Flächenpool und Ökokonto
Ausgleich für Eingriffe in die Natur

Vorwerk-Geschäftsführer Torben Kleinfeldt zeigt den Plan des Flächenpools des Unternehmens
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bim. Tostedt. Wenn gebaut wird und Flächen versiegelt oder Bäume gefällt werden, sind die Bauherren verpflichtet, für diese Eingriffe in die Natur Ausgleichsmaßnahmen zu schaffen. Idealerweise sollte das natürlich ortsnah geschehen. Ist das nicht möglich, können Flächen aus sogenannten Flächenpools gekauft und die Punkte des Ökokontos damit ausgeglichen werden. Solche Pools bieten u.a. das Tostedter Rohrleitungsbauunternehmen Friedrich Vorwerk KG, die Niedersächsische Landgesellschaft (NLG) und der Landkreis Harburg an. Vorwerk-Geschäftsführer Torben Kleinfeldt erläutert im WOCHENBLATT-Gespräch, wie das funktioniert.
Die Friedrich Vorwerk KG hat ihr Ökokonto im Jahr 2006 eröffnet. Der Flächenpool umfasst ein rund 70 Hektar großes Gelände der Irene und Friedrich Vorwerk-Stiftung zwischen Todtglüsingen und der Este-Aue in der sogenannten Todtglüsinger Heide. "Wir wollten etwas Sinnvolles mit der Waldfläche dort machen und haben damals das erste private Ökokonto eröffnet. Das Ingenieur- und Planungsbüro Lange hat zusammen mit dem Landkreis das Konzept ausgearbeitet. Dafür wurde der Ist-Zustand festgehalten und zwölf Maßnahmen abgestimmt, wie die ökologische Wertigkeit erhöht werden kann", erläutert Torben Kleinfeldt. So könne etwa artenarmes Grünland durch Extensivierung - also Nichtbewirtschaftung von Flächen - in artenreiches Grünland umgewandelt werden. Dadurch steige die Wertigkeit von 0 auf 1 Punkt pro Quadratmeter. Außer der Extensivierung von Grünland gebe es u.a. auch aufwendigere Flächenaufwertungen, indem z.B. Trockenheide angepflanzt oder Wald von Nadel- und Douglasienforsten in einen Eichenmischwald umgewandelt wird. Letzteres bringe eine Wertigkeit von 2 Punkten pro Quadratmeter. Auch werde die teils befestigte und kanalisierte Töste renaturiert.
Als zum Beispiel die Gemeinde Handeloh für die Erschließung des Baugebietes Wörmer Straße-West im Jahr 2016 einen Ausgleich schaffen musste, der nicht komplett auf eigenem Land zu realisieren war, erwarb die Gemeinde von Vorwerk 23.030 Werteinheiten für rund 63.000 Euro auf einer 20-Hektar-Fläche in Riepshof (Gemeinde Otter), von denen rund die Hälfte der Niedersächsischen Landgesellschaft (NLG) gehört. Dabei handele es sich um eine Wiese, die nicht mehr bewirtschaftet, gemäht und geschlegelt werden darf. "Wir stellen die Fläche zur Verfügung und stellen die Pflege sicher. In diesem Fall, dass dieses Grünland nicht genutzt wird", erklärt Kleinfeldt.
"Ein Großteil unserer Ökopunkte wurde beim Pipelinebau an E.ON verkauft - 311.000 Punkte für 600.000 Euro", berichtet Torben Kleinfeldt.
"Wenn jemand von uns Ökopunkte kauft, schließen wir einen Vertrag über die Kosten samt einer Beschreibung und Zeichnung, wo in welcher Maßnahme wie viele ökologische Werteinheiten verkauft werden. Der Landkreis überprüft stichprobenartig, ob wir auch nicht mehr Punkte verkauft haben als ausgeglichen werden", so Kleinfeldt.
Für die alte Sandkuhle im Bereich der Todtglüsinger Heide gebe es jetzt ein Renaturierungskonzept. "Dort soll wieder Wald entstehen. Im Landkreis Harburg gibt es zu wenige Waldausgleichsflächen", weiß Torben Kleinfeldt. Aber es gibt auch Rückschläge: "Wir haben für die Gemeinde Tostedt eine Fläche aufgeforstet. Diese Bäume sind im letzten Sommer eingegangen", berichtet der Vorwerk-Geschäftsführer. Dort müssen nun erneut Bäume gepflanzt werden.

