Neue Vieregg-Rössler-Studie vorgestellt
Bahn-Neubautrasse Hamburg-Hannover als "Tabubruch der Verkehrsplanung"
- Der Vieregg-Rössler-Vergleich von Neubau-Sttecke links und der Alpha-E-Variante rechts
- Foto: Vieregg-Rössler GmbH / Screenshots
- hochgeladen von Bianca Marquardt
Die von der DB InfraGO propagierte Bahn-Neubautrasse als einzige Lösung zur Bewältigung des aktuellen und prognostizierten Verkehrsaufkommens auf der hoch frequentierten Strecke Hamburg-Hannover wird mit der neuen Vieregg-Rössler-Studie erneut infrage gestellt. Die Studie wurde durch die Gemeinde Seevetal, die Samtgemeinde Hanstedt und weitere Kommunen des Landkreises Harburg beauftragt und jetzt vom Projektbeirat Alpha-E in einer Online-Pressekonferenz vorgestellt.
Allerdings nahmen nur 19 Interessierte, davon nur ca. die Hälfte an Pressevertretern, teil.
Eine Aussage von Dr. Martin Vieregg: "Die Neubautrasse ist ein Frevel und Tabubruch der Verkehrsplanung!"
Er bezog sich dabei auf die angeblich gebündelte Verkehrsführung der neuen Schienenstrecke nahe Bundesstraße und Autobahn. Allerdings: "Nur auf zehn Kilometern verläuft die Strecke gebündelt und auf 130 Kilometern in ein bis drei Kilometern von der B3 und A7 entfernt", so Vieregg.
Rückblick: Die Alpha-E-Variante mit Ausbau der Bestandsstrecke war im Jahr 2015 mit großer Mehrheit im sogenannten Dialogforum Schiene Nord, einem Diskussions- und Beteiligungsformat mit Vertretern der an der Strecke liegenden Kommunen und Landkreisen mit großer Mehrheit beschlossen worden und wurde später mit der Anbindung Bremens optimiert.
- Die Vieregg-Rössler GmbH hatte bereits 2018 eine Studie mit den damals zugrunde liegenden Zahlen erstellt.
- 2018 seien die Güterzüge stärker über Uelzen gebündelt worden, woraufhin das Büro die Studie zwischen 2019 und 2021 im Auftrag des Projektbeirats Alpha-E und der Bürgerinitiativen weiterentwickelt habe.
- Die Kapazitätsanforderungen würden sowohl durch die Vieregg-Rossler-Alpha-E-Variante als auch durch eine neue Trasse eingehalten
Im Kern zeigt die neue Studie auf, wie durch die Ergänzung einiger Maßnahmen die 2015 erarbeitete Alpha-E Lösung so erweitert werden kann, dass alle Kapazitäts- und Fahrzeitanforderungen der Neubaustreckenplanung auch von der Ausbaustrecke erreicht werden.
Hierzu wird Alpha-E auf der Strecke Hamburg - Hannover durch folgende Maßnahmen ergänzt:
- Ein viertes Gleis zwischen Bad Bevensen und Uelzen
- Zusätzliche Überwerfungsbauwerke in Stelle, Lüneburg und Celle
- Umbau der Gleislagen im Bestand in den Bahnhöfen Lüneburg, Uelzen und Celle mit bahnsteiglosen Durchfahrgleisen zur Geschwindigkeitserhöhung (Lüneburg 190-220 km/h, Uelzen 200 km/h und Celle 230-240 km/h)
- Erhöhung der Geschwindigkeit auf freier Strecke auf 250 km/h.
"Es handelt sich hierbei um ein modulares Konzept, bestehend aus 14 einzelnen Modulen. Sobald einzelne Module umgesetzt sind, führt dies unmittelbar zu Verbesserungen auf der Strecke. Die Umsetzung der Maßnahmen zur Geschwindigkeitserhöhung steht im Kontext zum Deutschlandtakt und seiner Weiterentwicklung. Die im vierten Fahrplanentwurf des Deutschland-Taktes weiter verkürzten ICE-Fahrzeiten Hamburg - Hannover werden von der Ausbaustrecke eingehalten", so Vieregg.
