Gedenkstein zur Erinnerung an die Opfer enthüllt
Dieter Hamann arbeitete nach Terroranschlägen 2001 in New York
- Am Gedenkstein für die Opfer der Terroranschläge von 2001: der ehemalige Hamburger Ordnungshüter Dieter Hamann (3. v. re.) mit Christian Penack (2. v. re.), Leitungsstab-Leiter im Polizeipräsidium der Hansestadt, und dessen Kollegen
- Foto: Hamann
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"In Verbundenheit und Freundschaft unserer Stadt mit den Vereinigten Staaten von Amerika gedenken wir der Opfer der Anschläge vom 11. September 2001 in New York, Washington und Pennsylvania." Diese Inschrift steht auf einem Gedenkstein, den der Hamburger Senat jetzt als Geschenk an die USA vor dem ehemaligen US-Generalkonsulat enthüllte. Bei der Zeremonie anlässlich der Verabschiedung von Generalkonsul Jason Chue dabei war neben einer Abordnung der Hamburger Polizei auch deren ehemaliger Kollege Dieter Hamann (70) aus Toppenstedt (Landkreis Harburg). Er arbeitete von 2001 bis 2005 als Ordnungshüter in New York und ermittelte vor Ort nach den Terroranschlägen.
"Am schlimmsten war es, die Aufnahmen der Telefonate der verzweifelten Menschen aus dem World Trade Center abzuhören. Sie wussten, dass es für sie keine Rettung gab, nachdem die Flugzeuge in die Türme geflogen waren", erinnert sich Dieter Hamann immer noch sichtlich bewegt gegenüber dem WOCHENBLATT.
"An der Universität, an der meine Enkelin studiert, habe ich neulich einen Vortrag über Terrorismus und die Anschläge in New York gehalten. Da kamen viele schlimme Erinnerungen wieder hoch, und ich kämpfte mit den Tränen." Auch nach Jahrzehnten hat sich bei Dieter Hamann (70) aus Toppenstedt (Kreis Harburg) tief ins Gedächtnis gebrannt, was er erlebte, als er als Polizeihauptkommissar die Kollegen im "Big Apple" nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 bei ihrer Arbeit unterstützte.
"Wir haben in Asbest-verseuchten Gebäuden nach Spuren gesucht und auch Vernehmungen durchgeführt", erinnert sich Hamann im Gespräch mit dem WOCHENBLATT. "Am meisten erschüttert hat es mich, wenn Leute mit Fotos von vermissten Verwandten oder Freunden zu uns kamen, die sie in der Ruinenlandschaft nach den Anschlägen verzweifelt suchten."
Seinen Polizeieinsatz in den USA von 2001 bis 2005 hatte Dieter Hamann seiner Ehefrau Elke zu verdanken. Deren Arbeitgeber, die Hamburgische Landesbank, schickte sie nach New York, um dort eine Filiale aufzubauen. Daraufhin ließ der Gatte mit Erfolg seine Kontakte spielen und durfte seine Frau begleiten. "Wenige Tage vor den Anschlägen waren wir in New York auf Wohnungssuche und trafen uns im World Trade Center mit Freunden aus Manhattan", berichtet Hamann. "Am 11. September waren wir in der Heimat, um Elkes Geburtstag zu feiern. Als ich dort die schrecklichen Bilder der brennenden World-Trade-Center-Türme sah, dachte ich zuerst, es handelt sich um einen Actionfilm. Doch es war grausame Wahrheit."
Kurz nach dem Terrorakt kam heraus, dass einige der Attentäter in Hamburg gelebt, studiert und die Anschläge geplant hatten. "Dadurch hat der Ruf der Stadt ziemlich gelitten. Zur Schadensbegrenzung und als versöhnliche Geste startete die New Yorker Polizei ab 2002 mit Unterstützung der Hamburger Kollegen ein Besuchsprogramm für Angehörige der bei den Anschlägen ums Leben gekommenen Polizisten. Ein halbes Dutzend Besuchergruppen mit bis zu 70 Hinterbliebenen folgten der Einladung", so Hamann.
Gedenkstein am ehemaligen Hamburger US-Konsulat enthüllt
Ganz im Zeichen der deutsch-amerikanischen Freundschaft stand jetzt auch die Enthüllung eines Gedenksteins mit zweisprachigen Schrifttafeln zur Erinnerung an die Terroropfer vor dem ehemaligen US-Generalkonsulat in Hamburg. Die Tafeln waren der Botschaft 2021 zum 20. Jahrestag der Anschläge geschenkt worden. Sie konnten aufgrund des Konsulatsumzuges und der Umgestaltung des geplanten Standortes aber nun erst ihrer Bestimmung übergeben werden. Bei der Zeremonie dabei waren unter anderem der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), mit US-Angelegenheiten betraute Vertreter der Hamburger Polizei und deren früherer Kollege Dieter Hamann. "Es war eine sehr bewegende Feierstunde", erzählt er. "Vor allem als ein Bläser auf der Trompete 'Amazing Grace' spielte, hat mich das sehr berührt. Darin ist ja vom 'life of joy and peace' die Rede - vom Leben voller Freude und Frieden. Die Hoffnung darauf dürfen wir nie aufgeben."
Redakteur:Christoph Ehlermann aus Salzhausen |
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