Heidenau und Tostedt
Windkraftanlagen sollen repowert werden

Aus den drei Windkraftanlagen in Wüstenhöfen (Gemeinde Tostedt, links) soll eine 200 Meter hohe Anlage werden. Die vier Anlagen auf Heidenauer Gebiet werden ebenfalls durch 200 Meter hohe Windräder ersetzt
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  • Aus den drei Windkraftanlagen in Wüstenhöfen (Gemeinde Tostedt, links) soll eine 200 Meter hohe Anlage werden. Die vier Anlagen auf Heidenauer Gebiet werden ebenfalls durch 200 Meter hohe Windräder ersetzt
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bim. Heidenau. Die Windkraftanlagen auf Gebiet der Gemeinden Tostedt und Heidenau sollen repowert werden, also durch neue, leistungsstärkere und um 50 Meter höhere Anlagen ersetzt werden. Darüber informierten am Mittwochabend NeXtWind-Projektleiter Daniel Seybold und Projekt-Koordinatorin Tanja Kreuz (FUTURAgruppe) zahlreiche Bürgerinnen und Bürger sowie Ratsmitglieder im Heidenauer Hof. Ergebnis: Wenn die 1.000 Meter Abstand zu Wohnbebauung eingehalten werden, wenn es nicht lauter und bei der Anzahl der jährlichen Schattenwurf-Stunden noch verhandelt wird, dürfte der in Heidenau noch nötigen Bebauungsplan-Änderung wohl nichts im Wege stehen, fasste Heide-#+naus Bürgermeister Dierk Beneke zusammen.

Weg von russischer
Gasbhängigkeit

Er hatte eingangs wegen der deutschen Abhängigkeit von russischem Gas auf die aktuell noch bedeutender gewordene Eigenversorgung durch erneuerbare Energien hingewiesen und Bundespolitiker zitiert mit Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne): "... brauchen ökologischen Patriotismus" und Finanzminister Christian Lindner (FDP), der die "grüne Energie" als "Freiheitsenergie" bezeichnet hatte. Ein leistungsstärkerer Windpark soll aber nur realisiert werden, wenn die Lebensqualität nicht eingeschränkt werde und die Gemeinden partizipieren, betonte Beneke.

Das Unternehmen NeXtWind aus Berlin hat die Windparks Tostedt und Heidenau erworben und will die 150 Meter hohen "technischen Rentner" nun repowern. Die drei Windenergieanlagen (WEA) in Wüstenhöfen (Gemeinde Tostedt) wurden 2002 in Betrieb genommen und sollen laut den Plänen durch eine neue, 200 Meter hohe WEA ersetzt werden. 200 Meter hoch sollen auch die vier Anlagen sein, die die im Jahr 2006 errichteten Windräder auf Heidenauer Gebiet ersetzen sollen. Die alten WEA hatten jeweils 2,2 Megawatt, die neuen werden jeweils fünf Megawatt haben und die bisherige Jahresproduktion verdreifachen.

In den vergangenen Jahren haben sich die Regelungen rund um das Thema Windkraft bereits verändert: Anstatt 150 Meter Abstand zum Wald gilt mit dem Regionalen Raumordnungsprogramm 2025 des Landkreises Harburg lediglich noch ein Abstand von 60 Metern. Der ursprüngliche Abstand von 750 Metern zum nächstgelegenen, reinen Wohngebiet wurde auf 1.000 Meter Abstand zu Siedlungsgebieten erweitert. Diese Abstände würden eingehalten, versicherten Daniel Seybold und Tanja Kreuz.

Gewerbesteuer und
Beteiligung am Erlös

Außerdem müssen die Betreiber nun 90 statt der zuvor 75 Prozent Gewerbesteuer an die Gemeinde, auf denen die WEA stehen, zahlen, berichtete Daniel Seybold. Um den Ausbau der erneuerbaren Energien zu beschleunigen und die Akzeptanz der "Spargel" zu erhöhen, ermöglicht die Bundesregierung den Betreibern mit dem "Osterpaket", Gemeinden im Umkreis von 2,5 Kilometern am Erlös der Anlagen mit 0,2 Cent je Kilowattstunde zu beteiligen. "Das würde den anliegenden Gemeinden bei den geplanten Anlagen jährlich 100.000 Euro in die Kassen spülen", rechnete Seybold vor. Dieses Geld würde anteilig auf Heidenau, Tostedt, Dohren und Hollenstedt verteilt.

Die neuen Anlagen würden vergleichbar laut sein wie die jetzigen. "Der Schall wird nach Inbetriebnahme abgenommen", erläuterte Tanja Kreuz. Allerdings würden "Ausbreitungsmessungen" erfolgen und keine Messung des tatsächlich bei den Häusern ankommenden Schalls.

Auch Artenschutzaspekte würden noch untersucht, wie im Fall der Tostedter und Heidenauer Anlagen u.a. das Vorkommen von Rotmilanen und Fledermäusen.

Ein weiteres Problem für Anwohner ist der Schattenwurf - größere Anlagen werfen längere Schatten. Hier schütze der Gesetzgeber die Anwohner, indem er 30 Stunden Schattenwurf pro Jahr erlaube. Darüber hinaus werde die Anlage automatisch abgeschaltet, so Seybold. Diese Zahl werde im Grunde nur bei durchgehendem Sonnenschein erreicht. Dennoch warb Tostedts Gemeindedirektor Dr. Peter Dörsam dafür, über eine weitere Reduzierung der Schattenstunden zu sprechen.

Die Gemeinde Tostedt hatte den Bebauungsplan „Windpark Wüstenhöfen“ bereits im Juli 2020 aufgestellt. Für die Anlagen am Geheger Weg muss die Gemeinde Heidenau diesen Schritt noch machen. Aus der Lokalpolitik kam der Vorschlag, einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufzustellen und mit dem Anlagenbetreiber einen städtebaulichen Vertrag abzuschließen, um darin bestimmte Vorgaben festzuschreiben, u.a., dass konkrete Ansprechpartner für technische Pannen benannt werden. Wichtig ist der Lokalpolitik auch, dass die Messwerte offengelegt werden.

Wenn die erforderlichen Genehmigungen im letzten Quartal 2023 vorliegen, könnten die neuen Anlagen 2024 ans Netz gehen, erläuterte Seybold.

Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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