Vorteile des optimierten Alpha-E
Der Studie zufolge sind die Vorteile der Umsetzung des optimierten Alpha-E gegenüber der Neubaustrecke erheblich:
- Erste deutliche Verbesserungen können in wenigeren Jahren als der Neubau erreicht werden
- Es ist fast kein Privatgrund erforderlich
- Keine Neuzerschneidung der Landschaft (bei der Neubaustrecke würden Landschaft und vier Orte auf 110 Kilometern Länge zerschnitten)
- Die Baukosten betragen mit rund drei Milliarden Euro nur ein Drittel gegenüber der Neubaustrecke (neun Milliarden Euro gemäß Preisstand 2026). Würden die ohnehin anfallenden Kosten der ursprünglich für 2029 geplanten Kosten der Generalsanierung herausgerechnet, koste die Ausbaustrecke mit gut zwei Milliarden Euro nicht einmal ein Viertel so viel.
- Es gebe durchgehend optimalen Lärmschutz an der Bestandsstrecke, der bei Realisierung der Neubaustrecke gesetzlich nicht vorgeschrieben sei (Lärmschutz ist gesetzlich immer mit Baumaßnahmen verknüpft), zusätzlich noch weiterer Lärmschutz auf der Basis des Abschlussdokuments des Dialogforums Schiene Nord
- Weiterhin Anbindung von Uelzen, Lüneburg und Celle mit schnellen ICE-Zügen, andernfalls würde die Altstrecke auf Regionalverkehrstempo abgebremst.
Problematisch für den Naturschutz
Problematisch wäre die Neubau-Bahntrasse auch für die für den Naturschutz relevanten Flora-Fauna-Habitat-Gebiete (FFH), von denen vier durchschnitten würden. Denn laut EU-Recht müsse zum Schutz der Gebiete die Alternative - hier das optimierte Alpha-E - genommen werden, auch wenn diese teurer wäre. "Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass diese Neubautrasse dasselbe Schicksal erleidet wie die Y-Trasse", meint Dr. Vieregg zu der rund 25 Jahre dauernden Planung der Trasse, die in den Bundesverkehrswegeplänen 1992 und 2003 enthalten war.
"Hetzkampagne" der DB in Bezug auf Lüneburg
Vieregg kritisierte auch die Hetzkampagne der Deutschen Bahn bezüglich der Umsetzung der Alpha-E-Variante in Lüneburg. Den Bewohner dort sei suggeriert worden, dass "halb Lüneburg für den Bestandsausbau plattgemacht" würde. Stattdessen müsste in Lüneburg nur ein Schuppen weichen, aber alle Bahnanlieger in Lüneburg würden vom verbesserten Lärmschutz profitieren.
Ortskundige hätten früher in Planung einbezogen werden müssen
Dr. Martin Vieregg kritisierte die Bahn ebenfalls in Sachen Transparenz. "Man hätte die Leute vor Ort, die sich auskennen, viel früher in due Planung einer Neubautrasse einbinden müssen."
Ein Beispiel für die mangelnde Ortskenntnis der Bahnplaner: In der dem Bundestag präsentierten Vorlage ist von dem "vorgesehenen zweigleisigen Neubau zwischen Hannover-Vinnhorst und Hamburg-Meckelfeld mit einer Streckenlänge von 109 Kilometern" die Rede, demnavh Meckelfeld also ein Hamburger Ortsteil ist.
Die Präsentationen des Projektbeirates
Dr. Peter Dörsam, Sprecher des Projektbeirat Alpha-E, veröffentlichte hier Hintergrundinfos
Die Ausbaupläne
Die Ausbaupläne sind vollständig auf Lageplänen im Maßstab 1:1.000 fertig ausgearbeitet und im Internet mit allen Erläuterungen frei verfügbar: www.vr-transport.de/alpha-e-vr/
Redakteur:Bianca Marquardt aus Tostedt |
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