Kompensationspool des Landkreise Harburg

Der Landkreis Harburg ist seit 2016 Mitglied im Bundesverband der Flächenagenturen (BFAD). "In diesem Verband haben sich Flächenagenturen oder Ökopoolträger zusammengeschlossen. Ziele sind, Qualitätsstandards für Ökokonten und ihre Anbieter festzulegen, die positive Arbeit der Akteure deutschlandweit zu vernetzen und bekanntzumachen", erläutert Kreissprecher Andres Wulfes.
"Wir kaufen Flächen dort, wo sie für den Naturschutz günstig liegen und damit Synergien entfalten können. Wir erwerben zusammenhängende Flächen, auf denen Maßnahmen etabliert werden können, die auf Kleinflächen nicht umgesetzt werden können, beispielsweise Flächenvernässungen. Die Entwicklungskonzepte und die damit verbundenen Pflegemaßnahmen sind auf Dauer angelegt. Grundsätzlich erwerben wir keine Flächen, die für die Landwirtschaft eine hohe Bonität haben. Wir binden die Landwirtschaft bei der Pflege und Entwicklung der Flächen mit ein."
Das Angebot an diversen Ökoflächen, verbunden mit der dauerhaften Pflege, biete für Investoren ein attraktives Angebot und fördere die Wirtschaft. Geeignete Flächen könnten zeitgerecht angeboten werden. "Mit den Ökopunkten erzielen wir keinen Gewinn. Das System muss sich von selbst tragen. Aus dem Punkteerwerb werden neue Fläche erworben, Maßnahmen umgesetzt und die Pflege und Entwicklung sichergestellt", betont Wulfes.
Der Kompensationspool des Landkreises beträgt 191 Hektar. Bisher wurden rund 960.000 Ökopunkte beansprucht. Rund 600.000 Ökopunkte stehen noch zur Verfügung. Größere zusammenhängende Flächen befinden sich an der Este in Podendorf, am Brunsberg und in der Elbmarsch bei Bütlingen und Drage/Drennhausen.
Die Bewertung der Maßnahmen richte sich nach dem Niedersächsischen Städtetagmodell. "Das Ziel auf unseren Flächen ist, das jeweils naturschutzfachlich Sinnvollste zu entwickeln", so Wulfes.
Auch Kommunen haben eigene Flächenpools. Angaben zu den Größen und Punkten der anderen Pools sind dort zu erhalten.
Jeder Bürger oder Bauträger sei frei, den Ausgleich selbst vorzunehmen oder sich einer Kompensationsflächenagentur zu bedienen. Wulfes: "Wir als Naturschutzbehörde müssen darauf achten, dass der Ausgleich hinsichtlich Funktion und Umfang hinreichend erfolgt. Dahingehend beraten wir den Vorhabenträger und machen gegebenenfalls Vorschläge. Die Art und Weise der Kompensation ist mit uns abzustimmen und muss von uns als Untere Naturschutzbehörde anerkannt werden. Als Naturschutzbehörde sorgen wir dafür, dass der Ausgleich zwar auf einer rechnerischen Basis stattfindet, aber immer noch funktionsbezogen erfolgt."

Vorwerk-Geschäftsführer Torben Kleinfeldt zeigt den Plan des Flächenpools des Unternehmens
Hochlandrinder auf der Vorwerk-Fläche in der Todtglüsinger Heide
Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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