Verträgliche Lösung als Ziel
240 Teilnehmer bei Digital-Debatte über Kiesabbau in Samtgemeinde Salzhausen

Auch zwischen Garstedt und Toppenstedt baut das Kieswerk Lütchens bereits Boden
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ce. Salzhausen. "Ich bin zufrieden mit der Resonanz. Sie zeigt die verschiedenen Interessenanlagen und wie intensiv sich die Menschen mit der Thematik befassen." Diese Bilanz zog Salzhausens Samtgemeinde-Bürgermeister Wolfgang Krause gegenüber dem WOCHENBLATT nach der digitalen Auftaktveranstaltung zum Bodenabbau in der Region, zu der jetzt die Samtgemeinde gemeinsam mit den betroffenen Kommunen und dem Kieswerk Lütchens eingeladen hatte.
Über 240 Interessierte hatten sich dazugeschaltet, um mehr über den von Lütchens über einen Zeitraum von etwa 30 Jahren geplanten Kiesabbau zu erfahren.
Hermann Lütchens und Sohn Alexander von der Geschäftsleitung des seit 93 Jahren bestehenden Kieswerks erklärten, dass sie eine Vertiefung des Bodenabbaus in Tangendorf sowie zusätzliche Areale dort, in Garstedt und Wulfsen planten. 2017 hätten sie bei der Samtgemeinde den Antrag gestellt, die Flächen als Vorranggebiete im Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP) auszuweisen. Das derzeit geltende RROP war seinerzeit jedoch schon festgelegt, weshalb es nun gegebenenfalls einer Änderung bedarf. Als Vorteile einer Ausweitung der Abbauflächen führte Hermann Lütchens die regionale Rohstoffsicherung, kurze Wege der Belieferung der Kies-Abnehmer und den Erhalt der 20 Betriebsarbeitsplätze an. Zudem handele es sich um "ein eigenständiges, nicht konzerngesteuertes Unternehmen". Lütchens räumte ein, derzeit seien noch genügend Abbaugebiete vorhanden, und das Genehmigungsverfahren für weiterer Terrains würde wohl zehn Jahre dauern. Sein Werk brauche jedoch Planungssicherheit. Bezüglich der Vereinbarkeit von Rohstoffgewinnung und Umweltschutz verwies Lütchens auf Gruben in der Region, die nach dem Abbau - etwa als Biotop oder Gewerbegebiet - rekultiviert worden seien.
Wolfgang Krause erklärte dazu, der RROP-Antrag von Lütchens werde vom Landkreis Harburg voraussichtlich Ende dieses/Anfang nächsten Jahres abschließend bearbeitet sein, mit ersten Entscheidungstendenzen sei nicht vor 2024 zu rechnen.
Torben Ziel von der Kreisentwicklung des Landkreises Harburg ging auf den Einwand von Zuhörern ein, die angedachte Abbaufläche bei Tangendorf sei nicht im Landesraumordnungsprogramm (LROP) vorgesehen. Sie umfasse - so Ziel - weniger als 25 Hektar und sei daher landesweit nicht von Bedeutung, wohl aber für das RROP. Da eine Abbaugenehmigung für Tangendorf bereits vorliege, habe die Samtgemeinde Salzhausen eine Änderung des Flächennutzungsplanes anvisiert und der Kreis das Areal als Vorrangfläche dargestellt. Einen Beschluss zur Änderung des RROP könne der Kreistag erst im ersten Quartal 2022 fassen, nachdem das Thema in den Politgremien der Kommunen beraten worden sei.
Wolfgang Krause wies darauf hin, dass Samtgemeinde und Gemeinden bei der Entscheidungsfindung eine Mitwirkungspflicht hätten und die Lütchens-Pläne nicht einfach ablehnen oder abnicken könnten. Sie müssten Fachexperten zu ihren Beratungen hinzuziehen. Die Experten sollten als Gesprächspartner auch an den Bürgerinfo-Veranstaltungen teilnehmen, von denen die erste womöglich noch vor den Sommerferien stattfinden werde.
"Gemeinsam müssen wir das Für und Wider der Planungen abwägen. Unsere Aufgabe wird sein, eine für alle Beteiligten verträgliche Lösung zu finden", gab Krause die Marschroute vor. Garstedts Bürgermeisterin Christa Beyer appellierte schließlich - auch im Namen ihrer Amtskollegen - an die Bevölkerung: "Wir wollen und dürfen das Thema nicht alleine mit unseren Räten entscheiden - sondern mit Ihnen, den Bürgern!"
• Die Präsentation der Auftaktveranstaltung zum Kiesabbau ist zu finden unter www.salzhausen.de.

Stimmen der Abbau-Gegner

(ce). Während der digitalen Diskussion nahmen einige Zuhörer per Chat Stellung zu dem Gehörten. Mit Blick auf die Nachnutzung des Kiesabbau-Gebietes schrieb ein Teilnehmer ironisch: "Gewerbegebiete statt Wald - au jaaaa!". Ein anderer befürchtete, dass "durch die Hintertür der Nachnutzung" ein neues Wohngebiet geschaffen werden könnte und der Wald weichen müsste.
Die Chatter machten sich auch Gedanken um die Auswirkungen des Bodenabbaus sowohl Wasserhaushalt, Tier- und Pflanzenarten als auch auf die Lebensqualität der Anwohner und den Marktwert der in Abbaunähe liegenden Grundstücke. Die vorgetragenen Bedenken sollen in der weiteren Diskussion berücksichtigt werden.

Auch zwischen Garstedt und Toppenstedt baut das Kieswerk Lütchens bereits Boden
Digitale Diskussion: (oben, v. li.) Moderator Thomas Wilken ("Kontor 21"), die Kieswerks-Betreiber Alexander und Hermann Lütchens, (Mi., v. li.) Torben Ziel (Landkreis), Salzhausens Verwaltungschef Wolfgang Krause mit Mitarbeiter Marc Wedemann, Garstedts Bürgermeisterin Christa Beyer sowie (unten, v. li.) Detlef Gumz (Landkreis), Wulfsens Bürgermeister Gerd Müller und sein Toppenstedter Kollege Heinrich Nottorf
Autor:

Christoph Ehlermann aus Salzhausen

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