Nachspiel nach Bundestagsplanspiel?
Jugendratsmitglied berichtet von störenden AfD-Jugendlichen
- Robin Schäfer auf dem Jakob-Mierscheid-Steg in Berlin, eine Brücke zwischen dem Paul-Löbe-Haus und dem Marie-Elisabeth-Lüders-Haus zwischen den Nebengebäuden vom Bundestag.
- Foto: Kathleen Helmholz
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Einmal selbst für vier Tage in die Rolle eines Bundestagabgeordneten schlüpfen - das ermöglicht das Planspiel "Jugend und Parlament" (JuP) im Deutschen Bundestag. Daran können jährlich mehr als 250 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 17 und 20 Jahren aus dem gesamten Bundesgebiet teilnehmen, die von Bundestagsabgeordneten der fünf Fraktionen im Bundestag nominiert werden. Eine solche Gelegenheit erhielt vor ein paar Wochen auch der Tostedter Gymnasiast Robin Schäfer (18), der auf Einladung der SPD-Bundestagsabgeordneten Svenja Stadler dabei war.
Bei dem Planspiel sei es zu Zwischenfällen gekommen, "die teilweise sehr kurios waren", wie Robin die Szenen, die sich in den Debatten abgespielt hätten, noch harmlos umschreibt. Denn was während des Planspiels offenbar auf Betreiben der von der AfD eingeladenen Jugendlichen geschah, könnte ein Nachspiel haben: Medien berichteten bundesweit von Rassismus und Beleidigungen bis hin zu einem "Planspiel-Eklat um die AfD".
Robin Schäfer gehört dem Jugendrat in Tostedt seit dessen Gründung im April 2024 an. Der Grund für sein politisches Engagement vor Ort: "Ich möchte den Anliegen von Gleichaltrigen Gehör verschaffen und Positives für die Jugend bewegen", sagt er. Seine Schwerpunkte: "Aktionen, um die Demokratie zu schützen und zu verteidigen und Extremismus, Rassismus etc. aktiv vorzubeugen Projekte für Jugendliche (erneut) umsetzen, Verbesserung des ÖPNV, Umweltschutz in der Samtgemeinde ausbauen, Meinungen der Jugend aktiv einbringen und deren Ideen kontinuierlich umsetzen."
Ziel des Planspiels: Jugendliche sollen den Alltag von Bundestagsabgeordneten nachvollziehen können. Und auch wenn Abgeordnete unterschiedlicher Couleur dazu einladen, soll es keine parteipolitische Veranstaltung sein - eigentlich.
"Es gab drei fiktive Parteien, die Gerechtigkeitspartei, die Bewahrungspartei sowie die Partei für Engagement und Verantwortung. Jeder Jugendliche erhielt eine Rollenkarte als Abgeordneter", erläutert Robin Schäfer. "Ich befasste mich mit der Frage, ob auf Social Media Klarnamen verwendet werden sollen."
Es wurden fiktive Landesgruppen und Ausschüsse gebildet. 36 Jugendliche durften Reden halten, alle Jugendlichen an den Abstimmungen teilnehmen. Weitere diskutierte Themen waren u.a., ob man Kurzstreckenflüge unter 600 Kilometern verbieten soll, ob die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Staaten ist Ostafrika intensiviert oder das Wahlrecht ab 16 Jahren gelten soll.
In den Sitzungen hatten die jungen Leute Kontakt zu weiteren Bundespolitikern, die abwechselnd jeweils für eine Stunde die Sitzungen leiteten, nämlich Josephine Ortleb (SPD), Bodo Ramelow (Die Linke) und Andrea Lindholz (CSU), Vizepräsidentin des Bundestages. Zum Abschluss sprach Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) ein paar Grußworte.
Robins Resümee: "Es war eine tolle, bereichernde Erfahrung, das live zu erleben. Wir haben viele Bekanntschaften geknüpft, viel diskutiert, auch mal gestritten, uns aber trotzdem vertragen."
Auf die "Zwischenfälle" angesprochen, berichtet Robin: "Eigentlich wurden im Vorfeld keine Teilnehmerlisten verschickt. Die AfD-Leute hatten sich aber vorab in WhatsApp-Gruppen verbunden mit dem Ziel, eigene Meinungen voranzutreiben, ihre Botschaften zu positionieren und das Planspiel zu stören", meint der 18-Jährige. An einem Tag seien die von der AfD eingeladenen Jugendlichen sehr ruhig gewesen, um am dritten Tag, "die Bombe platzen zu lassen". Sie seien durch rassistische, sexistische und beleidigende Zwischenrufe aufgefallen. Ein Jugendlicher habe das White-Power-Symbol gezeigt, das in rechtsextremen Kreisen als Zeichen für die angebliche Überlegenheit weißer Menschen gilt. Dieser Jugendliche sei von dem Planspiel ausgeschlossen worden.
Abends im Hotel soll es wegen einer körperlichen Auseinandersetzung noch einen Polizeieinsatz gegeben haben.
Im Nachgang des Planspiels habe die AfD-Fraktion beklagt, mehrere von ihr nominierte jugendliche Teilnehmer hätten ihrerseits von Ausgrenzung, Mobbing, üblen Beschimpfungen und Beleidigungen berichtet.
Wegen der Vorfälle bei dem Planspiel haben SPD und Grüne Änderungen der Regeln gefordert. Auch soll sich der Ältestenrat des Parlaments damit beschäftigen. Die Ergebnisse stehen noch aus.
Redakteur:Bianca Marquardt aus Tostedt |
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