Kein Platz mehr wegen Deicherhöhung
Komplette Neugestaltung: Lühe-Anleger wird in seiner jetzigen Form verschwinden

Der Lühe-Anleger: Die rot markierte Fläche (Parkplatz, Budenmeile, Wohnmobilstellplatz) wird im Zuge der Deicherhöhung wohl weitgehend verschwinden | Foto: Martin Elsen/nord-luftbilder.de
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  • Der Lühe-Anleger: Die rot markierte Fläche (Parkplatz, Budenmeile, Wohnmobilstellplatz) wird im Zuge der Deicherhöhung wohl weitgehend verschwinden
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Ein sonniger Feiertag an der Lühemündung: Schon früh am Morgen sind die Parkplätze voll. Motorradgruppen rollen im Minutentakt an, das Knattern ihrer Maschinen ist nicht zu überhören. Vor den Imbissbuden bilden sich lange Schlangen, Familien drängen sich zwischen Pommes, Fischbrötchen und Eisständen hindurch. So kennen viele Besucher den Lühe-Anleger – als einen der lebendigsten Treffpunkte im Landkreis Stade. Doch genau dieses Bild wird sich in den kommenden Jahren wohl erheblich verändern. Den Lühe-Anleger werde es in dieser Form in Zukunft nicht mehr geben, heißt es von offizieller Seite. Der Grund liegt im Küstenschutz: Die Elbdeiche müssen erhöht werden.

Nur Platz nach vorne vorhanden
So banal dieser Satz daherkommt, so steckt doch einige Brisanz in ihm: "Im Zuge der geplanten Deicherhöhung durch das Land Niedersachsen wird der Lühe-Anleger in seiner bisherigen Form weitgehend verloren gehen", heißt es in einem Projektsteckbrief, aus dem jetzt im Kreistags-Ausschuss für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Tourismus zitiert wurde. „Ein höherer Deich wird zwangsläufig auch breiter“, erklärte der Erste Kreisrat Thorsten Heinze kürzlich auf der Ausschusssitzung. Am Lühe-Anleger ist aber nur Platz nach vorne – also vor dem Deichfuß in Richtung Elbe – vorhanden. Daher wird ein großer Teil dieser Fläche für die Erhöhung und Verbreiterung des Deiches benötigt.

Der Parkplatz am Lühe-Anleger an einem kalten Aprilmorgen. Noch ist er leer, doch an den Feiertagen im Mai wird er wohl wieder überfüllt sein | Foto: jd
  • Der Parkplatz am Lühe-Anleger an einem kalten Aprilmorgen. Noch ist er leer, doch an den Feiertagen im Mai wird er wohl wieder überfüllt sein
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Für das heutige Erscheinungsbild hat das drastische Konsequenzen. Dadurch stünden laut Steckbrief "wichtige Infrastruktur- und Freizeitbereiche wie der vorhandene Spielplatz, die Wiese für Freizeitaktivitäten, der Wohnmobilstellplatz, die Freifläche für Gastronomie sowie ein Großteil der Parkplätze künftig nicht mehr zur Verfügung bzw. müssen in neuer Form geplant werden". Mit anderen Worten: Ein Großteil dessen, was den Lühe-Anleger heute ausmacht, wird verschwinden.

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Jetzt beginnt die Planung für morgen
Noch wird es einige Jahre dauern, bis die Deicherhöhung tatsächlich umgesetzt wird. Doch vor Ort will man vorbereitet sein. Deshalb haben die Samtgemeinde Lühe und die Gemeinde Grünendeich gemeinsam mit dem Landkreis Stade eine umfassende Neugestaltung des Lühe-Anlegers angestoßen. Für diese sogenannte „Anschubplanung“ stehen 99.000 Euro zur Verfügung. Zwei Drittel der Kosten werden über das EU-Förderprogramm LEADER getragen. Das restliche Drittel – 33.000 Euro – übernehmen Landkreis, Samtgemeinde und Gemeinde zu gleichen Teilen. Ziel ist es, das gesamte dann noch zur Verfügung stehende Areal land- und wasserseitig neu zu gestalten: barrierefrei, klimafreundlich und mit neuen Nutzungsmöglichkeiten – vom Veranstaltungsort bis hin zu einem Lernort rund um das maritime Erbe und den Altländer Obstbau.

