Mitten im Leben in Estebrügge
Wenn ich nur einem Menschen Mut machen kann, wäre das toll
- Möchte mit ihrer Geschichte Mut machen: Anja Fahrenwalde-Bode (51)
- Foto: sts
- hochgeladen von Stefanie Schimanski
Ihre Beschwerden wurden als Wechseljahre abgetan, Anja Fahrenwalde-Bode hatte jedoch einen Aortenaneurysma. Das ist eine sackförmige Erweiterung in den Gefäßwänden der Hauptschlagader. "Am meisten bewegt mich, dass ich es überstanden habe", so die 51-Jährige.
WOCHENBLATT: Würden Sie sagen, dass es im Rückblick Anzeichen gab, die Sie nicht bewusst wahrgenommen haben?
Anja Fahrenwalde-Bode: Ja, definitiv. Im Nachhinein hat es schon ein bis zwei Jahre vorher angefangen. Ich habe deutlich gemerkt, dass ich nicht mehr leistungsfähig war. Die Puste ging mir schneller aus. Ich dachte, ich müsste einfach mehr Sport machen. Es war ein sehr schleichender Prozess. Ein halbes Jahr vorher fühlte ich mich, als ob mir jemand den Stecker gezogen hätte. Schnell wurde gesagt: "Du musst Dich ausruhen."
Ich hatte Schlafstörungen, die leicht anfingen und die dann regelmäßig auftraten. Mit Bauchschmerzen. Ich dachte, ich hätte etwas Falsches gegessen. Dann bekam ich massiven Haarausfall und zudem Panikattacken, wenn ich mich in der Öffentlichkeit bewegte. Ich habe mich sehr beengt gefühlt. Das war sehr untypisch für mich, da mich Menschenmengen nie gestört hatten. Da ich bereits eine andere Grunderkrankung habe, war das Wasser in den Beinen auch kein besonderes Alarmsignal für mich. Es wurde jedoch so schlimm, dass ich morgens schon geschwollene Knöchel hatte. Da wusste ich, dass das nicht gut ist.
WOCHENBLATT: Wie haben die Ärzte reagiert?
Anja Fahrenwalde-Bohde: Die Ärzte nahmen an, ich sei in den Wechseljahren. Das habe ich dann so angenommen, dachte dass ich vielleicht eine falsche Wahrnehmung habe. Nach zwei Monaten habe ich jedoch nur noch im Sitzen geschlafen, denn ich litt unter Luftnot. Ich hatte zehn Liter Wasser im Körper. Meine Ärztin schrieb mich krank und bestimmte einen Wert zur Herzschwäche— dieser war absolut außerhalb der Norm. Dann bekam ich relativ schnell einen Termin beim Kardiologen, der mich mit der Diagnose "Aortenaneurysma" sofort ins Krankenhaus schickte, wo ich operiert wurde. Ich stand total unter Schock.
WOCHENBLATT: Was hat Ihnen in dieser Zeit geholfen?
Anja Fahrenwalde-Bode: Meine Familie und meine Freunde haben mir sehr geholfen. Sie waren einfach da, ich kann ihnen auch nachts um drei schreiben. Anfangs weiß man nicht, was einen erwartet und das ist vielleicht auch gut so. Nach drei Wochen Krankenhaus kam ich nach Hause. Ich konnte nichts alleine machen. Mein Herz war leider immer noch schwach, so dass ich einen Defibrillator unter die Haut bekam. Die vierwöchige Reha tat gut, denn die Herzleistung verdoppelte sich. Bis zum Sommer hatte ich eine normale Herzfunktion.
WOCHENBLATT: Wie ging es weiter?
Anja Fahrenwalde-Bode: Auf dem Weg zur Nachuntersuchung im August fühlte ich mich glücklich und befreit. Es wurde ein CT gemacht und ich war guter Dinge. Leider teilte mir der Professor mit: "Da ist etwas undicht an der Prothese, da läuft Blut aus. Wir müssen nochmal operieren." Da habe ich das Vertrauen in den Körper verloren, da ich mich so gut gefühlt hatte.
Nochmal 14 Tage ins Krankenhaus, nochmal einen Eingriff. Ich erholte mich so gut, dass ich ein ein Vierteljahr nach der OP wieder arbeiten gegangen bin. Das Gefühl wieder einen normalen Alltag zu haben, war einer meiner größten Wünsche.
Früher fand ich Herzen als Symbol eher kitschig. Jetzt steht das Herz als Symbol für mich für das pure Leben und für Kraft.
Redakteur:Stefanie Schimanski aus Buxtehude |
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