Landkreis Harburg
Werden nicht mehr genügend Kinder geboren?
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Bund und Land wollten sich in den vergangenen Jahren als besonders familienfreundlich zeigen, insbesondere zu Wahlkampfzeiten, und Möglichkeiten für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf schaffen. Ergebnis: Seit August 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz, wie vom Bund beschlossen. Und seit August 2018 gilt in Niedersachsen die Kita-Beitragsfreiheit für Kinder ab drei Jahren bis zur Einschulung. Bezahlen müssen das insbesondere die Kommunen, die in den vergangenen Jahren viele Millionen Euro in den Ausbau der Kinderbetreuung investiert haben. Manche Städte, Samtgemeinden und Gemeinden kamen wegen der großen Nachfrage zwischenzeitlich mit dem Ausbau der Betreuungsplätze nicht hinterher. Fachpersonal wurde zur gefragten Ressource. Doch mancherorts müssen Kindergarten- und Krippengruppen inzwischen mangels Nachfrage geschlossen oder zusammengelegt werden. Werden also nicht mehr genügend Kinder geboren? Das WOCHENBLATT fragte exemplarisch in einigen Kommunen nach, wie sich die Geburtenzahlen und die Situation in den Kindertagesstätten darstellen.
In Tostedt, Hollenstedt und Neu Wulmstorf sind die Geburtenzahlen bzw. Zuzugszahlen rückläufig. Die höchsten Geburtenraten wurden demnach 2021 und 2022 registriert (in und nach der Corona-Pandemie). Während in der Samtgemeinde Tostedt, die im vergangenen Jahr ihre größte und teuerste Kita mit zwei Krippengruppen, drei Elementargruppen und einer flexiblen Gruppe für 8,5 Millionen Euro in Betrieb nahm, inzwischen freie Plätze verfügbar sind, ebenso wie in Neu Wulmstorf, mussten in einer Kita in der Samtgemeinde Hollenstedt zwei Krippengruppen mangels Nachfrage geschlossen werden.
Die Räume werden derzeit für den weiteren pädagogischen Betrieb genutzt. Entlassungen konnten durch interne Wechsel und den Abbau von Vakanzen vermieden werden.
TOSTEDT
Seit 2013 hat zum Beispiel die Samtgemeinde Tostedt 17,78 Millionen Euro in Kita- und Krippenbau investiert. Aktuell werden dort 965 Kiga-Plätze und 180 Krippen-Plätze vorgehalten. Zusätzlich gibt es noch Plätze in der Tagesbetreuung. Zum 1. Februar 2026 waren 53 Kiga-Plätze und 51 Krippen-Plätze frei.
Die Geburtenzahlen sind rückläufig. In den letzten sechs Jahren waren es im Mittel 268 Geburten. Im letzten Kindergartenjahr (1. August 2025 bis 31. Juli .2026) waren es 246 Geburten.
Schließungen oder Zusammenlegungen von Krippen- und/oder Kita-Gruppen seien bislang nicht notwendig.
Ein Grund: "Aufgrund der Platznot waren temporär drei Kleingruppen zusätzlich eingerichtet worden. Diese sollten schon aufgrund der beengten Platzverhältnisse nur vorübergehend betrieben werden und wurden wieder aufgelöst", erläutert Samtgemeinde-Bürgermeister Dr. Peter Dörsam.
HOLLENSTEDT
In der Samtgemeinde Hollenstedt mussten hingegen aufgrund der gesunkenen Nachfrage zum 1. August 2026 zwei Krippengruppen mit insgesamt 30 Plätzen in der DRK-Krippe „Achtern Schünen“ in Hollenstedt geschlossen werden.
Aktuell gibt es in der Samtgemeinde Hollenstedt 90 Krippenplätze und 411 Plätze im Elementarbereich. Zuvor standen 120 Krippenplätze zur Verfügung.
Im Zeitraum von 2013 bis 2026 hat die Samtgemeinde insgesamt rund 7,4 Millionen Euro in den Bau und die Erweiterung von Kindertagesstätten und Krippen investiert.
"Die Geburtenzahlen in der Samtgemeinde Hollenstedt sind in den vergangenen Jahren insgesamt zurückgegangen. Diese Entwicklung wird auch durch den Landkreis Harburg bestätigt", informiert Samtgemeinde-Bürgermeister Philip Werk.