Blick auf den Lühe-Anleger von der Fähre aus. Der Fähranleger soll auf jeden Fall erhalten bleiben. Der Landkreis steht weiterhin zum Fährbetrieb | Foto: jd
  • Blick auf den Lühe-Anleger von der Fähre aus. Der Fähranleger soll auf jeden Fall erhalten bleiben. Der Landkreis steht weiterhin zum Fährbetrieb
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Fähre bleibt auf jeden Fall erhalten
Trotz aller Veränderungen stehe eines fest, so der Erste Kreisrat Thorsten Heinze: Die Lühe-Schulau-Fähre bleibt auf jeden Fall erhalten. Sie sei nicht nur touristisch von großer Bedeutung, sondern auch Teil eines übergeordneten Verkehrskonzeptes, das der Landkreis gerade erstellt. Als einzige verbliebene Personenfähre zwischen Hamburg und Cuxhaven ist sie ein wichtiger Baustein der regionalen Mobilität. Entsprechend groß ist das Interesse, den Anleger weiterhin gut erreichbar zu halten. Auch die Politik ist sich über die Bedeutung des Vorhabens im Klaren: Die Mitglieder des Kreistags-Ausschusses sprachen sich einstimmig dafür aus, die Maßnahme zu unterstützen.

Rost am Aushängeschild

KOMMENTAR: Abschied vom Rummel – Chance für mehr Qualität

Die Szenen eines überfüllten Lühe-Anlegers an Sonn- und Feiertagen könnten bald der Vergangenheit angehören. Kein dichtes Gedränge mehr an den Buden, keine überfüllten Parkplätze, weniger Motorradlärm.

Was auf den ersten Blick wie ein Verlust wirkt, ist zugleich eine große Chance. Die Neugestaltung bietet die Möglichkeit, aus dem bisherigen Rummelplatz einen echten maritimen Ort zu entwickeln: einen Platz, an dem Menschen die Weite der Landschaft genießen und in Ruhe den Blick über den Fluss schweifen lassen können.

Es könnte ein Ausflugsziel entstehen, das zum Verweilen einlädt – mit freier Sicht auf vorbeiziehende Containerschiffe, Segler und Ausflugsschiffe. Vielleicht verliert der Lühe-Anleger damit ein Stück seiner bisherigen Identität. Aber er gewinnt die Chance auf eine neue: ruhiger, ökologisch wertvoller – und näher an dem, was die Elbe eigentlich ausmacht.

Wie ist Ihre Meinung?
Das WOCHENBLATT möchte von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, erfahren: Wie stehen Sie zur geplanten Neugestaltung des Lühe-Anlegers? Ist es Zeit für eine neue Idee oder soll alles so bleiben, wie es ist? Teilen Sie uns Ihre Meinung mit – per E-Mail an: red-bux@kreiszeitung.net.

Der Lühe-Anleger: Die rot markierte Fläche (Parkplatz, Budenmeile, Wohnmobilstellplatz) wird im Zuge der Deicherhöhung wohl weitgehend verschwinden | Foto: Martin Elsen/nord-luftbilder.de
Blick auf den Lühe-Anleger von der Fähre aus. Der Fähranleger soll auf jeden Fall erhalten bleiben. Der Landkreis steht weiterhin zum Fährbetrieb | Foto: jd
Der Parkplatz am Lühe-Anleger an einem kalten Aprilmorgen. Noch ist er leer, doch an den Feiertagen im Mai wird er wohl wieder überfüllt sein | Foto: jd
Redakteur:

Jörg Dammann aus Stade

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