Lesung mit Kirsten Nehberg in Tostedt
Aufwachsen zwischen Schlangen und Krokodilen - Nehberg-Tochter stellt ihr Buch vor
- Kirsten Nehberg stellt ihr Buch in Tostedt vor
- hochgeladen von Bianca Marquardt
Wenn Kirsten Nehberg über ihr Leben mit ihrem Vater, dem Abenteurer und Überlebenskünstler Rüdiger Nehberg (1935 - 2020), schreibt, kommen Momente zu Tage, die sich ein normaler Mensch kaum vorstellen kann. Die 59-jährige Schauspielerin wuchs mit Pythons neben ihrem Kinderzimmer und Krokodilen im Keller auf. Über ihre ungewöhnliche Kindheit hat sie jetzt ihr erstes Buch mit den Titel: ""Glaub immer an das Unmögliche" veröffentlicht. Daraus liest sie auf Initiative von Dr. Harry Kalinowsky, Mitinitiator des Vereins Töster Kultur, am Mittwoch, 27. Mai 2026, um 19 Uhr bei freiem Eintritt in der Bücherei der Samtgemeinde Tostedt, Schützenstraße 26a. Im WOCHENBLATT-Interview verrät sie vorab einige spannende Details aus ihrem Buch, auf die sich die Zuhörerinnen und Zuhörer freuen dürfen.
Ihr Vater Rüdiger Nehberg war selbstständiger Konditor in Hamburg. International bekannt war er aber für seine extreme Expeditionen, die er mit politischem und humanitärem Engagement verband. Er kämpfte für das Überleben indigener Völker wie die Yanomani im Amazonasgebiet und gegen weibliche Genitalverstümmelung. Er lebte wochenlang im Amazonasgebiet, überquerte den Atlantik in einem selbstgebauten Tretboot und wanderte durch Deutschland, sich nur von dem ernährend, was die Natur hergab, sein Spitzname "Sir Vival".
WOCHENBLATT: Frau Nehberg: Wie fühlt es sich an, mit einem so abenteuerlustigen Vater auszuwachsen, der ja auch häufig nicht daheim war?
Kirsten Nehberg: Objektiv betrachtet war er ja nicht nur monatelang auf Expedition, sondern auch minimum drei Monate im Jahr auf Vortragsreise unterwegs. Dennoch kann ich ganz klar sagen: Wenn er zu Hause war, war er auch wirklich für mich ansprechbar. Er hat mir z.B. jeden Abend von seinen Reisen Geschichten erzählt. Ich konnte ihn nachts auf Vortragsreise anrufen, weil ich den Schnee nicht zum Kleben bringen konnte. Ich hatte einen Schneemann bauen wollen, den ich meinem Schwarm vor die Tür stellen wollte. Und mein Vater machte sich aus Hannover auf den Weg, zeigte mir, wie man Schnee zum Kleben bringt, und ist dann wieder zum Hotel zurückgefahren. Ich habe mit meinem Vater auf jeden Fall viel "quality time" verbringen dürfen. Das weiß ich sehr zu schätzen.
WOCHENBLATT: Sie verbrachten nicht nur ihre Kindheit mit „Sir Vival“, sondern nahmen auch an vielen seiner Abenteuer teil, Welche waren das zum Beispiel ?
Kirsten Nehberg: Als ich klein war, haben wir meinen Vater häufiger von seinen Reisen abgeholt und dies mit einem Familienurlaub verbunden. Mein Vater hat sich dann immer Giftschlangen mitgenommen, die wir im Handgepäck transportiert haben. Wir hatten sie in kleinen Beutelchen in unseren Taschen verstaut. Das find ich rückblickend schon sehr abenteuerlich. Heute kann man sich so etwas gar nicht mehr vorstellen, aber früher wurde das Handgepäck ja nicht so kontrolliert.
Emotional war ich sehr in seine Recherchen bezüglich dem Geheimnis um Tatunca Nara eingebunden. In unserer Familie war ich der Ansprechpartner für dieses Unternehmen. Es handelt sich bei Tatunca Nara um den Deutschen mutmaßlichen Serienmörder, der sich als Stammesoberhaupt eines indigenen Volkes ausgibt. Da mich dieser Fall nie losgelassen hat, war ich Bestandteil der Dokumentation "Tatunca Nara und die Toten im Dschungel", die u.a. nach wie vor in der ARD-Mediathek einzusehen ist. Hier wandelte ich auf den Spuren meines Vaters.
WOCHENBLATT: Welches Abenteuer hat Sie am meisten beeindruckt?
Kirsten Nehberg: Mein Vater hatte immer so viele Projekte am Laufen und war immer eingespannt - beruflich in der Konditorei, wie aber auch mit seinen großen Expeditionen. Dennoch hat er es sich nicht nehmen lassen, mit mir in den Sommerferien nach Stockholm zu radeln, um meine Lieblingsband ABBA zu besuchen. Oder sich einen Schlachtplan zu überlegen, wie ich 1979 in das ausverkaufte ABBA-Konzert kommen kann. Das rechne ich ihm hoch an. Und ich bin sehr dankbar, dass wir diese "Abenteuer" zusammen erleben durften.
WOCHENBLATT: Gab es bei Ihnen Zuhause auch "Survival-Nahrung"?
Kirsten Nehberg: Natürlich kam ich nicht umhin, auch Regenwürmer und Mehlwürmer zu probieren. Der Grund war aber, dass es meinem Vater ein echtes Anliegen war, mich auch für ungewöhnliche Situationen auszurüsten . Und ich denke: Es hat mir nicht geschadet.
WOCHENBLATT: Was hat Sie dazu bewegt, ein Buch über die Erfahrungen mit Ihrem Vater zu schreiben?
Kirsten Nehberg: Besondern nach der Ausstrahlung der Dokumentation "Tatunca Nara und die Toten im Dschungel" (siehe ARD-Mediathek) kamen wieder verstärkt die Fragen auf mich zu: "Wie war das so mit Rüdiger Nehberg als Vater aufzuwachsen?"; "Hattest du Angst um ihn?", "Was hast du von ihm gelernt?". Als ich dann das Angebot bekam, ein Buch zu schreiben, dachte ich mir: Jetzt ist die Zeit reif. Ich mach das. Ich hatte ohnehin vor, Geschichten aus meiner Kindheit für mein Patenkind aufzuschreiben. Beides habe ich nun miteinander verbinden können.
WOCHENBLATT: Frau Nehberg, vielen Dank für die interessanten Einblicke in Ihr Leben.
Redakteur:Bianca Marquardt aus Tostedt |
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