"Blockade-Vogel"
Raststätte Elbmarsch: Bürgerinitiative entdeckt Wachtelkönig im Plangebiet

Der streng geschützte Wachtelkönig besitzt die Fähigkeit, vor Gerichten Großprojekte blockieren zu können
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ts. Meckelfeld. "Wir sind so froh", sagt Angelika Gaertner triumphierend. Was die Vorsitzende der Bürgerinitiative (BI) gegen die Raststätte Elbmarsch in so ausgelassene Freude versetzt: BI-Mitglieder sind sich sicher, im Plangebiet der umstrittenen Tank- und Raststätte sechs bis sieben Wachtelkönig-Männchen gehört zu haben. Dass der streng geschützte Vogel im Moor an der Autobahn 1 bei Meckelfeld offensichtlich brütet, liefert den Natur- und Tierschützern ein schlagkräftiges Argument im Kampf gegen die Mega-Raststätte. Denn der Wachtelkönig hat in der Vergangenheit seine Fähigkeit zur Blockade von Großprojekten vor Verwaltungsgerichten in mehreren Fällen bewiesen.

Als Erster hat BI-Vorstandsmitglied Dr. Friedrich Lührs den neuen Verbündeten am 24. Mai gehört. Gegen 19.30 Uhr, eine frühe Uhrzeit für den scheuen Bodenbrüter, der nachts zu rufen pflegt. "Der Ruf ist unverwechselbar. Ich dachte: Meine Güte, das ist der Wachtelkönig", erzählt Dr. Lührs von der ersten Begegnung. Im vergangenen Jahr habe bereits ein Mitarbeiter der Umweltbehörde in Hamburg, der in Seevetal lebt, den Wachtelkönig im Moor bei Meckelfeld gehört, sagt der zweite BI-Vorsitzende Dr. Rainer Weseloh.

Die Behauptung allein, den Wachtelkönig identifiziert zu haben, taugt allerdings nicht als Argument bei Planungsbehörden und bei Gerichten. Deshalb dokumentieren BI-Mitglieder und als Zeugen wichtige Nichtmitglieder seit einigen Tagen im Plangebiet der Tank- und Raststätte unweit des Seevedeichs jeweils in der Zeit von 23 bis Mitternacht akribisch die Rufe des Wachtelkönigs. "Wir haben sechs bis sieben Männchen eindeutig identifiziert", sagt der Ornithologe Rainer Weseloh. Nur die Männchen, weil die Weibchen die Eigenschaft haben, zu schweigen.

Die Rufer und ihre jeweiligen Standorte haben die BI-Mitglieder nach den geltenden Regeln dokumentiert. Streng nach den Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel Deutschlands, einem Standardwerk, das die Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten und der Dachverband Deutscher Avifaunisten in Auftrag gegeben haben. Auf der App "NaturaList" speichert Weseloh die Koordinaten. Auch den Klangteppich der rufenden Wachtelkönig-Männchen haben die BI-Mitglieder aufgezeichnet.

Unabhängiger Gutachter muss den Beweis führen

Trotz allem: Als gerichtsfest dokumentiert gilt der Wachtelkönig nur, wenn ein unabhängiger Gutachter die Anwesenheit der scheuen Bodenbrüter bestätigt. Deshalb wolle die Bürgerinitiative einen Experten beauftragen, sagt Angelika Gaertner. Fraglich sei, ob der Nachweis des Wachtelkönigs noch in diesem Jahr gelinge. Denn die Regeln sehen vor, dass die Dokumentation bereits im Mai beginnen solle. Möglicherweise erkenne der Gutachter die akribische Dokumentation der BI-Mitglieder und ihrer Zeugen an.

Die Bürgerinitiative ist davon überzeugt, dass der Wachtelkönig auch im nächsten Jahr im Moor in Meckelfeld brüten wird. "Wir haben keine Irrläufer hier. Die Vögel haben sich bereits zum zweiten Mal dieses Brutgebiet ausgesucht", sagt Angelika Gaertner. Nur 1.900 bis 3.000 Brutpaare gibt es laut Weseloh in Deutschland.
"Der Wachtelkönig bedeutet ein weiteres Argument, das wir juristisch aufarbeiten können", bewertet BI-Vorstand Günter Schwarz den neuen Verbündeten als schlagkräftig. Wie berichtet, prüft die neu zuständige Autobahn GmbH des Bundes die Planfeststellungsunterlagen erneut.
Der Wachtelkönig hat den Ruf des "Blockade-Vogels": Ende 1997 erlangte er größtes Aufsehen, als er den Bau der Ostseeautobahn A20 bei Lübeck um zehn Monate verzögerte. Das Bundesverwaltungsgericht verhängte einen Baustopp.

Autor:

Thomas Sulzyc aus Seevetal

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