Friedwald in Rosengarten vorerst gestoppt

Der Friedwald in Neukloster (Buxtehude) für Bürgermeister Dirk Seidler ein Leuchtturmprojekt, das er auch gerne in Rosengarten verwirklicht sehen will
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mi. Rosengarten. Sieg für die Friedwald-Kritiker: Mit knapper Mehrheit stimmten die Mitglieder des Wirtschaftsausschusses der Gemeinde Rosengarten dagegen, das Projekt im Kleckerwald weiter zu verfolgen. Gestorben ist die Idee, bis zu 70 Hektar des beliebten Naherholungsgebiets zum Urnen-Friedhof umzuwidmen, allerdings noch nicht.

Verwaltungsneutralität in Frage gestellt

Wie neutral ist man im Hause von Bürgermeister Dirk Seidler in Sachen Friedwald? Diese Frage wurde während der Sitzung aufgeworfen. Wie berichtet, hatte die Verwaltung im Vorfeld eine Darstellung der Landesforsten verschickt, die einzig dessen positive Aspekte herausstellte. Befremdlich wirkte dagegen, dass man im Gegenzug kritische Stellungnahmen der Nordkirche und des Verbands der Friedhofsverwaltungen zu einem Friedwald weder als Tischvorlage noch in anderer Weise zur Verfügung stellte. Sie wurden lediglich während der Sitzung vorgelesen. „Gegenüber den Ratsmitgliedern ist das die vorsätzliche Herbeiführung eines Informationsdefizits“, kritisierte Ausschussmitglied Jürgen Grützmacher (CDU). Bürgermeister Dirk Seidler sagte dazu, es sei verwunderlich, dass mit den Stellungnahmen bis zur letzten Minute gewartet wurde. Außerdem ginge es nicht um eine konkrete Planung, sondern nur um einen Auftrag an die Verwaltung, das Projekt weiter zu verfolgen. Verwaltungs-Vize Carsten Peters ergänzte: Die Stellungnahmen stammten von Organisationen, die keine Interessen in der Gemeinde Rosengarten haben und müssten daher nicht berücksichtigt werden. Zumindest für die Nordkirche, zu der auch der Friedhof in Vahrendorf, gehört, eine strittige Argumentation.

Friedwald führt definitiv zu Nutzungseinschränkungen

Neben Grützmacher und den genannten Lobby-Vertretern waren es vor allem Bürger, die sich kritisch zum Friedwald äußerten. Die Befürchtungen: Nutzungseinschränkungen, Kosten für die Gemeinde, Probleme für die eigenen Friedhöfe. „Warum sollen wir der Friedhof für Hamburgs Süden werden, warum soll ein kommerzieller Anbieter in unserem Wald und auf unsere Kosten Geld verdienen?“, fasste eine Klecker Bürgerin die Kritik zusammen. Friedwaldbefürworter wie Ausswchussmitglied Michael Schnelle (Linke) hielten dagegen: Die Bestattungskultur ändere sich. Die Gemeinde verschließe sich einem Trend. Auf die Nutzungseinschränkungen angesprochen sagte Ausschussvorsitzender Klaus-Meyer Greve: „Ja, es wird Einschränkungen geben, um die Würde der Toten zu gewährleisten.“ Allerdings sei jetzt im Wald auch nicht alles erlaubt. Sein Beispiel: „Ich darf auch nicht mit dem Mountainbike off road durch den Wald fahren.“

Ablehnung im Ausschuss. Jetzt entscheidet wohl der Rat

Zum Schluss war es dann die Stimme des SPD-Ausschussmitglieds Heino Peters, der sich entgegen politischer Farben und nach seinem Gewissen auf die Seite der Friedwald-Gegner bei CDU/FDP schlug und so ein positives Votum verhinderte.
Vom Tisch ist der Friedwald damit allerdings noch nicht. Auf WOCHENBLATT-Nachfrage sagte Verwaltungs-Vize Carsten Peters, das Thema werde jetzt im nichtöffentlich tagenden Verwaltungsausschuss weiter besprochen. Dort könnte dann beschlossen werden, die Entscheidung dem Rat zu überlassen.

Kommentar

Herr Seidler, wessen Interessen vertreten Sie?

Handelt ein Bürgermeister, der im Interesse eines kommerziellen Anbieters die Nutzung eines in der Bevölkerung beliebten Naherholungsraums einschränken will, im Interesse seiner Wähler? Gerade einmal drei bis vier Rosengartener, so die Prognose, würden jährlich im Friedwald beerdigt werden. Alle anderen Beigesetzen stammen nicht aus Rosengarten - die meisten wohl aus dem Großraum Hamburg. Wenige Bürger in Rosengarten sind also „Kunden“ des Friedwalds. Im Gegensatz dazu nutzen viele den Wald zum Rad fahren, spielen, reiten, Pilze suchen, etc. Herr Seidler, warum sollen diese Bürgerinteressen zugunsten Hamburger Friedwaldkunden eingeschränkt werden? Mehr Gewerbesteuern fallen nicht an. Die Gemeinde soll lediglich mit dem symbolischen Betrag von drei Prozent an jeder Beerdigung beteiligt werden. Finanzielle Beweggründe kann es aus Gemeindesicht somit nicht geben. Einzig die Gastronomie mag von einem Friedwald profitieren. Das ließe sich jedoch auch erreichen, wenn man statt „Beisetzungstourismus“ einfach Tourismus fördern würde. Bleibt also die Frage, wessen Interessen werden hier von der Verwaltung vertreten und warum?
Mitja Schrader

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