittag vier Stunden Deutsch in Buchholz, möchte erst Sprachniveau B2 erreichen und dann eine Ausbildung machen - vielleicht im Bereich Kinderbetreuung, oder in der Alten- oder Krankenpflege. "Das macht auch Sinn", sagt Backhaus. Denn sonst ist der Berufsschulanteil der Ausbildung kaum zu schaffen. "Das sind alles Berufsfelder, bei denen wir hier Unterstützung auch gut gebrauchen können", sagt Backhaus.
Ein weiterer Schutzsuchender, Amadon Seidykhau aus Gambia, unterstützt die Gemeinde beim Bauhof. Backhaus: "Er hat mir erzählt, er sei froh, durch die gemeinnützige Arbeit den Deutschen etwas zurückgeben zu können, weil sie ihn in der Not aufgenommen hätten." Melanie Backhaus ist bei der Samtgemeindeverwaltung unter Tel. 04183-974737 und per E-Mail unter m.backhaus@lkharburg.de zu erreichen.
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