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„Abends bin ich oft allein“

Rolf Pöker sitzt in seiner Obdachlosenunterkunft, die er mit viel Liebe gemütlich eingerichtet hat
 
Rolf Pöker in seiner kleinen Küche

Der obdachlose Rolf Pöker feierte jetzt seinen 75. Geburtstag / Unterkunft mit Liebe „verschönert“.

mum. Buchholz. Der Strauß Rosen steht noch auf dem kleinen Tisch, die Blüten sind nicht verwelkt: Rolf Pöker, der Obdachlose über dessen Schicksal das WOCHENBLATT in den vergangenen Monaten mehrfach berichtet hat, feierte am vergangenen Mittwoch seinen 75. Geburtstag. Anlass genug, um zu schauen, wie es ihm heute geht. Nachdem die Stadt Buchholz Pöker am 11. Juli aus der Obdachlosenunterkunft an der Bremer Straße warf, übernachtete der Rentner mehrere Nächte im Wald. Erst als unsere Zeitung im Rathaus intervenierte, bot man Pöker eine Dachgeschosswohnung in der Rütgersstraße an - ein dreckiges Loch, das erst Tage später halbherzig auf Vordermann gebracht worden war.
„Gefühlt ist das alles schon so lange her“, sagt Pöker. „Ich bin froh, dass ich jetzt langsam zur Ruhe komme.“ Das kleine Zimmer hat der 75-Jährige liebevoll eingerichtet. Bilder an der Wand, Dekokissen auf dem gebrauchten Sofa und Schokolade in einer kleinen Schale. Den schmutzigen Fußboden hat der Rentner mit Teppichen kaschiert.
Jetzt hat Rolf Pöker sogar eine neue Aufgabe gefunden. Zweimal in der Woche arbeitet er ehrenamtlich für das „Kaufhaus mit Herz“. Er sortiert die Spenden, repariert Möbel und hilft beim Entladen der Autos. Ansonsten ist er viel mit seinem Fahrrad unterwegs. „Ich will fit bleiben“, sagt er. Abends in seiner Wohnung hört er Musik, Fernsehen sei nicht so seine Sache. „Manchmal fühle ich mich sehr einsam“, sagt Pöker. Er habe keine Familie. Seine Aufmerksamkeit widmet Pöker den Tieren. Am liebsten hätte er wieder ein paar Kanarienvögel. Doch deren Haltung ist offiziell in der Obdachlosenunterkunft verboten.
Warum Rolf Pöker sich nicht eine kleine Wohnung in Buchholz sucht, weiß wahrscheinlich noch nicht mal er selbst. Aus seinen verschiedenen Anstellungen - unter anderem hat er in der ehemaligen DDR Uranerz abgebaut - steht ihm eine Rente in Höhe von 524 Euro zu. Dazu die Grundsicherung in Höhe von 154 Euro. Außerdem würde ihm sogar Wohngeld zustehen. Dennoch zieht es Pöker vor, für eine Not-Unterkunft monatlich 317 Euro zuzüglich Nebenkosten zu zahlen. „Ich finde einfach nichts“, sagt er entschuldigend.

Auf ein Wort:

Sich an die Zusagen zu erinnern, wäre eine feine Geste
Sehr geehrter Herr Erster Stadtrat Jan-Hendrik Röhse, manchmal versprechen Menschen Dinge, an die sie sich später nicht mehr erinnern können - oder wollen? Mir fällt da unser gemeinsamer Besuch bei Rolf Pöker Mitte August ein. Voller Tatendrang stiegen Sie auf einen Stuhl, um das offene Dachfenster zu schließen. Danach sagten Sie, dass die verrottete Fensterbank noch repariert wird. Auch der verdreckte Fußboden sollte gereinigt werden und ein Kammerjäger sollte bestellt werden. Leider ist all das nicht geschehen. Ich bin sicher, Ihr voller Terminkalender ist der Grund, dass Sie noch nicht dazu gekommen sind, die Arbeiten zu veranlassen. Nachdem Bürgermeister Wilfried Geiger schon keine Zeit fand, sich um einen Außenseiter in seiner Stadt persönlich zu kümmern, wäre es eine feine Geste, wenn zumindest Sie sich an Ihre Zusagen erinnern.
Immerhin: Zwei der drei Abseiten wurden geräumt. Der Müll türmt sich jetzt zwar im Garten, aber man soll ja nicht zu viel erwarten.
Sascha Mummenhoff

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