Hubschrauber im Garten

Seltsamer Anblick: Ein Hubschrauber "parkt" auf einem Feld mitten in Handeloh. Links ist der Korb zu sehen, aus dem der Kalk abgelassen wird
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Gegen Bodenversauerung: Klosterforsten lassen 3.500 Hektar kalken / Landeplatz in Handeloh. 

mum. Handeloh. Ein ungewöhnlicher Anblick bot sich Anfang dieser Woche den Handelohern (Samtgemeinde Tostedt). Mehrere Abende "parkte" ein großer Hubschrauber auf einer Weide mitten im Ort. Anlass war keine Panne, der Pilot hatte auch nicht die Orientierung verloren. Der Hubschrauber war im Einsatz für die Klosterforsten, die seit Mitte August auf einer Fläche von etwa 3.500 Hektar Kalk über den Revieren Niebeck (zwischen Celle und Uelzen) und Wehlen-Scharrl (nördlich von Soltau) verteilen. Ziel der Waldkalkung ist es, der Versauerung des Bodens entgegenzuwirken und so dessen natürliche Wiederherstellungskraft zu unterstützen.
In der Klosterrevierförsterei Niebeck wurde bereits ab Mitte August gekalkt. Betroffen sind Flächen bei Uelzen zwischen Unterlüß und Suderberg sowie Wälder bei Dalle, nördlich von Eschede. Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis zu sechs Wochen. Im Revier Wehlen-Scharrl werden hingegen nur kleine Bereiche gekalkt - etwa 80 Hektar, weil von der dortigen Forstfläche rund 90 Prozent im Naturschutzgebiet liegen.
"Diese sensiblen Bereiche sind inklusive Pufferzonen bewusst von der Kalkung ausgenommen, weil nährstoffarme Standorte für einige Pflanzen und Insekten kostbaren Lebensraum bieten", so Constantin von Waldthausen, Leiter der Klosterforsten. Der Kalk wurde an zwei Tagen im Landkreis Harburg bei Handeloh und im Landkreis Heidekreis, westlich von Bispingen in Richtung Heber, ausgebracht.
Über dem Wald wird der gemahlene Stein Dolomit ohne Zusätze verteilt. Das Material rieselt aus einem Behälter unterhalb des Hubschraubers auf den Waldboden. "Es ist gesundheitlich vollkommen unbedenklich, kann aber zu einer Verschmutzung der Kleidung führen", so von Waldthausen. An den Haupteingängen zu den entsprechenden Waldstücken wird aus diesem Grund mit Schildern jeweils auf die Arbeiten hingewiesen und das Betreten entsprechend der Sicherheitsvorschriften untersagt.
Das Sinken des pH-Werts im Waldboden kann sich negativ auf das gesamte Ökosystem auswirken. Der naturbelassene Kalk neutralisiert die über Niederschläge eingetragenen Säuren. Die passende Zusammensetzung an Nährstoffen im Waldboden ist Voraussetzung für ein gesundes Wachstum der Bäume und Pflanzen. Außerdem hat der Boden eine Filterfunktion für das Grundwasser.
Waldböden sind unterschiedlich zusammengesetzt und bewachsen, deshalb werden der pH-Wert sowie die Nährstoffzusammensetzung überprüft und Flächen mit hohem Säuregehalt ausgewählt. In diesem Fall handeln die Klosterforsten nach wissenschaftlicher Prüfung des Niedersächsischen Forstplanungsamtes und nach Genehmigung der jeweiligen Landkreise. Von den Standortfaktoren hängt es ab, ob und wie häufig Waldkalkungen als Kompensation durchgeführt werden. Seit den 1980er-Jahren wird in Deutschland Kalk über Waldflächen verteilt. Damals ermittelten Wissenschaftler hohe Säureanteile im Boden als eine Ursache des Waldsterbens. "In der Regel finden solche Maßnahmen alle 15 Jahre statt", sagt Moritz Groothoff, der für das Revier Wehlen-Scharrl verantwortlich ist.
• Im Vorfeld der Aktion hatte es in Handeloh leichte Verwirrungen gegeben. Ohne Absprache mit der Gemeinde wurde der benötigte Kalk an einem alten Bahnübergang nahe der Straße Im Gehege abgekippt. "Es gab Anfragen, ob es sich um ein Bauvorhaben handelt", so Bürgermeister Heinrich Richter, der sich auch erst einmal informieren musste. Etwas mehr Kommunikation wäre im Vorfeld gut gewesen.

26.600 Hektar Wald in Niedersachsen
Die Klosterkammer ist eine öffentliche Einrichtung, die das Vermögen von vier öffentlich-rechtlichen Stiftungen verwaltet. Diese sind aus ehemals kirchlichem Vermögen entstanden. Aus den Erträgen unterhält die Klosterkammer mehr als 800 Gebäude, viele davon sind Baudenkmale, und rund 12.000 Kunstobjekte. Weitere Mittel aus den Erträgen in Höhe von rund drei Millionen Euro stellt sie pro Jahr für mehr als 200 kirchliche, soziale und bildungsbezogene Maßnahmen in ihrem Fördergebiet zur Verfügung.
Der Klosterkammerforstbetrieb, kurz Klosterforsten, bewirtschaftet Forstflächen des Allgemeinen Hannoverschen Klosterfonds von insgesamt 25.000 Hektar in elf niedersächsischen Klosterrevierförstereien. Der Stiftsforstbetrieb Ilfeld mit 1.600 Hektar Forstfläche wird von der Klosterforsten-Management GmbH bewirtschaftet. Die jährliche Produktion liegt bei mehr als 170.000 Kubikmetern Holz.

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