Ganztagsschule Jork
Onlineumfrage sorgt für Aufregung
- Bei einer teilgebundenden Ganztagsbetreuung kann der Schulunterricht flexibel gestaltet werden
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Aufruhr unter Eltern in Jork: Bei einer Informationsveranstaltung in der Festhalle stießen die Pläne der Gemeinde zur Einführung einer teilgebundenen Ganztagsschule auf kontroverse Diskussionen. Einige Mütter und Väter äußerten Bedenken, dass eine verpflichtende Nachmittagsbetreuung zu sehr in den Familienalltag eingreife. Die Gemeinde hingegen betont, dass feste Nachmittagszeiten notwendig seien, um ein modernes Bildungskonzept umzusetzen und die anstehenden Investitionen in Schulbauten sinnvoll abzusichern.
Was die Gemeinde plant
Ab dem Schuljahr 2026/2027 gilt bundesweit ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder. In Jork haben sich die beiden Grundschulen – Jork und Estebrügge – gemeinsam mit der Verwaltung für das Modell der teilgebundenen Ganztagsschule entschieden. Dieses Modell sieht vor, dass Kinder an bestimmten Tagen verpflichtend am Ganztag teilnehmen, an anderen Tagen jedoch freiwillige Angebote nutzen können.
Nach Angaben von Doris Piper, Teamleiterin für Bildung, Soziales und Sport, bietet dieses Konzept viele Vorteile: "Unter anderem können die Lehrkräfte statt des starren Frontalunterrichts flexibler unterrichten und zwischendurch Spieleinheiten einlegen und z.B. Mathematik am Nachmittag stattfinden lassen. Das geht aber nur, wenn die Kinder anwesend sind."
Damit dies gelingt, sei eine regelmäßige Teilnahme von mindestens zwei bis drei Nachmittagen bis 15.30 Uhr erforderlich. Nur so könnten Gruppen stabil organisiert, Förderangebote planbar und Unterricht zeitgemäß gestaltet werden.
Warum verpflichtend? – Die Sicht der Gemeinde
Die Gemeinde betont, dass die Verbindlichkeit keine Gängelung sei, sondern Voraussetzung für ein funktionierendes pädagogisches Konzept. „Wenn Kinder an manchen Tagen erscheinen und an anderen nicht, lassen sich weder feste Lerngruppen noch moderne Lernformen wie Projektarbeit zuverlässig umsetzen“, so Piper. Auch die Finanzierung von Bau- und Umbauprojekten hänge an diesem Modell, da Fördermittel nur bei verlässlichen Strukturen gewährt würden.
Kritik aus der Elternschaft
Einige Eltern zeigten sich dennoch überrascht von der Entscheidung. Kritikpunkte waren unter anderem:
die verpflichtende Anwesenheit bereits für sechsjährige Kinder bis in den späten Nachmittag
fehlende Flexibilität für Familien, die keine regelmäßige Ganztagsbetreuung benötigen
die Sorge, dass jüngere Kinder nachmittags überfordert sein könnten
Einschränkungen bei Familienzeit und Freizeitgestaltung
Unmut gab es zudem über die geplante Elternbefragung ab dem 1. Oktober. Eltern bemängelten, dass die Umfrage keine Option „keine Betreuung“ vorsieht. Stattdessen können nur zwei, drei oder mehr Tage gewählt werden. Viele befürchten, dass so ein falsches Bild des tatsächlichen Bedarfs entsteht.
Reaktion der Gemeinde
Die Verwaltung zeigte sich überrascht von der Kritik. Man nehme die Rückmeldungen jedoch ernst und prüfe, ob der Fragebogen angepasst werden könne. Piper betonte zugleich, dass die Veranstaltung mit rund 60 Eltern lediglich ein erstes Meinungsbild geliefert habe. Die eigentliche Befragung werde etwa 800 Eltern in Jork einbeziehen – und damit eine wesentlich breitere Grundlage für Entscheidungen schaffen.
Der Blick in die Zukunft
Bislang läuft die Nachmittagsbetreuung in Jork überwiegend über den Hort Tintenklecks, der durch flexible Zeiten viele Familien entlastet. Mit dem geplanten Neubau einer Grundschule sowie dem Umbau der Grundschule Estebrügge sollen ab dem Schuljahr 2027/2028 jedoch alle Klassen auf das neue Modell der teilgebundenen Ganztagsschule umgestellt werden.
Redakteur:Nicola Dultz aus Buxtehude |
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