Die in der Samtgemeinde Hollenstedt registrierten Geburtenzahlen:
2021: 137 Kinder
2022: 129 Kinder
2023: 108 Kinder
2024: 102 Kinder
2025: 108 Kinder
"Damit lag die Zahl der Geburten im Jahr 2025 trotz eines leichten Anstiegs gegenüber dem Vorjahr weiterhin deutlich unter dem Niveau der Jahre 2021 und 2022", so Werk. "Die Samtgemeinde wird die weitere Entwicklung der Kinderzahlen und des tatsächlichen Betreuungsbedarfs weiterhin aufmerksam beobachten. Unser Ziel bleibt es, den Familien in der Samtgemeinde ein bedarfsgerechtes und verlässliches Betreuungsangebot zur Verfügung zu stellen", erklärt der Hollenstedter Samtgemeinde-Bürgermeister.
NEU WULMSTORF
In der Gemeinde Neu Wulmstorf gab es zum 1. März 2025 insgesamt 1.107 genehmigte Betreuungsplätze, davon konnten im vergangenen Jahr 1.096 Plätze genutzt werden. Die Plätze teilten sich wie folgt auf:
Krippenbereich (gesamt): 266 Plätze (elf Plätze konnten hiervon in 2025 nicht genutzt werden), Elementarbereich (gesamt): 841 Plätze.
Die Gemeinde Neu Wulmstorf hat die Kinderbetreuung in den vergangenen Jahren stetig ausgebaut.
In folgende Einrichtungen seit 2013 wurde investiert:
2013: Kita Apfelgarten (Neubau von zwei Elementargruppen und zwei Krippengruppen in zwei Bauabschnitten)
2013: Kita Stieglitzweg (An-/Umbau einer Krippengruppe)
2014: Kita Fuchsbau (Anbau einer Krippengruppe)
2014: Kita Waldbären (eine Waldgruppe).
2017: Kita am See (Neubau einer Elementargruppe und eine Krippengruppe)
2018: Kita Kleiner Tiger (Anbau einer Krippengruppe)
2020: Kita Krümelkiste (Neubau von drei Elementargruppen und zwei Krippengruppen)
2024: Kita Fuchsbau (Anbau von zwei individuell nutzbaren Gruppen)
2026: Kita HeideBären (Neubau von zwei Gruppen als Ersatzbau für einen Abriss. Dadurch werden keine neuen Betreuungsmöglichkeiten geschaffen).
Zusätzlich wurde für die Kinderbetreuung folgende Objekte angemietet:
2022: Kita Wulmstorfer Wiesen (zwei Elementargruppen und zwei Krippengruppen)
2023: Kita Lessinghöfe(zwei Elementargruppen und zwei Krippengruppen).
Insgesamt hat die Gemeinde in die genannten Betreuungsplätze rund zwölf Millionen Euro investiert. Der Ersatzbau für die Kindertageseinrichtung Heidebären schlägt mit ca. zwei Millionen Euro zu Buche.
Bisher mussten in Neu Wulmstorf keine Gruppen geschlossen oder zusammengelegt werden. "Wir beobachten die Situation und sind mit unseren Trägern in einem sehr guten Austausch. Sollte es die Situation erfordern, werden wir sicherlich eine gute Lösung finden, Gruppen umzuwandeln oder zusammenzuschließen", informiert Bürgermeister Tobias Handtke.
Außerdem habe die Gemeinde Neu Wulmstorf stets versucht, Schwankungen im Bedarf durch individuelle Lösungen (Interimsgruppen, Containerlösung oder Kleingruppen) auszugleichen.
Auf Basis der Erhebungen für den Kitabedarfsplan für den Landkreis Harburg (Daten aus Ende 2025) schwanken die Geburtenzahlen und liegen derzeit - wie auch in der Samtgemeinde Tostedt - unter dem Höchststand des Kindergartenjahres 2021/2022, in dem 248 Kinder unter einem Jahr registriert wurden.
"Für das Jahr 2024/2025 verzeichnen wir 206 Kinder. Im Vergleich zum direkten Vorjahr (208 Kinder) ist die Zahl jedoch nur minimal gesunken. Ein kontinuierlicher oder stark rückläufiger Trend lässt sich aus diesen Daten nicht ableiten. Hinsichtlich der Zuzüge ist durch geplante Neubaugebiete in Wanderungsgewinne perspektivisch mit einem Zuwachs und somit mit steigenden Kinderzahlen zu rechnen", erklärt Tobias Handtke.
Redakteur:Bianca Marquardt aus Tostedt |
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